PLS-Logo |   Dokumentationen aus Medien — Teil 32

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    Stand:  6.6.2014   (34. Ed.)  –  File: PLS/Aus_Medien/AM_32.html



Die Presse hat noch nicht die (politische) Dimension des Gesamt-Konflikts um Lichterfelde-Süd erkannt und wohl auch deshalb bislang nur wenig berichtet — immerhin gibt’s doch schon einiges. Auf diesen Seiten werden ausgewählte Artikel und Texte zu den Planungs-Absichten bzw. -Ansinnen für Lichterfelde-Süd dokumentiert.

  Lichterfelde-Süd / Giesensdorf
Ständig benachteiligt!
Eine Abrechnung
 
Dabei gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis. Archivort ist Houston (USA), wo das „fair use“-Prinzip gilt. Hier sind dokumentiert und manches auch in [Ed:...] kommentiert:

I n h a l t :       2014       [Artikel-Übersicht 2014]
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Immobilienboom bringt Berlin Rekordeinnahmen

735,4 Millionen Euro haben Immobilienkäufer im vergangenen Jahr an Grunderwerbsteuer an das Land gezahlt — ein Rekord. Das laufende Jahr könnte diese Zahl sogar noch übertreffen / [Ed: Und dennoch verkommen in Berlin Schulen, Kitas, Grünanlagen und Straßen — sogar für die hoheitliche Aufgabe einer vordringlichen LSG-Ausweisung in Lichterfelde-Süd hat der Senat angeblich keine Mittel und Personal...].

Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 18. Mai 2014, Seite 1 (Linke Spalte oben). [Original]

BERLIN (Tsp). Der Immobilienboom in Berlin beschert der Landeskasse Rekordeinnahmen. Über die Grunderwerbsteuer, die Immobilienkäufer an den Fiskus abführen müssen, hat das Land im vergangenen Jahr 735,4 Millionen Euro eingenommen, berichtete der Tagesspiegel am Sonntag unter Berufung auf Zahlen der Senatsverwaltung für Finanzen.

Das waren 157,4 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Das laufende Jahr könnte diese Zahl sogar noch übertreffen. Im ersten Quartal 2014 hat das Land bereits 212 Millionen Euro Grunderwerbsteuer kassiert, gut 30 Millionen Euro mehr als in den ersten 3 Monaten des Vorjahres.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres müssen Käufer in Berlin 6 Prozent Grundwerbsteuer zahlen, vorher waren es 5 Prozent gewesen.

Verglichen mit den Berliner Zahlen ist das Aufkommen in Brandenburg deutlich bescheidener. Im vergangenen Jahr brachte die Grunderwerbsteuer, die hier bei 5 Prozent liegt, gerade einmal 172,1 Millionen Euro, in den ersten 4 Monaten dieses Jahres waren es 65,7 Millionen Euro. [mehr dazu beim Tagesspiegel]



L I C H T E R F E L D E - S Ü D

Ein neuer Stadtteil für 10.000 Bewohner

Das ehemals militärisch genutzte Gelände Parks Range soll zu einem neuen Stadtviertel umgebaut werden. Dabei müssen Fragen zu Lärmschutz, Erschließung und der Umgang mit Naturflächen geklärt werden. Architektenbüros erarbeiten Konzept für Wohnungen in Lichterfelde.

Aus: Berliner Morgenpost, 20. Mai 2014, Seite xx (Bezirke). [Original]

STEGLITZ-ZEHLENDORF (BM). Die Planung für den Bau eines neuen Stadtviertels in Lichterfelde-Süd hat begonnen. Acht international bekannte Architekturbüros sind in einem Wettbewerb aufgefordert, Gestaltungskonzepte für das ehemals militärisch genutzte Gelände Parks Range zu entwickeln. Dazu gehören unter anderen das Büro von Casanova + Hernandez aus Rotterdam, die Münchner 03 Architekten GmbH und Sergei Tchoban in Berlin. Die ersten Entwürfe sollen bereits bis zum 18. Juni vorliegen und dann von einer Jury geprüft und beurteilt werden. Nach einem weiteren Workshop Ende August soll die Entscheidung für den Siegerentwurf fallen. Dieser wird im September öffentlich vorgestellt.

Die Groth-Gruppe will auf dem Gelände südlich der Osdorfer Straße [korrekt: Réaumurstraße] zwischen 2.200 und 2.700 Wohnungen errichten. Die Herausforderungen sind groß. Mit 10.000 Neu-Lichterfeldern wird ein neues Stadtquartier entstehen. Und das in unmittelbarer Nachbarschaft zur Thermometersiedlung – einer Hochhaussiedlung aus den 70er-Jahren mit bereits 6.000 Bewohnern [amtliche Zahl per 31.12.2012: 4.893]. Probleme des Lärmschutzes und der Erschließung müssen gelöst werden sowie Fragen geklärt, wie mit den Naturflächen am Standort umgegangen werden soll. "Das Gesamtgrundstück umfasst 96 Hektar. Von dieser Fläche sollen aber nur etwa 39 Hektar – also knapp 40 Prozent – bebaut werden", sagt Geschäftsführer Klaus Groth. 57 Hektar oder knapp 60 Prozent würden der Natur erhalten bleiben.

Große Nachfrage nach Wohnraum

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf begrüßt das Bauvorhaben. "Mit der Errichtung dieses neuen Stadtteils wird der Bezirk seiner Verantwortung für die verstärkte Nachfrage nach Wohnraum gerecht und unterstreicht gleichzeitig seine Qualität als lebenswerter Wohnbezirk mit großer Naturnähe", sagt Baustadtrat
Norbert Schmidt (CDU). Das Projekt müsse optimal realisiert werden, besonders im Hinblick auf die Infrastruktur wie Straßen, Kitas, Schulen und Freizeitangebote.

Fast 40 Jahre lang wurde das Gelände von den US-Truppen genutzt, die dort insbesondere den Häuserkampf trainierten. Seit dem Abzug der amerikanischen Besatzungstruppen vor genau 20 Jahren liegt das gesamte Areal brach und hat sich in ein hügeliges Wald- und Wiesengebiet verwandelt. Jahrelang wurden Pläne, Ideen und Projekte diskutiert und verworfen. Mit dem Verkauf der Fläche an die Groth-Gruppe und dem Beschluss, ein neues Wohnquartier zu entwickeln, kam vor 2 Jahren endlich Bewegung in die Neugestaltung des Areals. Zum jetzigen Start der Planungsphase fand bereits ein erster städtebaulicher Workshop mit allen Beteiligten statt. Parallel dazu soll es auch einen Workshop für die Naturflächen, der sogenannten Grünen Mitte, geben.

Die Grünflächen liegen besonders dem "Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd" am Herzen, das sich kurz nach dem Bekanntwerden der Neubaupläne gegründet hat. Oberste Priorität hat laut einer Topliste, die die Mitglieder erstellt haben, der Erhalt der Naturflächen. Diese werden heute unter anderem vom Holderhof als Weidelandschaft für die Pferde genutzt. Ziel des Bündnisses ist es nicht nur, das Weideprojekt zu erhalten, sondern die gesamte Naturfläche als Parklandschaft für die Naherholung öffentlich zugänglich zu machen. Außerdem plädieren sie für den Erhalt der Betriebe, die seit Jahren am Rand des Geländes in einem kleinen Gewerbegebiet angesiedelt sind. Sie sollen am Landweg konzentriert werden.



L E B E N S W E R T E   S T A D T

„Mobilität findet im Kopf statt“

Wie Urbanisten die Stadt der Zukunft denken. Soziologe Andreas Knie im Gespräch mit Liane von Billerbeck.

Aus:
DeutschlandRadio Kultur (DRK), Berlin, 20. Mai 2014, 8.40 Uhr MESZ (Ortszeit). [Original]

Die autogerechte Stadt ist passé – das urbane Leben muss neu erfunden werden, meint der Soziologe Andreas Knie. Die Infrastruktur der Großstädte sollte "menschengerechter" geplant werden.

Liane von Billerbeck: In den letzten Jahren hat sich unter Stadtplanern ein neuer Konsens herausgebildet, und der firmiert unter dem Schlagwort "Kluge Stadt", oder "Smart City", wie man es auf Neudeutsch auch sagt. Und diese kluge Stadt, die soll funktional sein, schnelle Erreichbarkeit ermöglichen, sozial ausgewogen und nachhaltig organisiert sein, und in dieser klugen Stadt werden Arbeit und Wohnen möglichst eng verschränkt, um Verkehrsflächen zu verringern und Wohnflächen zu vergrößern, Anfahrtsstrecken und Anfahrtszeiten möglichst kurz zu halten. Professor Andreas Knie lehrt Soziologie an der TU Berlin und am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung, und er ist zudem Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, also genau der richtige Mann für das Thema. Ich grüße Sie.

Andreas Knie: Hallo! Guten Tag.

von Billerbeck: Wenig Verkehr, Arbeit und Wohnen möglichst nahe beieinander, das spart Zeit, verringert die Verkehrsströme und schützt unsere Umwelt. Seit wann sind sich denn die Stadtplaner darüber einig, dass das das Ziel sein muss und nicht mehr die autogerechte Stadt?

Knie: Ja, die Stadtplaner, aber vor allen Dingen auch die Menschen, die in dieser Stadt wohnen oder in diesen Städten wohnen, sind sich schon, man kann sagen, seit 20, 30 Jahren in diesen Tendenzen einig. Aber man braucht natürlich unglaublich viele Zeit, um diese sehr starke Ausrichtung der Stadt auf das Auto, was ja 30, 40, 50 Jahre ein Grundparadigma der Stadtplanung war, ansatzweise zurückzubauen. Deshalb ist die Erkenntnis schon etwas länger gereift, aber die Umsetzung braucht natürlich noch ein bisschen Zeit.

Häuschen im Grünen mit Auto

von Billerbeck: Nun muss man sich ja morgens nur an eine beliebige Einfallsstraße zu einer Großstadt stellen, und dann sieht man immer noch Autoströme und in jedem Fahrzeug sitzt genau ein Mensch. Soll heißen: Theoretisch ist alles klar, aber praktisch hängen die Leute doch immer noch am Häuschen im Grünen mit dem entsprechenden Verkehr von draußen nach drinnen.

Knie: Ja. Da muss man wirklich ganz nüchtern betrachten, dass die Zahl der Autos sogar noch zugenommen hat, und auch die damit gefahrenen Kilometer steigen auch immer noch an. Das liegt auch daran, dass das Grundversprechen der Moderne, wenn man das mal so allgemein fassen will, natürlich das eigene Häuschen im Grünen und natürlich das Auto, was dazu gehört, auch immer noch gilt. Auch wenn Sie die Steuergesetzgebung anschauen, auch wenn Sie sich die Siedlungsplanung, die Baubereitstellung anschauen, dann gilt das immer noch. Der Konsens, den wir eben in der Stadtplanung gesehen haben, bezieht sich auf große Städte, innerstädtische Bereiche, während der gesamte Siedlungsbereich, die ganzen Agglomationsräume, die wir in Deutschland ja sehr stark haben, natürlich noch nach dem alten Muster "mein Haus, mein Auto" funktionieren.

von Billerbeck: Könnte man denn von den großen Städten ausgehend, von vielen Projekten, die Bürger auch sich selber organisieren, ausgehen und auch diesen großen Ballungsraum einbeziehen in diese neue Art zu leben in einer Stadt, mit möglichst wenig Autos, mit einer anderen Art von Mobilität?

Knie: Das geht begrenzt, denn wer sich jetzt ein Haus im Grünen gekauft hat und dazu noch vielleicht das passende Auto, der wird schon noch Zeit brauchen, bis er sein Verkehrsverhalten ändert. Wir sehen das in Berlin, wir sehen das aber noch viel dramatischer in Frankfurt, im Ruhrgebiet. Da sind wirklich Blechlawinen, die nach wie vor morgens rein und abends raus fahren. Aber es gibt Hoffnung, denn die Menschen sehen, das ist nicht das kommode Leben. Wenn man in der Stadt wohnen würde, wenn man die Kinder vielleicht gar nicht mit dem Auto, sondern vielleicht zu Fuß in die Kita oder in die Schule schicken könnte, und wenn man auch auf die Arbeit gar nicht lange hätte und wenn man das auch noch mit Theater und Kultur verbinden kann, dann hat das ein hohes Maß an Lebensqualität. Und wenn das noch alles mit nachhaltigen Energiestoff-Strukturen zu verbinden ist, dann wollen die Menschen das immer stärker. Städte fangen an – und das ist eben der Konsens -, darüber nachzudenken, wie sie ihre Attraktivität wieder so verbessern, dass die Menschen gar nicht erst auf die Idee kommen, nach außen zu ziehen, sondern einfach in der Stadt bleiben.

Die Stadt muss zurück an ihre Wurzeln

von Billerbeck: Was kann denn die Stadtplaner-Zunft dazu beitragen, dass dieser Wunsch gestärkt wird?

Knie: Ja, man muss die Stadt praktisch wieder neu erfinden und eigentlich wieder an ihre Wurzeln zurückkommen. Man muss sie wieder attraktiv für alles machen und sie muss das Maß, was man dafür braucht an Infrastruktur, ich sage mal, wieder menschengerecht organisieren. Das heißt, die Verkehrsfläche muss zurückgebaut werden, es muss so viel Verkehrsfläche bereitgestellt werden, wie man braucht, und das kann nicht mehr einfach nur mit dem Auto sein. Die Städte wurden autogemäß zugerichtet. Man hat viele, viele Straßen gebaut und hat damit noch mal besondere Auto-Affinitäten ja erst hervorgerufen. Das wird jetzt zurückgebaut. Das heißt, die Verkehrsfläche für Autos wird kleiner. Das wird am Anfang Probleme geben, aber damit schafft man neue Möglichkeiten für neuen Wohnraum und man schafft vor allen Dingen Möglichkeit für andere Verkehrsmittel. Schauen Sie sich das Fahrrad an: Das hat sich quasi in der Benutzung vervielfacht. Wir haben in Berlin 100 Prozent Zuwachs in den letzten 10 Jahren. Dafür wird jetzt neuer Raum geschaffen und dann wird die Stadt quasi automatisch attraktiver, weil es gibt eine plurale Form. Es gibt nicht mehr nur das Auto, was dominiert, sondern man geht zu Fuß, man fährt Fahrrad, man fährt auch Auto, und damit wird die Stadt viel lebensfähiger.

von Billerbeck: Nun reden wir ja hier eigentlich von einem Wohlstandsniveau aus. Wir haben die Aufgabe, diese Städte – Sie haben es eben geschildert –, die wir ja haben und die fürs Auto eingerichtet oder zugerichtet worden sind, wieder zurückzubauen. Aber das ist ja nur ein kleiner Teil der Welt. Wir sind ja eher eine schrumpfende Gesellschaft. Ganz andere Gesellschaften haben wir außerhalb Europas, wenn wir Asien nehmen, wenn wir Lateinamerika nehmen. Die explodieren, da wächst alles, da wächst auch der Verkehr. Wie wollen Sie denen denn sagen, jetzt schafft das mal alles gleich wieder ab, wofür wir 30 Jahre, 40 Jahre gebraucht haben?

Knie: Ja, das ist nicht einfach. Die Städte wachsen eigentlich nicht, sondern sie wuchern mehr, Sao Paulo, Rio, um mal die jetzt gerade aktuellen Städte in Brasilien zu nennen. Aber was macht dort Stadtplanung, was machen dort Menschen? Sie eifern natürlich einem Ideal nach. Wir haben lange, schon von den 30er-, 40er-, 50er-Jahren, durch die berühmte Charta von Athen manifestiert, das Auto als das zentrale Verkehrsmittel überall vorgelebt. Wir haben die Städte entsprechend zugerichtet, wie wir es schon beschrieben haben. Und wenn wir das jetzt ändern, wenn wir das als neue moderne Lebensplanung auch selbst an uns ausprobieren und auch wirklich glaubhaft dieses dann realisieren, dann werden auch andere Städte diesem Beispiel folgen. Man sieht das in Südamerika, man sieht das aber auch in Asien, man sieht das jetzt schon in Peking. Es werden jetzt Schienenverkehrs-Infrastrukturen gebaut, es wird über Carsharing, über Bikesharing selbst in China nachgedacht. Junge Menschen sehen im Internet sehr schnell, wie auch in Europa gelebt wird, und deshalb kann die europäische Stadt quasi eine völlig neue Renaissance erleben und Leitbild für viele andere Städte in diesen boomenden Regionen sein.

Berlin wird schon umgedeutet

von Billerbeck: Beschreiben Sie uns doch mal konkret, wie das ablaufen wird, wie man Straßen, Autowege rückbaut, um neue Plätze fürs Wohnen, für Freizeit, für andere Verkehrsmittel zu gewinnen. Und vor allen Dingen beschreiben Sie uns, wie die Auseinandersetzungen dann laufen werden.

Knie: Wir haben ja zum Beispiel hier in Berlin gerade ein aktuelles Beispiel, nämlich den Flughafen Tempelhof. Das ist ja auch eine Verkehrsfläche. Soll die so bleiben, soll die aber nicht mehr Flughafen sein? Das ist schon die erste Umdeutung der Stadt.

von Billerbeck: Aber das ist ja klar und entschieden.

Knie: Ja. Aber wie weit soll denn dann nachverdichtet werden, nachgebaut werden? Da fängt es schon an. Soll darauf gebaut werden, oder soll die Fläche bleiben? Dann hat aber Berlin, aber auch andere Städte natürlich ein unglaubliches Reservoir an Flächen noch. Wir haben große Bahnflächen, wir haben große Postflächen, wir haben große alte Infrastrukturen, die wir nicht mehr brauchen. Die werden umgebaut und da fangen an, Bürger selber ihr Schicksal in die Hand zu nehmen, mit entsprechenden Projekten sich baulich zu aktivieren, sich nicht nur Häuser zu bauen, sondern diese mit regenerativem Strom, mit regenerativ erzeugter Wärme und auch mit regenerativ erzeugtem Verkehrsangebot zu bedienen. Da sehen wir weniger Konfliktpotenziale. Konfliktpotenziale wird es immer dann geben, wenn Menschen natürlich mit Autos noch unterwegs sind, ihr gesamtes Lebensmodell auf Autos fixiert haben, und dann plötzlich sehen, dass die Verkehrsfläche für ihr Auto kleiner wird und damit knapper wird und sie einfach nicht mehr so schnell mit dem Auto vorwärts kommen, und da muss die Stadt Angebote machen, fahr bitte mit der U-Bahn, fahr mit der S-Bahn, fahr mit einem gesharten Auto, das wird von vielen genutzt, da brauchen wir nicht so viele. Das wird dann über eine bestimmte Zeit etwas holprig werden, aber am Ende des Tages sind dann doch alle wieder glücklich.

In der lebenswerten Stadt braucht nicht jeder ein Auto

von Billerbeck: Klingt ganz optimistisch, und trotzdem haben wir ja noch die Entfernungspauschale, und die ist ja kontraproduktiv. Da wird ja genau das gefördert, fahr umso mehr und umso länger und umso weiter, je mehr kannst Du bei der Steuer absetzen.

Knie: Das ist richtig und das ist noch das alte Ideal, das Auto im Fokus der staatlichen Förderung, und das muss sich ändern, gar keine Frage. Es muss auch von der steuerlichen Gesetzgebung sich völlig neu aufstellen und die Entfernungspauschale gehört einfach schlicht abgeschafft.

von Billerbeck: Wenn Sie mal träumen, Herr Professor Knie. Man könnte sich das ja jetzt schon vorstellen. An manchen Sommerwochenenden, wenn die halbe Stadt in einer Großstadt auf dem Land ist, die Autos, selbst die, die es hier immer noch gibt, die Stadt verlassen haben, dann können wir uns vorstellen, wie so eine Stadt der Zukunft mal aussehen könnte. Was ist das für eine Stadt, von der Sie auch träumen als Stadtplaner?

Knie: Es ist eine lebendige Stadt. Es ist eine vielfältige Stadt. Aber sie ist auch eine funktionierende Stadt, denn wir verzichten ja nicht völlig auf die Autos, sondern wir verzichten auf den Grundsatz, dass jeder Mensch ein eigenes Auto haben möchte und mit einem Besetzungsgrat von 1,1 Mensch mit diesem Auto herumfährt. Sondern die zukünftige Stadt, die lebenswerte Stadt ist die, die sagt, okay, derjenige, der ein Auto braucht, kann ja ein Auto haben, aber ein geteiltes Auto. Damit fahren dann auch noch andere. Und die Menschen, die jetzt noch ein eigenes Auto haben wollen, die müssen für dieses Auto, wenn sie es im öffentlichen Raum abstellen wollen, teuer bezahlen. Da sind die 40 Euro, die man hier zum Beispiel in Berlin für ein oder zwei Jahre zahlen muss, natürlich überhaupt nicht auskömmlich, sondern wir denken da an Parkraumentgelte, die kosten 50, 60, 70 Euro pro Tag. Dementsprechend wird sich die Zahl der Autos ganz massiv reduzieren, aber ohne Komforteinbußen, denn man hat ja Autos, die man teilt, und man hat viel, viel mehr Platz für Fahrräder, für Fußwege. Und insgesamt: man kann die Stadt auch besser erkennen.

von Billerbeck: Der Soziologe Andreas Knie, der am Wissenschaftszentrum Berlin Mobilität und gesellschaftlichen Wandel erforscht. Danke Ihnen.

Knie: Gerne!

Mehr zu diesem Thema:
[05.02.2014:
Öffentliche Debatten statt schnelle Deals mit Investoren]  (DEUTSCHLAND-RADIO KULTUR)
[12.05.2014: Charles Landry: Stadtplanung 3.0]  (THE HUFFINGTON POST)




Workshop für Lichterfelde-Süd

Parks Range erhitzt weiterhin die Gemüter / Kritiker weisen auf soziale Probleme hin / [Bürger-Infos für die Workshop-Teilnehmer].

Aus: Berliner Abendblatt (Ausgabe Steglitz-Zehlendorf) – Nr. 21-ST/2014, 24. Mai 2014, Seite 3 (Aktuell).

LICHTERFELDE-SÜD (tvu). Nicht weniger als 8 international renommierte Architekturbüros sind eingeladen, im Rahmen eines städtebaulichen Workshops Entwürfe für eine Randbebauung des 96 Hektar großen Parks-Range-Geländes in Lichterfelde-Süd vorzulegen. Bei einer Auftaktveranstaltung am 7. Mai im interkulturellen Familienzentrum Bus-Stop e.V. [Ev. Gemeindezentrum] in der Thermometer-Siedlung trafen sich neben dem Investor und Eigentümer des Grundstücks, Klaus Groth, auch Bezirksbürgermeister Norbert Kopp sowie Politiker aller Fraktionen aus der BVV Steglitz-Zehlendorf.

„Die Architekten haben jetzt das Gelände kennen gelernt und werden bis zum 18. Juni erste städtebauliche Entwürfe vorlegen“, erklärt Anette Mischler, die Sprecherin der Groth-Gruppe. Eine öffentliche Abschluss-Präsentation aller Entwürfe wird am 18. September stattfinden. Doch trotz aller Bemühungen um Transparenz und Bürgerbeteiligung wollen die kritischen Stimmen nicht verstummen.

Soziale Probleme

„Im Umfeld des Parks-Range-Geländes gibt es einfach zu viele soziale Probleme. Die Konzepte und Planungen von Politik und Groth-Gruppe werden dieser Tatsache nicht gerecht“, moniert Gerhard Niebergall vom Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd. [
Armut in der Thermometer-Siedlung]

Neben den ohnehin schon aufgestellten Forderungen von Niebergall und seinen Mitstreitern, auf dem Gelände mehr Natur zu erhalten sowie die dort ansässigen Gewerbebetriebe nicht zu vertreiben, mischt sich jetzt auch Unmut über die Formalien des städtebaulichen Workshops. „Das nun von der Groth-Gruppe in Abstimmung mit dem Bezirksamt in Gang gesetzte Verfahren entspricht nach Form und Inhalt kaum den Regeln der Richtlinien [RPW 2013] für Planungswettbewerbe“, mahnt Niebergall, der die Bedingungen des städtebaulichen Workshops der Architektenkammer Berlin vorgelegt hat – und sich jetzt in seinen Vermutungen bestätigt sieht.

Durch einen offiziellen Wettbewerb erreiche man in der Regel mehr Qualität und könne die Planungsbeteiligten in einem einzigen Entscheidungsprozess integrieren, so eine Verlautbarung der Kammer [vom 14.4.2014]. „Die Auslobung wurde nicht mit der Architektenkammer Berlin abgestimmt“, heißt es weiter.

Erst am Anfang

Die Groth-Gruppe und der Bezirk weisen die Kritik an dem in Gang gesetzten städtebaulichen Workshop indessen zurück. „Uns geht es darum, möglichst viel Natur zu erhalten und eine soziale Mischung auf dem Gelände zu etablieren – das erreichen wir nicht mit einem Wettbewerb, bei dem es nur einen Gewinner gibt“, kontert Mischler. Im Übrigen sei weder die Groth-Gruppe noch der Bezirk gesetzlich verpflichtet, einen offiziellen Architektenwettbewerb auszuschreiben.

„Wir wollen einen Ideenwettbewerb zur Gestaltung dieses Geländes.“ Daher gebe es, so Klaus Groth, neben dem städtebaulichen Workshop im Rahmen von Fachgutachten auch einen Workshop für die Naturflächen der sogenannten „Grünen Mitte“ von Parks Range.

Nun wolle man das Ergebnis der Architekten in Ruhe abwarten und dann die weiteren Schritte gehen. „Wir befinden uns ja erst am Anfang eines längeren Planungsverfahrens. Fauna und Flora, Lärm und Schallschutz und Entwürfe für eine Bebauung, die einen guten Mix aus Wohnen, Gewerbe und Natur zulassen – das werden die Architekten jetzt versuchen in Einklang zu bringen. Am 18. Juni werden wir mehr wissen“, so Mischler. [
Zusatz-Infos für die Architekten]



V O R M   V O L K S E N T S C H E I D

Denkt groß und stimmt mit NEIN!

Am 25. Mai stimmen die Berliner über die Bebauung des Tempelhofer Feldes ab. Die kleinmütigen Pläne, die auf dem Tisch liegen, sind nicht zu gebrauchen, meint der Star-Architekt Hans Kollhoff.

Hinweis auf:
Die Welt, Berlin, 24. Mai 2014, Seite xx (Feuilleton/Meinung) von Prof. HANS KOLLHOFF. Sicher wird es diese wegweisende Massiv-Kritik an den Senatsplänen für die Bebauung des Tempelhofer Feldes demnächst auch in PDF geben. [Zum Artikel]


    Polemischer Architekt
Aus: DeutschlandRadio Kultur, 24.5.2014.
Die besten Polemiker sind immer noch die Architekten. Wer von Berufs wegen gewohnt ist, Monumente seines Stilgefühls in die Landschaft zu stellen, der hat auch keine Angst vor klarer Aussprache, wenn ihm etwas nicht gefällt. Das bekommt pünktlich zur Tempelhof-Volksabstimmung am Sonntag die Berliner Senatsverwaltung zu spüren.

Für deren Pläne, die 3,8 Quadratkilometer Leere des ehemaligen Flughafens Tempelhof zu entwickeln und zu bebauen, hat Hans Kollhoff in der WELT nur schneidenden Spott übrig: Etwas gut Gemeintes, Gefälliges oder Lustiges hinzubasteln und Grün darüber wachsen zu lassen, (...) verbietet sich hier, donnert der Baumeister.

Stadtbau sei gefragt, nicht Siedlungsbau, denn städtisches Leben erschöpft sich nicht im Wohnen. Wohnsiedlungen hochzuziehen wie in den 70er-Jahren sehe doch auf den ersten Blick nur deshalb günstiger aus (...), weil dabei die Komplexität der Stadt ausgeklammert wird. Wer heute billig zu bauen vorgibt, will absahnen.
KOLLHOFFs Tempelhof-Alternative
^ „Wie ein Amphitheater“ — Tempelhof-Alternative von Prof. Kollhoff. Bei seinem Entwurf sollen sich Luxusdesign, preiswerte Wohnungen und Gewerbe mischen. Die Zentralbibliothek (Rot) kommt ans Hauptgebäude.
[Die Senats-Planung von 2008]   (Repro: 24.5.2014 – khd-research)




V O R M   V O L K S E N T S C H E I D

Die nächste Baustelle

Der Blick nach vorn: Ob Mauerpark oder Lichterfelde-Süd – die Anwohner werden heute genau hinschauen. Bürger wollen keine Masterpläne abnicken, sondern mitdiskutieren. Die Politik will ihre Lehren ziehen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 25. Mai 2014, Seite 9 (Berlin) von RALF SCHÖNBALL. [Original]

BERLIN (Tsp). Diese Frage stellt sich am Tag der Entscheidung über die Zukunft des Tempelhofer Feldes: Wurde tatsächlich alles versucht, um die Fliehkräfte in Berlins Zivilgesellschaft zu bremsen?

Ja, ganz sicher, meint Bausenator Michael Müller (SPD): Öffentliche Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Beteiligung ausgewählter Bürger und Parkbesucher habe es gegeben. Und trotzdem: Geholfen hat es wenig, Berlin ist gespalten und die Wette gilt, dass sich das niederschlagen wird im Ergebnis des Volksentscheids, wohin auch immer das Pendel am Ende sanft [Ed: von wegen „sanft“, es kam gewaltig] ausschlagen wird.

Der Mauerpark könnte zur nächsten Kampfzone werden
[Nun: „100% Mauerpark“]

Auf Müllers Seite hatte sich die Chefin des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen geschlagen. Maren Kern erinnerte wenige Tage vor der Wahl an die Wohnungsnot und warnte vor der „Signalwirkung“, die ein „Nein“ zur Bebauung des Feldes für andere städtebauliche Entscheidungen und Projekte habe. Wenn das Volk einmal durchkommt mit seinem Protest, wird ihm das woanders auch gelingen, so die Logik, als müsse die Beteiligung der Bürger ähnlich streng gelenkt werden wie – sagen wir – die Erziehung der Kinder.

Doch so könnten nach den „100% Tempelhofer Feld“ die „100% Mauerpark“ zur nächsten städtischen Kampfzone werden: Unter diesem Namen bildete sich eine „Mauerpark-Allianz“ aus moderaten Bürgern, die Korrekturen an Bauplänen im Norden des Parks fordern und radikalen, die sie komplett verhindern wollen: „Es haben sich, angesichts der drohenden Vollbebauung, alle zur Abwehrfront zusammengeschlossen“, erklärt die Initiative, denn „Transparenz und demokratische Rücksichtnahme auf Bürgerinteressen“ lehne der Bezirk ab.

In Lichterfelde-Süd wurde ein Golf-Resort verhindert, jetzt werden 3000 Wohnungen gebaut
[Nun: „100% Parks Range“]

Auch im bürgerlichen Süden begehren die Berliner auf
gegen den Bau der neuen Siedlung „Lichterfelde-Süd“. Vor Jahren hatten sie dort den Bau eines Golf-Resorts verhindert und erleben nun, dass das Gebiet mit 3000 Wohnungen zubetoniert werden soll. „Wir sind nicht gegen eine Bebauung“, sagt Initiativen-Sprecher Helmut Schmidt zwar. „Aber so, wie der Bezirk das selbst eingeholte Gutachten mit einem Federstrich verwirft, verzweifelt man an der Demokratie.“ Um Verkehr und Eingriffe in die Umwelt zu begrenzen, beziffern die Gutachter Fugmann Janotta den Umfang „bebaubarer Gebiete“ und „bedingt bebaubarer Gebiete“ auf 27 Hektar. Der Investor will aber auf 39 Hektar bauen. Der Bezirk gab ihm das schriftlich und übernahm es im Masterplan. „Alibimäßige“ Beteiligung als „Feigenblatt der Politik“ bewertet Schmidt das Vorgehen.

Verwunderlich ist dies nicht, zumal im Koalitionsvertrag von CDU und SPD anderes zu lesen ist: Ganz neue Wege der Bürgerbeteiligung schrieben sich darin die Volksparteien auf die Fahnen. Einer, der davon klare Vorstellungen hat, ist der stellvertretende Fraktionschef der CDU und deren Sprecher für Stadtentwicklung Stefan Evers: „Ein paar Dialogveranstaltungen, kleine Korrekturen an feststehenden Vorhaben, das reicht nicht mehr aus für die Beteiligung der Bürger“. Diese müsse frühzeitiger und grundlegender erfolgen. Alle Varianten einer Planung müssten auf den Tisch und diskutiert werden und zwar am Anfang eines Vorhabens. „Nach diesen Debatten kann man die Umsetzung der Pläne auch beschleunigen“, sagt er und die „verlorene Zeit“ wieder einholen.

Der CDU-Experte kann die Kritik der Tempelhof-Liebhaber verstehen

Vorbilder dafür gibt es: Ausgerechnet bei Kiezprojekten von Quartiersmanagern. Dass der Senat aus der Tiefe des gesellschaftlichen Raums, also aus den von Sozialarbeitern und Pädagogen begleiteten Brennpunkten, lernen könnte, ist leicht zu erklären: Wenn der betonierte Platz

     
„Eine öffentliche Debatte der Pläne hat es nie gegeben.“


CDU-Experte Stefan Evers zum Masterplan des Berliner Senats zur Bebauung des Tempelhofer Feldes.

im Mittelpunkt der High-Deck-Siedlung der Verfügungsgewalt von Dealern und Liebhabern von Hochprozentigem entrissen werden soll, dann kann das nur durch ein Bündnis der zuvor schweigenden und nicht organisierten Mehrheit der Anwohner gelingen. Diese werden von den Kiezmanagern mobilisiert und organisiert. Gemeinsam werden düstere Ecken umgestaltet, Markttage eingeführt, Feste gefeiert, Bolzturniere veranstaltet und der Platz so für alle Bewohner zurück gewonnen.

Das Entscheidende daran ist: Zuerst werden die Anwohner selbst befragt und gefragt sind sie auch danach – bei der Verwirklichung ihrer Wünsche. Nur der Anstoß und das Geld für die Umgestaltung kommen aus Verwaltung oder Politik. So entsteht erst gar nicht der Eindruck, hier gebe es einen Masterplan, für den nur noch die Zustimmung sanft erzwungen werden soll durch „Marketingmaßnahmen“ und „Scheinbeteiligungen“, die Evers immer wieder bei Planungsverfahren des Senats bemängelt. Manche Kritik von Gegnern des Masterplans für das Tempelhofer Feld kann er deshalb verstehen.

Nachbarn müssen ernst genommen werden

Ergebnis THF-Volksentscheid Von oben verordnet oder von oben angestoßen, um diesen Unterschied geht es auch in der Idee der „Stadtrendite“. Die machte der SPD-Politiker und Chef der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO salonfähig. „Unsere Teams bekommen gesellschaftliche Entwicklungen schnell mit“, sagt Degewo-Chef Frank Bielka, sie nähmen sie ernst und reagierten darauf, etwa durch die Initiierung von „Nachbarschaftsnetzwerken“. Oben (Vermieter) und unten (Mieter) zählt hier nicht. Stattdessen wird zugehört und mit Vorschlägen auf die Bedürfnisse der Anwohner reagiert, die im finanziellen Rahmen bleiben.

Dass eine große Zahl von Berlinern Pläne für die Bebauung des Tempelhofer Feldes trotz aller Vorträge und Diskussionen bis zuletzt nicht wirklich als ihr Projekt wahrnehmen, mag daran liegen: dass der Masterplan geschrieben war, bevor er zur Diskussion gestellt wurde. „Eine öffentliche Debatte verschiedener Varianten hat es nie gegeben“, sagt Evers. Genau das aber fordere die moderne Zivilgesellschaft von der Politik ein: Eine breite voraussetzungslose Debatte über die Zukunft eines spezifischen öffentlichen Raums. Diese Debatte dürfe gerade nicht von Politikern oder aus der Verwaltung moderiert werden, gefragt sei hier Neutralität. „Natürlich werden am Ende trotzdem Gegensätze bleiben und nicht jeder wird alles durchsetzen können“. Aber alle Begehrlichkeiten seien dann ausgesprochen, geprüft und abgewogen. Und erst danach fallen politische Entscheidungen, auf möglichst breiter Basis.



N A C H   D E M   V O L K S E N T S C H E I D

Freier Raum für freie Bürger

Die Pläne für die Bebauung auf dem Tempelhofer Feld waren intransparent, die Wohnungspolitik nicht glaubwürdig: Der Senat hat sich seine Niederlage selbst zuzuschreiben. Der Volksentscheid hat gezeigt, dass die Berliner Klaus Wowereit nicht mehr glauben [Ed: aber auch einem Bausenator Müller nicht]. Ein Kommentar.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 27. Mai 2014, Seite 8 (Meinung) von ROBERT IDE. Dokumentiert ist hier die längere Online-Fassung vom 26.5.2014 um 10.21 Uhr MESZ. [Original]

A m Morgen danach ist die Sonne wieder aufgegangen am Tempelhofer Feld. Aber das ist das Einzige, was hier noch genauso ist wie am Sonntag. Nach dem Volksentscheid, bei dem sich die Mehrheit in allen Berliner Bezirken gegen eine Bebauung der Brachfläche entschieden hat, sieht der Berliner Senat erst mal keine Sonne mehr. Und das hat er sich selbst zuzuschreiben.

Die rot-schwarze Koalition des sich nur noch schlaff im Amt haltenden Klaus Wowereit hat sich diese Niederlage selbst organisiert. Denn das Gefühl, dass Berlin dringend mehr Wohnungen braucht, hat sie nicht in positive Stimmen für ihre Pläne umsetzen können. Das liegt an den unausgegorenen Plänen selbst und vielen politischen Fehlern – vor allem aber an einer Arroganz gegenüber den Bürgern, nach dem Motto: Wir bauen hier irgendetwas für Euch, Leute, Ihr werdet schon sehen, dass es gut wird, also stimmt erst mal zu, den Rest regeln wir schon.

Was kommt nach dem Flughafen? Dazu gab es keine Idee

Doch die Berliner haben offensichtlich keine Lust mehr, sich Pläne von dieser Regierung, die weder beim Flughafen in Schönefeld noch bei der Lösung der S-Bahn-Krise vorankommt, vorsetzen zu lassen. Wohl kaum einer glaubt noch daran, dass diese Koalition [Ed: mit ihrem drittklassigen Personal bei CDU und SPD] überhaupt einen Plan hat – und diesen dann auch noch in einem halbwegs verträglichen Zeit- und Kostenrahmen umsetzen könnte. Warum das so ist, kann man gerade am Beispiel Tempelhof gut erklären.

Am Anfang stand zunächst vorsätzliche Ahnungslosigkeit. Was sollen wir eigentlich mit der riesigen Tempelhofer Brache anfangen, wenn hier keine Flugzeuge mehr abheben? Dazu hatte der Senat von Anfang an keine Idee. Also eroberten sich die Bürger das Feld alleine und beackerten es mit Drachen auf der Piste und mit Pflanzen auf kleinen Beeten, sie genossen das besondere Berliner Nichts und machten daraus ein besonderes Berliner Etwas. Ein freier Raum für freie Bürger entstand. Hatte der Senat wirklich gedacht, das lassen sich alle so leicht wieder wegnehmen?

Fragen, aber keine griffigen Antworten

Zumal die Pläne, neuen Wohnraum zu schaffen, intransparent waren. Wo genau sollten noch mal zehngeschossige Häuser hin, wo würden die dringend benötigten Sozialwohnungen entstehen – und warum war eigentlich so viel Gewerbe am Tempelhofer Feld geplant? Und ganz praktisch: Wie soll eigentlich der Verkehr geregelt werden, wenn doch jetzt schon der Tempelhofer Damm permanent verstopft ist? Ach so, und wie teuer wäre eine neue Zentral- und Landesbibliothek? Und was wird eigentlich irgendwann aus dem alten Flughafengebäude? Fragen über Fragen. Überzeugende Antworten hatte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) darauf nicht. Für vieles gab es bis zum Schluss nicht mal richtige Pläne. Schon die Anlage eines Wasserbeckens musste wegen stümperhafter Beteiligung verschoben werden. Auch davon erfuhren die Bürger als letzte.

Am Schluss kam noch ein Glaubwürdigkeitsproblem hinzu: Die durchaus plausiblen Argumente für neuen Wohnraum verfingen nicht, weil der Senat bisher nicht alles andere für günstigen Wohnraum getan hat. So bestand die Liegenschaftspolitik zuletzt vor allem darin, landeseigene Wohnungen und Grundstücke zu verkaufen [Ed: und beispielsweise das ihm zustehende Vorkaufsrecht für
110 Hektar Lichterfelde-Süd nicht zu nutzen, obwohl es zum Schnäppchenprei zu haben war— und dort soziales Wohnen und Arbeiten sowie viel Naturschutz seit 30 Jahren (sic!) angesagt war]. Das hektisch erlassene Verbot von Ferienwohnungen, das den Mietmarkt entlasten soll, kann wegen Personalmangels in den Bezirksämtern nicht kontrolliert und durchgesetzt werden.

Die Würze eines Anti-Wowereit-Entscheids

Hinzu kamen klare politische Fehler: Die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus zimmerte schnell einen Gesetzentwurf zusammen, den die CDU aus Koalitionsräson mittrug, aber im Wahlkampf so gut wie gar nicht unterstützte. Doch statt einen eigenen groben Plan aufzusetzen, der nicht konkret genug war und dennoch die Wahl für viele Bürger noch komplizierter machte (was für manche wie ein Trick wirkte), wäre es wohl schlauer von der Koalition gewesen, sich zumindest mit den Grünen noch auf einen Kompromiss zu einigen.

Das scheiterte vor allem am fehlenden Kompromisswillen der SPD-Fraktion und ihrem zuletzt zu sehr mit sich selbst beschäftigten Chef Raed Saleh. So schwenkten die in Berlin traditionell starken Grünen, die eigentlich auch eine sanfte Bebauung in Tempelhof befürworteten, auf die Linie der Gegner um und gaben dem Wahlkampf die politische Würze eines Anti-Wowereit-Entscheids.

Klaus Wowereit und Michael Müller – das einst unzertrennliche Duo der Berliner SPD ist zuerst von der eigenen Partei gefleddert worden, nun auch vom Souverän. Sie haben sich das selbst zuzuschreiben. [
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N A C H   D E M   V O L K S E N T S C H E I D

CDU: SPD ist schuld an Tempelhof

Nach dem Scheitern der Bebauungs-Pläne für das Tempelhofer Feld bahnt sich in Berlin ein Koalitionsstreit an. Vor allem am Festhalten der SPD an den Plänen für die Zentral- und Landesbibliothek übt die CDU Kritik / [Ed: hm, Rot-Schwarz steht wohl vor dem Aus].

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 27. Mai 2014, Seite 1 (Linke Spalte). [Original]

BERLIN (Tsp). Nach dem Volksentscheid zum Tempelhofer Feld bahnt sich ein Streit zwischen den Koalitionspartnern SPD und CDU an. Die Union sieht die Ursachen der Niederlage für die schwarz-rote Regierung maßgeblich bei den Sozialdemokraten. „Es war ein Problem, dass Stadtentwicklungssenator Michael Müller seinen Masterplan als unverrückbar kommunizierte“, sagte CDU-Fraktionschef Florian Graf dem Tagesspiegel.

„Wer den umstrittenen Neubau der Landesbibliothek zur wichtigsten Ankerinvestition auf dem Tempelhofer Feld erklärt, muss sich nicht darüber wundern, wenn man damit kentert.“ Nun gelte das Gesetz der Initiative „100 Prozent Tempelhof“, sagte Graf. „Wir nehmen die direkte Demokratie ernst und haben verstanden, dass die Bürger künftig frühzeitiger an Großprojekten beteiligt werden wollen.“

SPD-Landeschef Jan Stöß wertete das Ergebnis als „Niederlage für den Wohnungsbau in der ganzen Stadt“. Für den Neubau von Wohnungen wolle seine Partei aber weiterwerben. Die Niederlage in Tempelhof erklärte sich Stöß so: „Es hat offenbar einen Zweifel gegeben, dass die geplanten Wohnungen tatsächlich bezahlbar sind und Skepsis, dass es bei den vorgestellten Plänen bleibt.“ Nun wolle die SPD verstärkt „in der ganzen Stadt nach Wohnraumpotenzialen suchen“ [Ed: hm, mal ins Internet gucken, im Parteiprogramm wird man dazu nichts finden].

Der Chef der Landesbibliothek, Volker Heller, bedauerte den Ausgang des Volksentscheids und wies auf die „unzureichende Situation“ der Bibliothek mit zersplitterten Standorten und hohem Sanierungsbedarf hin. Koalitionsintern wird nun überlegt, ob statt des Neubaus die Amerika-Gedenk-Bibliothek in Kreuzberg saniert und erweitert werden könnte. Eine Nutzung des Internationalen Congress Centrums (ICC) als neuem Standort ist dem Vernehmen nach noch nicht aus dem Rennen. [mehr]



L I C H T E R F E L D E - S Ü D

Stillstand nimmer

Kann niemand mehr bauen nach dem Nein zu Tempelhof, nirgends? Das wäre zu kurz gegriffen, heißt es nach dem Votum. Aber die Bürger wollen mitreden.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 27. Mai 2014, Seite 9 (Berlin). [Original]

Nichts Neues mehr in Berlin?

Ganz so schlimm, dass niemand mehr nirgendwo bauen darf, wird es wohl nicht kommen. Sogar die Industrie- und Handelskammer, die für eine Bebauung des Feldes war, schlägt nun vor: „im Dialog“ mit „allen gesellschaftlichen Akteuren“ das „Wachstum der Berliner Bevölkerung und der Wirtschaft zu organisieren“. Für die Fraktionschefin der Grünen Antje Kapek gibt die IHK ein ermutigendes Signal, zumal der Volksentscheid nicht die „Durchsetzung von Partikularinteressen sei, sondern die Absage an Politikstil von oben herab“. Im grün regierten Friedrichshain-Kreuzberg sei es üblich, jedes noch so kleine Bauprojekt im Parlament zu diskutieren und Bedürfnisse der Bürger zu berücksichtigen. Trotzdem herrsche dort kein Stillstand und es werde viel gebaut.

Der Stadtentwicklungspolitische Sprecher der CDU Stefan Evers sagt: „Der Senat ist aufgefordert, nun rasch auf die Vertreter der Initiative zuzugehen und auf der Grundlage des Volksgesetzes zu besprechen, welche Entwicklung auf dem Tempelhofer Feld möglich sein soll“. Das neue Volksgesetz zum Tempelhofer Feld bietet durchaus Möglichkeiten, das Feld weiterzuentwickeln. Das hätten die Träger des Volksbegehrens immer betont. Evers regte dazu die Gründung eines „Berlin-Forums“ an, „dem Politik und Stadtgesellschaft auf Augenhöhe miteinander darüber diskutieren.“

Dass nicht alle Wege zum Bau neuer Wohnungen versperrt sind und der Senat sogar eigene Chancen zur Bekämpfung der Wohnungsnot verstreichen lässt, das hatte zuletzt sogar der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen geklagt: Immer noch warten landeigene Wohnungsbaugesellschaften sowie Genossenschaften auf die Übertragung landeseigenen Baulands durch den Liegenschaftsfonds. Doch diese Maßnahme, die der Koalitionsvertrag vor Jahren als Kernstück der „Neuen Liegenschaftspolitik“ nennt, scheitert am Kompetenzengerangel innerhalb des Senats. Das verärgert nun sogar den Koalitionspartner der SPD: „Es kann nicht sein, dass wir bei der Übertragung landeseigener Grundstücke an die Wohnungsbaugesellschaften nicht schneller vorankommen“, sagt Evers und spricht von einer „unnötige Lähmung“ im Senat.

Alles beim Alten in Tempelhof?

Die Nacht haben die Gewinner vom Volksentscheid durchgemacht. Julius Dahms von der Bürgerinitiative „100 Prozent Tempelhofer Feld" pendelte noch bis kurz vor Mitternacht zum Park, der nicht die Gemüter erregt. Sie feierten mit Feuerwerk und lauter Musik. „Und die Leute vom Parkschutz bewiesen spontan Coolnes und ließen uns gewähren.“ Für Stadtentwicklungssenator Michael Müller bedeutet das Votum, dass 4.700 günstige Wohnungen nicht gebaut werden können, die von landeseigene Gesellschaften auf berlineigenen Flächen in der Innenstadt entstehen sollten.

Nun sind nur 3.800 der insgesamt 25.000 möglichen Wohnungen im Zentrum übrig, die auf Bauland des Landes entstehen. Auf privaten Grundstücken sei die Errichtung günstiger und geförderter Wohnungen schwer durchzusetzen. Einen Tag nach dem Volksentscheid geht es aber wieder an die Arbeit. Was bedeutet nun dieser Sieg? In Bäumen, Toilettenhäuschen und Parkbänken gesprochen. Und wer soll das alles entscheiden und sowieso wer, wie, wann umsetzen? „Wir können uns nach diesem Votum definitiv nicht verkrümeln“, sagt Julius Dahms. Konkrete Gedanken, wie zur im Gesetz erwähnten Bürgerbeteiligung gibt es noch nicht. Runder Tisch. Online-Befragungen. Workshops. Alles ist möglich.

„Wir sind aber erstmal damit beschäftigt unser Büro zu putzen“, sagt Dahms Mitstreiter Michael Schneidewind. Ordnung und Hygiene kamen in den letzten Wochen etwas zu kurz. Dann setzen sie sich aber bei der Initiative nochmals zusammen und reflektieren über ihren Sieg. Eigentlich gilt nun das Motto: Nach der Bürgerbefragung ist vor der Bürgerbefragung – alles ist offen was die Gestaltung des freien Feldes angeht und was im Rahmen des Gesetzes erlaubt ist. Diskussionen gebe es um die Interpretation der einzelnen Paragraphen im Gesetz von 100 Prozent Tempelhofer Feld.

Dass der zuständige Senator für Stadtentwicklung kurz nach der ersten Prognose wieder das Wort Stillstand in den Mund genommen hat, und ankündigte rein gar nichts machen zu wollen, ärgert die Aktivisten. Seine Parteifreunde Jan Stöß, Raed Saleh und selbst den Regierenden Bürgermeister bezeichnen Bürgerinitiative und Opposition unisono als "bockige und schlechte Verlierer“. Wer das Ergebnis vom Sonntag umsetzen muss, ist aber für Schneidewind klar. „Wir haben das Baby nun dem Abgeordnetenhaus übergeben“. Seine Initiative spiele da gerne die Rolle der Gouvernante. Bäume für Schatten, tragbare Bänke, Parkklos oder eine Anschließung des Feldes an benachbarten Kieze seien selbstverständlich.

Wie reden Bürger mit?

Ein Überthema steht an Tag zwei des Entscheids aber auf fast allen Agenden: Bürgerbeteiligung. Ein Wort, das in erster Linie positiv besetzt erscheint. Auf Nachfrage stellen aber auch die Grünen klar, dass Bürgerbeteiligung immer auch Konflikte bedeutet. „100 Prozent werden am Ende nie glücklich“, sagt Ramona Pop.

Mit Blick auf andere Bauprojekte gegen die sich Widerstand der Anwohner regt (Oeynhausen, Mauerpark oder Lichterfelde-Süd sind nur drei Beispiele) stehen der Berliner Stadtentwicklungspolitik turbulente Monate und Jahre bevor. Der Regierende Bürgermeister, seine SPD, der Koalitionspartner CDU und alle die für eine Bebauung des Tempelhofer Feldes waren (und sind), warnen vor „Egoismen“, der Neubauten nur toleriere wenn sie nicht in unmittelbarer Nähe entstünden [Ed: also in Lichterfelde-Süd gibt es seit nun 40 Jahren keine „Egoismen“, wenn Bürger immer wieder sehr ausgewogen ein „
Wohnen & Arbeiten & Erholen“ für die Stadtrandsiedlungen einfordern — und so ist das auch heute].

Für die Grünen ist das Rezept für dieses Dilemma eine „möglichst frühe, umfassende und ernsthafte“ Bürgerbeteiligung. „Die Menschen spät zu informieren und nur zu berieseln bringt nichts“, warnt Antje Kapek. Schlecht gemachte Bürgerbeteiligung sei schlimmer als gar keine [Ed: wie das Beispiel Lichterfelde-Süd mit einer Investor-gesteuerten Bürgerbeteiligung vom Typ „Spielen-wir-doch-mal-Beteiligung“ zeigt].

Als Vorbild nennen die GRÜNEN die Einbindung der Anwohner in Lichterfelde-Süd, wo auf einem Parkgelände 2.700 neue Wohnungen enstehen sollen. Die Lichterfelder Aktivisten können aber über diese „grüne Verarsche“ nur den Kopf schütteln. In Steglitz-Zehlendorf sei es die grüne Stadträtin Christa Markl-Vieto, die dafür sorge, dass die Anwohner mit einer „Pseudobeteiligung abgespeist“ werden würden. [Bericht von der Bürger-Werkstatt]

Dort hätten sie nicht nur mit SPD und CDU zu kämpfen, erläutert Gerhard Niebergall vom Aktionsbündnis Lichterfelde Süd. Auf einem Parkgelände an der Grenze zu Brandenburg will der Bezirk zusammen mit einem Investor [Groth-Gruppe] bis zu 2.700 Wohnungen errichten. Das Aktionsbündnis dort hatte sich sogar mit einer Randbebauung einverstanden gezeigt. Die aktiven Anwohner wollen im Gegenzug umfassend in die Planungen eingebunden werden und fordern unter anderem die Zahl der geplanten Wohnungen auf 1.500 zu reduzieren. „Am Sonntag haben wir aber Kraft getankt, vielleicht ist die Zahl 1.500 aus heutiger Sicht zu kompromissbereit“, sagt Niebergall. [mehr]



L I C H T E R F E L D E - S Ü D

Workshop zur Parks Range

Acht Architekturbüros entwickeln derzeit Konzepte für die Bebauung.

Aus:
Berliner Woche (Ausgabe Steglitz-Süd) – Nr. 22/2014, 28. Mai 2014, Seite 1 (Aufmacher).

LICHTERFELDE (KM). Die Planung für das neue Wohngebiet auf der ehemaligen Parks Range in Lichterfelde Süd hat mit einem städtebaulichen Workshop begonnen. An der Einführungsveranstaltung nahmen Architekten und Landschaftsplaner teil. [Protokoll der Einführung am 7.5.2014]

Klaus Groth, Geschäftsführender Gesellschafter der Groth Gruppe, dem Eigentümer der Parks Range, stellte die Chancen des Wohnungsbauprojektes heraus. Er verwies gleichzeitig auf die Herausforderungen hinsichtlich Schallemission, Erschließung, Anbindung des neuen Quartiers an die Thermometersiedlung und den Umgang mit den Naturflächen. Von 96 Hektar Gesamtfläche sollen nur 39 Hektar bebaut werden. Groth: "Etwa 60 Prozent bleiben der Natur erhalten. Parallel zum städtebaulichen Workshop erfolgt daher auch ein Workshop für die Naturflächen der sogenannten Grünen Mitte."

Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) begrüßt das Neubauvorhaben. Mit der Errichtung des neuen Stadtteils komme der Bezirk seiner Verantwortung nach, der verstärkten Nachfrage nach Wohnraum gerecht zu werden.

Immerhin acht Architekturbüros nahmen am Workshop teil. Eine Jury wird am 18. Juni die ersten Entwürfe beurteilen. Am 27. August wird über den besten Entwurf entschieden. Am 19. September folgt eine öffentliche Abschlusspräsentation.

Die Fraktionen von SPD und Piraten in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hatten im Vorfeld ihre Wünsche an das Vorhaben formuliert. Sie wollen das ansässige Gewerbe vor Verdrängung schützen und Flächen für Kita, Schule, Sport und Freizeit festschreiben. Um dies zu erreichen, sollte der Flächennutzungsplan neu gefasst werden, die Ziele in einem Grünflächen- und Bebauungsplan Eingang finden und die Randbebauung des Geländes in einem Städtebaulichen Vertrag festgeschrieben werden. Außerdem soll im Vorfeld für ausreichend bezahlbaren Wohnraum gesorgt werden.

Die Anträge erhielten auf der jüngsten BVV-Sitzung keine Mehrheit. Die schwarz-grüne Zählgemeinschaft begründete ihre Ablehnung mit dem Zeitpunkt der Antragstellung. Es gäbe derzeit weder einen Planungsprozess noch einen B-Plan und kein Programm für geförderten Wohnungsbau.



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    © 2014-2014  – Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 10.12.2014 13.16 Uhr