PLS-Logo |   Dies & Das zur Stadtplanung — Teil 6
  (Verkehr)

khd
    Stand:  5.11.2014   (58. Ed.)  –  File: PLS/Ex/PLS_Dies-Das_06.html



Diese Seite ist Teil des Bürger-Portals zur Stadt(ver)planung in Lichterfelde-Süd. Giesensdorf – wie Lichterfelde-Süd früher hieß – ist seit jeher das Stiefkind der (Bezirks-) Politiker. Manche von ihnen wissen noch nicht mal, wo „Giesensdorf“ überhaupt liegt — und entscheiden dennoch über gravierende Bauleitplanungen in dieser Gegend. Man schob und schiebt dort gerne etwas hin, was man in den feineren Wohnquartieren des Bezirks nicht so gerne sieht. [Ständig benachteiligt!]

  Lichterfelde-Süd / Giesensdorf
Ständig benachteiligt!
Eine Abrechnung
 
Auf den „Dies & Das“-Seiten sind Anfragen, Fakten, Schriftwechsel sowie aufschlußreiche Begebenheiten dokumentiert. Den Schwerpunkt dieses 6. Teils bildet die Frage des durch eine Großstil-Wohnbebauung von Lichterfelde-Süd erzeugten zusätzlichen Auto-Verkehrs.

Die Texte und Daten stammen aus verschiedenen Quellen, die jeweils angegeben sind. Dabei gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis. Archivort ist Houston (USA), wo das „fair use“-Prinzip gilt. Sämtliche Links wurden redaktionell hinzugefügt. Hier sind dokumentiert und manches auch in [Ed:...] kommentiert:

I n h a l t :      
khd-Page


Ein Verkehrskollaps droht

Wenn Schildbürger planen!


LICHTERFELDE-SÜD – 17. November 2012 (pls). Schon heute gibt es in Lichterfelde-Süd (Giesensdorf) reichlich Verkehrsprobleme — vor allem im Berufsverkehr. Vor der Einmündung der Osdorfer Straße in den Ostpreußendamm treten immer wieder erhebliche Staus auf. Verursacht werden diese durch den Verkehr aus Brandenburg, der über Osdorf anrollt sowie den über die Hildburghauser Straße und den Blanckertzweg aus Marienfelde zuströmenden Quer-Verkehr. Außerdem trägt das
fehlgeplante Einkaufszentrum am S-Bhf. Osdorfer Straße zu den entstandenen Problemen bei.

      Dennoch sah der Investor „CA Immo“ am 6.7.2012 (2. Workshop, TOP 5 + 8) keine zusätzlichen Verkehrsprobleme, die durch eine Wohnbebauung südlich der Thermometer-Siedlung entstehen könnten. „Die Kapazität der Umgebungsstraßen reicht voraussichtlich aus“, heißt es im Protokoll. Untersucht wurde das aber bislang nicht.

      Nun weisen Senat und Investor daraufhin, daß Lichterfelde-Süd bereits hervorragend an den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) angeschlossen sei. Vom S-Bhf. Lichterfelde-Süd fahren die S 25 sowie mehrere Buslinien in die Stadt. Damit versuchen sie zu suggerieren, daß die künftigen Bewohner nur wenig zusätzlichen Individual-Verkehr produzieren würden. Aber ist das wirklich realistisch, daß die Neubewohner vorwiegend den ÖPNV nutzen werden?

      Immerhin sollen südlich der Réaumurstraße nach den Senatsvorstellungen bis zu 3.300 Wohneinheiten entstehen, mit vielleicht um die 8.000 Einwohnern — knapp doppelt so viel, wie heute schon in der Thermometer-Siedlung leben. Es ist aber vorgesehen, daß die allermeisten „Wohneinheiten“ in Form von Einfamilien- und Reihenhäusern mit Gärten gebaut werden. Also wird damit ein ganz bestimmter finanzkräftiger Personenkreis angesprochen. Dieser wird ganz sicher nicht aufs eigene Auto verzichten, wenn er sich am Stadtrand in Lichterfelde-Süd einkauft und dafür 1/3 bis zu 1/2 Million Euro bezahlt hat.

      Realistisch ist daher, mit einem Mehr an etwa 3.000 Pkws zu rechnen. Diese werden dafür sorgen, daß das Nadelöhr Osdorfer Straße/Ostpreußendamm zu bestimmten Zeiten total verstopft sein wird. Ein weiterer Ausbau dieser Einmündung an der Giesensdorfer Dorfaue über das bereits vor einigen Jahren erfolgte Maß ist nicht mehr möglich.

      Schon allein aus diesem Grund ist eine Großstil-Bebauung von Lichterfelde-Süd nicht sinnvoll, zumal anderenorts in der Stadt viel besser geeignete Flächen für den Bau von Eigenheimen vorhanden sind. Nur Schildbürger planen sich sehenden Auges einen Dauer-Verkehrskollaps, in dem dann auch die in die Stadt fahrenden ÖPNV-Busse stecken bleiben.

Noch ein Bauvorhaben

      22.11.2012 (pls). Auch an der Hildburghauser Straße 230/232 sollen demnächst auf dem Grundstück neben der früheren Coca-Cola-Fabrik Einfamilienhäuser gebaut werden. Dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf liegt im Herbst 2012 eine Bauvoranfrage mit Entwürfen der Eigentümerin vor. [
mehr]

      Ein Bebauungsplanverfahren, in dem auch die verkehrlichen Folgen zu klären sein werden, wird vorbereitet. Zwar stehen dort nur rund 14 Hektar zur Bebauung zur Verfügung, dennoch darf davon ausgegangen werden, daß die künftigen Bewohner mit etwa 100 zusätzlichen Pkws zur Verkehrsbelastung der Osdorfer Straße beitragen werden.



Bedeutung der Osdorfer Straße


LICHTERFELDE-SÜD – 25. November 2012 (pls). Nur der Abschnitt der Osdorfer Straße zwischen Blanckertzweg und dem Ostpreußendamm ist eine „übergeordnete Hauptverkehrsstraße“ zusammen mit dem Blanckertzweg und der Hildburghauser Straße. Der südliche Teil der Osdorfer Straße ist lediglich eine nachgeordnete Straße, auch wenn diese im Bereich der Thermometer-Siedlung zwischen Scheelestraße und der Einmündung der Celsiusstraße relativ breit ausgebaut ist. Auf dem Gebiet des Landes Brandenburg ist die Osdorfer Straße eine Gemeindestraße Großbeerens — keine Landesstraße für den überörtlichen Verkehr.

      Daran soll sich nach dem Willen der zuständigen Behörden in Brandenburg und Berlin auch nichts ändern. Das geht aus der Antwort vom Oktober 2012 auf eine Kleine Anfrage im Brandenburger Parlament hervor (
Drucksache-Nr. 5/6208). Nur die Hildburghauser Straße solle demnächst von Berlin ausgebaut werden, heißt es. Zitat:

„Mit dem Ausbau der B 101 wurde eine schnelle und wirtschaftliche Anbindung zur A 10 geschaffen. In Abstimmung mit dem Land Berlin soll die schnelle Erreichbarkeit von Zielorten im südlichen Berlin, einschließlich Lichterfelde Süd, über die B 101 (Marienfelder Straße) und Hildburghauser Straße sicher gestellt werden. Das Land Berlin wird die Hildburghauser Straße demnächst ausbauen. Damit wird eine bessere Erschließung von Lichterfelde-Süd aus Richtung Großbeeren geschaffen. Die verkehrliche Bedeutung der Osdorfer Straße wird dadurch zurückgehen. Der Bau einer ‚Abkürzung‘ über die Osdorfer Straße wird seitens der Länder Brandenburg und Berlin nicht angestrebt.“
      Damit mögen vielleicht die Brandenburger Verkehrsprobleme mit der Osdorfer Straße formal gelöst sein. Aber die Berliner Probleme mit dem Flaschenhals der Osdorfer Straße zwischen Blanckertzweg und Ostpreußendamm bleiben bestehen. Es sei denn, man setzt auf Verkehrsvermeidung.
[2010: Streit um Ausbau der Osdorfer Straße]



Straßenausbau beginnt

Instandsetzung der Hildburghauser Straße soll in diesem Jahr starten.

Aus:
Berliner Woche (Ausgabe Steglitz-Süd) – Nr. 6/2013, 6. Februar 2013, Seite 1 (Aufmacher).

LICHTERFELDE (KM). Der seit Langem fällige Ausbau der Hildburghauser Straße und des Blanckertswegs soll in diesem Jahr beginnen. Lange wehrten sich die Bürger gegen einen aus ihrer Sicht überteuerten Ausbau, den sie bezahlen hätten müssen.

Die Hildburghauser Straße und der Blanckertsweg bilden eine Hauptverkehrsverbindung zwischen Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf. Sie wird von immer mehr Lkw und Bussen befahren. Die Straße wurde 1952/53 im Notstandsprogramm ausgebaut. Zwischen 1980 und 1990 sind immer wieder Asphaltreparaturen durchgeführt und teilweise neue Beläge aufgetragen worden.

Die durch das wachsende Verkehrsaufkommen verursachten Risse und Schlaglöcher führen zu Verkehrslärm, Schäden an Autos und gefährlichen Verkehrssituationen. Auf der kompletten Hauptverkehrsverbindung darf nur noch Tempo 30 gefahren werden.

Die Instandsetzung des Straßenzuges ist längst überfällig. Der Start der Maßnahme verzögerte sich immer wieder, weil die Anwohner sich gegen eine "Luxussanierung" wehrten. Schließlich sollten sie den Großteil der Kosten übernehmen. Nach Aufhebung des Straßenausbaubeitragsgesetzes zahlt nun das Land den Ausbau. 8 Millionen Euro sind dafür in die Investitionsplanung des Berliner Haushaltes eingestellt worden.

Die Maßnahme beinhaltet die Grundinstandsetzung der Hildburghauser Straße zwischen Blanckertsweg und Bezirksgrenze. Allerdings kann die Fahrbahn aufgrund des hohen Altbaumbestandes nicht verbreitert werden und wird somit auch weiterhin eine Breite von 6 bis 8 Metern behalten. Darüber hinaus sollen soweit möglich Radfahrstreifen oder Radwege angelegt werden. Parkbuchten bekommen eine Bordkante zum Gehweg. Somit soll das Parken in Wurzelbereichen und das Befahren von Geh- und Radweg vermieden werden.

Im Gegensatz zur Hildburghauser Straße bietet der Blanckertsweg genügend Platz, um auf beiden Seiten der Fahrbahn einen Radfahrstreifen zu markieren. Parkmöglichkeiten sind wie bisher nicht vorgesehen. Zudem werden die Berliner Wasserbetriebe eine Regenentwässerung anlegen.



Z U R   D I S K U S S I O N

Wohngebiete vor Durchgangsverkehr schützen

Bürger-Vorschläge für Kleinmachnow, Zehlendorf-Süd, Lichterfelde-Süd und Teltow.


Autoverkehr im SW Berlins
^   Ideen zum Schutz der Wohngebiete im Südwesten Berlins vor Durchgangsverkehr. Dieser Vorschlag sieht u. a. vor, die Osdorfer Straße auf Brandenburger Gebiet bis zur Stadtgrenze für den Autoverkehr zu sperren.   (Grafik: 2013 – AGM)




Ausbau der Osdorfer Straße gefordert

Groth-Gruppe präferiert Erschließung über die Osdorfer Straße


LICHTERFELDE-SÜD – 18. März 2014 (khd). Seit Anfang 2013 hortet die Groth-Gruppe von ihr in Auftrag gegebene Gutachten, ohne diese in den öffentlichen Diskussionsprozess zu geben. Darunter sollen auch Untersuchungen zum zu erwartenden Verkehr sein. Warum das alles vor den Bürgern geheimgehalten wird, bleibt unklar. Immerhin ließen sich damit doch auf dem verödeten Groth-Portal „Lichterfelde-Sued-im Dialog.de“ interessante Dialoge gestalten — aber man will ja wohl sowieso keinen echten Dialog. Im Bebauungsplan-Verfahren müssen auch diese Gutachten veröffentlicht werden, damit die Abwägungsprozesse nachvollzogen werden können.

Dennoch sind einige Fakten durchgesickert. Danach soll die Erschließung der Grothschen „
Gartenstadt Lichterfelde“ über eine noch zwischen Lichterfelder Ring und der Stadtgrenze auszubauende Osdorfer Straße erfolgen. Das impliziert aber eine quer durchs Parks-Range-Areal zu führende Haupterschließungsstraße mit Abzweigungen in die laut Masterplan geplanten 5 Wohnquartiere Q1–Q5. Das würde eine totale Zerstörung des laut Fugmann/Janotta-Gutachtens zu schützenden unzerschnittenen Naturraums bedeuten.

Deshalb haben ganz offensichtlich von der Groth-Gruppe beauftragte Gutachter auch eine alternative Haupterschließung über die Lippstädterstraße untersucht (aus dem XII-252 bekannte Tunnel-Lösung von 1982). Im Bezirksamt soll es Befürworter dieser Anbindung geben. Schließlich habe man vor Jahren die Lippstädterstraße nicht ohne Grund schon so breit gebaut, ist zu hören. Dennoch ist diese Tunnel-Lösung wenig wahrscheinlich, da sie teuer ist, und durch die erforderlichen Rampen geht Bebaubarkeit verloren.

Es gibt ein ganz frisches Gerücht. Danach überlegt man inzwischen eine innere Ringstraße, die an die südliche Osdorfer Straße angebunden werden soll. Obwohl diese Verkehrsgutachten nach den Aussagen auf dem Grothschen Dialog-Portal seit 2013 fertiggestellt sind, wurden sie bislang nicht publiziert. Um eine wirklich faire Diskussion zu ermöglichen, wäre es gut, sie umgehend im Internet zu veröffentlichen.

Gutachten zu diesem Thema:
Anfang Juni 2014 trudelten dann doch noch einige Verkehrs-Gutachten ein.
[Verkehrs-Analyse des PST-Büros vom Feb. 2013]
[Verkehrs-Analyse des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf vom Dez. 2013]


Ausbau in Brandenburg

Unterdessen tut sich was in Brandenburg. Das Potsdamer Ministerium für Infrastruktur ist nunmehr bereit, einen Ausbau der 3 km der verlängerten Osdorfer Straße zwischen Stadtgrenze und der alten B 101 finanziell zu unterstützen, wenn sich die zuständige Gemeinde Großbeeren mit etwa 25 % an den Kosten beteiligt. Offensichtlich hat hier die Groth-Gruppe bereits entsprechende Lobby-Arbeit geleistet. Denn Großbeeren hofft nun, daß sich die Groth-Gruppe wg. ihres Wohnungsbau-Großprojekts in Lichterfelde-Süd an den auf Großbeeren entfallenden Kosten von rund 1 Mio. Euro beteiligen wird.

Großbeerens Bürgermeister Carl Ahlgrimm schrieb jetzt (17.3.2014) an die Bürgerinitiative: „Sobald wir hier Klarheit haben, sollen Haushaltsmittel für die Planungsphase in den Gemeindehaushalt aufgenommen werden, wobei ich schon jetzt darauf hinweisen möchte, dass der bisherige Straßenkörper auf beiden Seiten vom Landschaftsschutzgebiet eingeschlossen ist und daher für die zwingend erforderliche Verbreiterung (u.a. auch für einen straßenbegleitenden Geh- und Radweg) mit einem längerfristigen Ausgliederungsverfahren zu rechnen sein wird. Bei realistischer Betrachtung dürfte daher mit einem Ausbau vor 2017/2018 nicht zu rechnen sein.“ Und dann werden noch mehr Pkws und Lkws über diese ausgebaute Abkürzung nach Berlin rollen... [
BI fragt den Senat]



Verkehrs-Prognose für
Lichterfelde-Süd

Ergebnis des Gutachtens des PST-Büros vom Feb. 2013 (Seite 13).

Verkehrs-Prognose vom Feb. 2013
^   Abschätzung der zusätzlichen Verkehrsbelastung in Lichterfelde-Süd an 7 Meßpunkten. Dabei wurde eine Zunahme der Einwohner um 6.300 Personen angenommen, abgeleitet aus der geplanten Gesamt-Wohnfläche von 228.000 qm. Die Kosten für die Ertüchtigung der vorhandenen Straßen geben die Gutachter mit rund 6 Mio. Euro an. Das Gutachten entstand im Auftrag der Groth-Gruppe. [Zum PST-Gutachten] [Anmerkungen des Bezirksamts]   (Repro: 4.6.2014 – khd-research)


      Meßpunkte der Verkehrszählung
^   Meßpunkte der Verkehrszählung am 29.1.2013 durch die PST-GmbH. Die wichtigen Knoten Blanckertzweg und Ostpreußendamm wurden offensichtlich bewußt vergessen, um nicht das ganze Chaos aufzeigen zu müssen.   (Grafik: 5.6.2014 – khd-research)

Ein großes Fragezeichen

10.6.2014 (khd). Man kann an die ermittelten Zahlen ein großes Fragezeichen anbringen. Die Verkehrzählung erfolgte an einem einzigen Wintertag (29.1.2013), an dem wohl der Verkehr niedriger als an einem Sommertag gewesen sein dürfte. Außerdem stecken in der Berechnung der Prognosen etliche Annahmen, die man kritisch hinterfragen kann. Somit spricht einiges dafür, daß die künftige Verkehrsbelastung der vorhandenen Straßen deutlich höher ausfallen könnte, zumal wenn südlich der Thermometer-Siedlung sehr viele Einfamilienhäuser (mit Carports) gebaut werden sollten.

Und daß sich die PST-Gutachter eine sorgfältige Untersuchung des Knotens Ostpreußendamm / Osdorfer Straße ersparten, ist mehr als peinlich. Denn diese Kreuzung ist Dreh- und Angelpunkt für die in die Innenstadt fließenden Verkehre aus dem Raum von Lichterfelde-Süd. Schon seit Jahren ist dieser Knoten völlig überlastet. Schon die Genehmigung des Einkaufszentrum am S-Bahnhof Osdorfer Straße war ein schwerer stadtplanerischer Fehler von Kopp & Co. Und viele künftige Eigenheimler auf dem Parks-Range-Areal (die haben doch schon alle ein Auto, bevor sie an den Stadtrand ziehen) würden hier das totale Chaos bewirken.

Es muß deshalb davon ausgegangen werden, daß beim Bau von 2.700 Wohn-Einheiten mit rund
10.000 neuen Bewohnern auf der Osdorfer Straße das tägliche Verkehrschaos herrschen wird. Auch die BVG-Busse werden regelmäßig im Stau aufgehalten werden. Und da baulich kaum noch etwas zu verbessern ist, kann die Devise nur lauten: Baut weniger Wohnungen!

[BVerwG zur gesicherten Erschließung eines Grundstücks]



Anforderungen an die Verkehrsplanung
für die Erschließung
des geplanten Wohngebiets

Das ist quasi das Fazit der Bezirksamts-Stellungnahme zu den Verkehrsproblemen, die sich aus dem Neubauprojekt der Groth-Gruppe in Lichterfelde-Süd ergeben.

Auszug aus: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Fachbereich Stadtplanung (Stapl 12), Dezember 2013, Seite 7–9. [Original in PDF]

Wie bereits hinsichtlich des ersten Gutachtens, das nur die Knoten Landweg / Osdorfer Straße / Lichterfelder Ring und Reaumurstraße / Osdorfer Straße / Scheelestraße betrachtet und darstellt, dass diese Knoten die Grenze ihrer Leistungsfähig erreicht haben und zusätzliche Verkehre nicht mehr störungsfrei abwickeln können, muss das Ziel verkehrsplanerischer Überlegungen in der Vermeidung weiterer Kfz-Verkehre liegen.

Es geht dabei nicht nur um straßenbauliche und verkehrsorganisatorische Maßnahmen.

Gegenstand der Überlegungen ist bereits die Struktur der geplanten Wohnbauareale und deren interne Erschließung mit Fahrrad- und Fußgänger- freundlichen Durchwegungen.

Auch die Wohngebäude selbst sind in diese Konzeption einzubeziehen. Fahrräder müssen sicher abgestellt werden können und dennoch schnell und barrierefrei erreichbar sein. Vorbildhaft ist hierfür die „Bike-City“ in Wien.

Es ist zu untersuchen, wie die Neubauquartiere mit Busverkehr erschlossen werden können und welche Attraktivität eine Anbindung des Bf. Lichterfelde-Süd über zwei / drei Station bietet. Es gibt keine Erkenntnisse ob die Kunden bereit sind auf den Bus zu warten und dann noch ein weiteres Mal umzusteigen oder ob dieser Weg dann vorzugsweise zu Fuß oder dem Fahrrad durchgeführt wird.

Für Berufspendler mit dem Ziel Steglitz sind durchgehende attraktive Busanbindungen in mindestens heutiger Bedienungsqualität erforderlich.

Eine entsprechende Infrastruktur für die Erschließung mit dem Umweltverbund ÖPNV Fahrrad und Fußgänger ist zu planen.

Da eine Anbindung von Lichterfelde-Süd an das bezirkliche Radroutennetz abgesehen vom südlich verlaufenden Berliner Mauerweg nicht besteht, sind fahrradfreundliche Wegeführungen im Umfeld zu untersuchen, um eine Verknüpfung mit dem Netz bzw. anderen übergeordneten Radrouten (Teltowroute) zu schaffen. Diese Planung kann auch unter Einbeziehung der Bahnunterführung zwischen Celsiusstraße und Fürstenstraße / Mühlenstraße [Müllerstraße] erfolgen.

Am Bf. Lichterfelde-Süd sind sichere Abstellanlagen auch für höherwertige Räder zu schaffen. Darüber hinaus sollte die Einrichtung von Fahrradleihsystemen für Kurzstreckenverbindungen geprüft werden, wie sie derzeit von der DB AG im Stadtzentrum auf Basis der Monatskarte bereits angeboten werden.

In diesem Zusammenhang wäre Mobilitätsberatung für die Neubewohner eine sinnvolle Ergänzung des Verkehrskonzepts, die individuelle Routen und konkurrenzfähige Angebote für den nicht motorisierten Berufsverkehr erstellt.

Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass wenn „vom ersten Tag an“ gute Alternativen zum privaten Kfz-Verkehr angeboten werden, diese von den Bewohnern angenommen werden. Eine Änderung des Verkehrsverhaltens und der Verkehrsmittelwahl ist zu einem späteren Zeitpunkt deutlich schwerer möglich.

Auch wenn erstklassige Voraussetzungen für die Nutzung des Umweltverbundes geschaffen werden, ist dennoch von einem Anteil Kfz-Verkehrs auszugehen.

Dafür muss eine detaillierte großräumigere Untersuchung durchgeführt werden.

Insbesondere der zentrale Straßenknoten Osdorfer Straße / Ostpreußendamm ist hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit zu untersuchen. Wenn im neuen Quartier bzw. in dessen Randbereichen ein attraktiver Busverkehr angeboten wird, ist auch dort die mögliche Notwendigkeit von Beschleunigungsmaßnahmen zu prüfen, damit nicht schon die Attraktivität auf dem ersten Kilometer durch Knotenrückstau verloren geht.

Fahrbahnaufweitungen sind aus städtebaulichen Gründen als Lösung nicht vorzusehen, vor allem nicht im heute schon erheblich überformten historischen Dorfkern von Giesensdorf.

Daraus leitet sich die Grundsatzforderung ab, dass bauliche Maßnahmen im Straßenraum keine negativen Einflüsse auf das städtebaulich gestalterische Umfeld verursachen dürfen.

Nach Aussagen der BVG bestehen derzeit Behinderungen auf der Strecke im Abschnitt des Ostpreußendammes zwischen Zufahrt Kraftwerk und Giesensdorfer Straße. Ebenfalls wird die Zufahrt zur Einmündung Morgensternstraße als problematisch gesehen. Diese Aussagen sind jedoch auf den jetzigen Zeitpunkt bezogen, in dem Verkehre durch Brückensanierung (Königsberger Straße Emil-Schultz-Brücke,und Wismarer Straße Eugen-Kleine-Brücke, kürzlich fertig gestellt) andere Wege suchen. Nach Beendigung dieser Baumaßnahmen kann sich die Situation durchaus wieder entspannen.

Weiterhin sind Maßnahmen zu benennen, die Verkehre durch die Celsiusstraße verhindern, um die durch die Verkehrsberuhigung hervorgerufene Aufwertung der Straße erhalten bleibt.

Die Fortsetzung der Osdorfer Straße zur Landesgrenze stellt im Rahmen der Projektuntersuchung einen Sonderfall dar.

Die Zählungen haben ergeben, dass erkennbare Verkehrsbeziehungen aus der Thermometersiedlung Richtung Brandenburg nicht bestehen. Der Abschnitt zwischen Landesgrenze und Lichterfelder Ring als letztem Knoten in Berlin wird daher nahezu ausschließlich von Berufspendlern aus den angrenzenden Umlandgemeinden genutzt. Ein Ausbau auf Brandenburger Seite würde mit großer Wahrscheinlichkeit zu steigenden Verkehrsbelastungen führen, die von den bereits genannten Knoten nicht mehr zu bewältigen wären.

Auch geringfügige Neuverkehre aus dem Planungsgebiet würden die Situation weiter verschärfen und eine baulich verkehrliche Anpassung im Straßenraum erfordern, die städtebaulich zumindest umstritten ist. Dies trifft nicht nur auf den genannten Knoten in Alt Giesensdorf zu, sondern auch auf z. B. den Landweg, der eine gestalterische Qualität als dörfliche Allee hat, die erhaltenswert ist.

Die im Anschreiben der Geschäftstelle angesprochenen Verkehrsanbindungen zum BER aus dem Berliner Südwesten würde, unabhängig vom Planungsvorhaben Lichterfelde-Süd, über die Osdorfer Straße — B101 — L76 erfolgen.

Unter Vermeidung der Osdorfer Straße aufgrund des baulichen Zustandes kann von einer Verlagerung weiter nördlich über den Straßenzug Hildburghauser Straße — Nahmitzer Damm — B 101 bzw. weiter durch Marienfelde über die B 96 ausgegangen werden.

Beide hier genannten Verbindungsalternativen haben die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht, da beide über den Knoten Alt Giesensdorf geführt würden. Auch die weiter Richtung Steglitz führenden Verbindungen über den Ostpreußendamm, die Königsberger Straße und / oder auch Hindenburgdamm vertragen keine weiteren Belastungen. Diese Straßen werden im Aktionsplan zur Lärmminderung (vorrangig Hindenburgdamm) kritisch bewertet.

Die BER Anbindung kann somit mit dem Kfz nur über die als Flughafenanbindung gebauten BAB Stadtring und Teltowkanaltrasse erschlossen werden.

Die zu erwartenden quartiersbedingten Neuverkehre erfordern allein schon eine Detailuntersuchung, um Aussagen über die Leistungsfähigkeit der Straßennetze treffen zu können.

Die vom Gutachterbüro PST auf Wunsch des Fb Stadtplanung nachträglich abschnittsweise durchgeführte Berechnung des durchschnittlichen Tagesverkehrs der Osdorfer Straße und der einmündende Straße bietet eine Datenbasis für weitere Berechnungen, bzw. einer Aktualisierung der Verkehrszählungsdaten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Eine Vissim Umlegung ist daher unumgänglich. Diese Verkehrsmodellierung lässt Aussagen zu wie viel Neuverkehre das Netz verkraftet. Unter entsprechenden Modal-Split Annahmen werden Abwägungskriterien geschaffen hinsichtlich der Größe des Neubauvorhabens und der Zahl der Einwohner.

Die Begrenzung des Untersuchungsgebiets ist mit den Gutachtern abzustimmen.

Unabhängig von dem hier beschriebenen Themenkomplex der Erschließung des Neubauvorhabens Lichterfelde-Süd ist im Rahmen der vorgesehen Untersuchung für ein Verkehrskonzept des Südens von Berlin und der angrenzenden Kommunen und Landkreise ein Wegekonzept für den Lkw-Verkehr zu prüfen, das einen dauerhaften Verzicht auf einen Lkw-Verkehr gerechten Ausbau der Knesebeckbrücke sichert, zu erstellen. Ebenfalls sind Alternativrouten für den heute durch das Wohngebiet Zehlendorf Süd rollenden Lkw-Verkehr zu prüfen.

Gleiches gilt für die Osdorfer Straße. Wie bereits ausgeführt, haben die Knoten im Zuge dieser Straße die Grenze ihrer Belastbarkeit erreicht, so dass zusätzliche Verkehre nicht mehr hinnehmbar sind. Dies trifft vorrangig für den aus den geplanten Erweiterungen des GVZ Großbeeren zu.



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(Toronto/Houston)





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