PLS-Logo |   Dokumentationen aus Medien — Teil 21

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    Stand:  19.11.2013   (45. Ed.)  –  File: PLS/Aus_Medien/AM_21.html



Die Presse hat noch nicht die (politische) Dimension des Gesamt-Konflikts um Lichterfelde-Süd erkannt und wohl auch deshalb bislang nur wenig berichtet — immerhin gibt’s doch schon einiges. Auf diesen Seiten werden ausgewählte Artikel und Texte zu den Planungs-Absichten bzw. -Ansinnen für Lichterfelde-Süd dokumentiert.

  Lichterfelde-Süd / Giesensdorf
Ständig benachteiligt!
Eine Abrechnung
 
Dabei gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis. Archivort ist Houston (USA), wo das „fair use“-Prinzip gilt. Hier sind dokumentiert und manches auch in [Ed:...] kommentiert:

I n h a l t :       2013       [Artikel-Übersicht 2013]
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S O R G E   U M S   S T A D T B I L D

Wie die CDU die Villenviertel in Zehlendorf retten will

Um die historische Struktur in Steglitz-Zehlendorf besser zu schützen, sollen künftig nur noch bestimmte Neubauten errichtet werden. Diese sollen sich harmonisch in die Viertel integrieren.

Aus:
Berliner Morgenpost, 4. September 2013, Seite xx (Bezirke). [Original]

ZEHLENDORF (BM). Sie haben Berliner Architekturgeschichte geschrieben: die einzigartigen Villenviertel von Nikolassee, Schlachtensee, Dahlem und Wannsee. Sie sind historisch gewachsen, individuell gestaltete Häuser prägen das einheitliche Ortsbild. Doch in der Vergangenheit ist es immer wieder zu Unruhen in den begehrten Wohnlagen gekommen, vor allem wenn es um den Abriss der alten Villen und Neubauten ging. Jüngstes Beispiel war der Streit über ein modernes Haus mit viel Glas an der Lückhoffstraße 17 in Nikolassee, gegen das zahlreiche Anwohner protestierten. Der CDU-Kreisvorstand von Steglitz-Zehlendorf hat am Montagabend [2.9.2013] beschlossen, die historischen Strukturen in diesen Vierteln besser zu schützen. Ziel ist es, in einer Erhaltungssatzung [Ed: ein Text-Bebauungsplan] verbindliche Vorgaben für die architektonische Gestaltung festzulegen.

"Wir wollen sicherstellen, dass die gewachsenen Ortsteile, die die Elite unserer Architekten von der Kaiserzeit bis in die 30er-Jahre geplant hat, als ein Schatz von ganz Berlin erhalten bleiben", sagt Karl-Georg Wellmann, CDU-Bundestagsabgeordneter für Steglitz-Zehlendorf und Mitglied im Kreisvorstand. Neubauten sollten sich harmonisch in die Viertel einpassen, daher sei eine sensible Architektur gefragt. Vor allem aber solle verhindert werden, dass die Verwaltung Bauvorhaben genehmigt, die sich nachher "als schrecklich" erweisen würden. Ein Beispiel dafür sei der moderne Bau auf der Insel Schwanenwerder, den Wellmann wie viele Kritiker als "Marinebunker" bezeichnet.

Städtebaulichen Eigenarten sollen geschützt werden

Er habe nichts gegen moderne Architektur, so der Abgeordnete. Aktuelle Einflüsse müssten auch möglich sein. "Aber wirklich austoben können sich Architekten zum Beispiel in Neubaugebieten wie Parks Range", sagt Wellmann. In dem Lichterfelder Viertel direkt an der südlichen Stadtgrenze will die Groth-Gruppe in naher Zukunft 2.500 neue Wohnungen bauen.

"Eine Erhaltungssatzung ist eine gute Möglichkeit, um städtebauliche Eigenarten zu schützen", sagt Daniela Augenstein, Sprecherin der Senatsbauverwaltung. Es liege allerdings allein in der Regie der Bezirke, die Kriterien festzulegen. Darum wird sich Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) jetzt kümmern. Für ihn ist der Beschluss des Kreisvorstandes ein großer Fortschritt. "Es ist gut, wenn endlich Klarheit herrscht, was in bestimmten Vierteln möglich ist", sagt er. Kopp will jetzt die Bezirksverordneten bei den Details der Erhaltungssatzung einbinden.

Schützenswerte Bereiche werden festgelegt

"Wir müssen uns zunächst genau ansehen, welche Bereiche besonders schützenswert sind", sagt der Bezirksbürgermeister. Noch seien die Geltungsbereiche in den Villenvierteln nicht festgelegt. Diese Aufgabe werde das Stadtplanungsamt übernehmen und zur Diskussion stellen. Für sein Amt verspricht sich Kopp künftig eine Erleichterung: "Mit der Erhaltungssatzung haben wir ein Instrument in der Hand, um Bauvorhaben beurteilen zu können." Zwar lege der Bebauungsplan bereits fest, wie hoch und groß ein Haus sein darf. Aber der Abriss von Villen und Neubauten würde aufgrund der Erhaltungssatzung unter besonderen städtebaulichen Vorgaben entschieden werden. "Deshalb werden aber immer noch Flach- und Spitzdächer möglich sein", sagt Norbert Kopp.

Auch Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) will ein Flachdach künftig nicht ausschließen. "Architektur entwickelt sich", sagt Schmidt. Dennoch seien die Villenviertel ein sensibler Bereich, wo man auf die Architektur schauen sollte, wie das Beispiel an der Lückhoffstraße 17 zeige. Der geplante Neubau war der Aufhänger für die aktuelle Debatte um die Villenviertel. Fast 200 Anwohner kamen zur Präsentation der Neubaupläne. Dafür hatte der Bauausschuss extra vor Ort in Nikolassee getagt. Die meisten waren sich einig: Nicht die Architektur ist schlecht, aber das Haus passt an dieser Stelle nicht.

Verdichtung soll niedrig gehalten werden

Doch nicht nur auf die Architektur wird künftig geachtet. "Auch das Maß der Verdichtung soll niedrig gehalten werden", sagt der Baustadtrat. Zwar werde es immer noch möglich sein, bei der Teilung eines Grundstücks ein zweites Haus zu errichten, aber nicht mehr auf demselben Grundstück.

Schon lange fordert eine Bürgerinitiative den Erhalt der historischen Villenviertel, zuletzt sogar mit einer Unterschriftensammlung. "Endlich wird etwas unternommen", sagt Ortschronist Henning Schröder. Jetzt hoffe er nur, dass die Erhaltungssatzung so schnell wie möglich ausgearbeitet und wirksam wird. Zum Schutz der alten Villen.



Anwohner wollen Klarheit

Aktionsbündnis veranstaltet am 5. September ein Wahl-Hearing zum Parks Range.

Aus: Berliner Woche (Ausgabe Steglitz-Süd) – Nr. 36/2013, 4. September 2013, Seite 3 (Lokales).

LICHTERFELDE (KM). Auf der ehemaligen Parks Range soll ein neuer Stadtteil entstehen. Die Planungen für die Bebauung schreiten voran. Anwohner und Naturschützer sehen ihr Ansinnen nach einer behutsamen Randbebauung des Geländes in Gefahr.

Das ehemalige militärische Übungsgelände, die Parks Range in Lichterfelde-Süd, wird noch immer wie ein Hochsicherheitstrakt abgeriegelt. Am Zaun mit Nato-Stacheldraht hängen Tafeln mit der Aufschrift "Betreten verboten. Der Eigentümer".

Das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd fordert seit langem, dass die sich hinter der Absperrung entwickelte Wiesen- und Waldlandschaft für Jedermann für Erholungszwecke geöffnet wird. So wie es im Berliner Naturschutzgesetz verankert ist. Unter anderem um ein geregeltes Betretungsrecht nach dem Naturschutzgesetz soll es in dem Wahl-Hearing am 5. September gehen, zu dem das Aktionsbündnis eingeladen hat.

Viele Fragen sind noch ungeklärt und werden nach Ansicht des Aktionsbündnisses von der Politik viel zu wenige beziehungsweise überhaupt nicht diskutiert. Das führt zu Unsicherheit und Angst. Unter anderem machen sich die Bewohner der angrenzenden Thermometersiedlung Sorgen, in wie weit sich das Großvorhaben auf ihr Wohnumfeld auswirken könnte und ob die Mieten für ihre Wohnungen möglicherweise steigen [Ed: sie steigen bereits zum 1. November 2013!].

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Erhalt der Betriebe, die sich seit Jahrzehnten an der Réaumurstraße, Landweg und Osdorfer Weg angesiedelt haben und hier insgesamt mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigen. Bisher gibt es keine Aussage zur Zukunft des Gewerbestandortes.

Unter den Nägeln brennt den Anwohner und Naturschützern auch, ob das Biotop in den Bebauungsplänen überhaupt Beachtung findet und erhalten bleibt, so dass es intensiv für Naherholungszwecke genutzt werden kann. Eine Frage ist auch, ob die Kleingärten in der Osdorfer Straße von dem Bauvorhaben betroffen sind und wie sich der Zuzug von etwa 7.000 neuen Bürgern auf die bestehende Infrastruktur auswirkt.

Zu all diesen Fragen findet am 5. September, 18 Uhr ein Wahl-Hearing statt. Dazu hat das Aktionsbündnis Vertreter von B'90/Grüne, CDU, Die Linke, FDP, Piratenpartei und SPD in das Ev. Gemeindezentrum, Celsiusstraße 71–73 eingeladen.



N I C H T S   F Ü R   D I E   U N T E R K L A S S E

In diese Berliner Neubauviertel zieht das Leben ein

Ob in Friedrichshain [Halbinsel Stralau], Prenzlauer Berg [Alter Schlachthof] oder Lichterfelde [Schweizer Viertel]: Neue Wohngebiete locken junge Familien an. Wie ist das Lebensgefühl in diesen Vierteln, wen zieht es dorthin? Auf Spurensuche in drei Kiezen / [Ed: Was aus Entwicklungsgebieten wurde].

Aus: Berliner Morgenpost, 5. September 2013, Seite xx (Berlin).

BERLIN (BM). Berlin braucht neue Wohnungen – und sie entstehen in den interessantesten Ecken dieser Stadt. Vor allem alte Industriestandorte werden nach und nach bebaut, wie zum Beispiel die Halbinsel Stralau, auf der nur noch wenige Fabrikgebäude zu sehen sind. Aber auch auf dem Gelände des Alten Schlachthofs stehen heute Stadthäuser und Mehrfamilienhäuser. Im Schweizer Viertel hingegen wurden die Kasernen durch eine kleine neue Wohnstadt ersetzt.

Wie ist das Lebensgefühl in den neuen Vierteln, wen zieht es dorthin? Auf Spurensuche in drei Kiezen.

FRIEDRICHSHAIN: Wohnen am Wasser auf der Halbinsel Stralau

Unter seinem grünen Sonnenschirm auf einem Campingstuhl sitzend blickt Bernhard Schulz entspannt auf das im Sonnenlicht funkelnde Wasser der Rummelsburger Bucht. Zwar haben an diesem Morgen Plötze, Karpfen und Blei seine ausgelegte Angel beharrlich ignoriert. "Doch das kann sich ja noch ändern, die Wasserqualität in der Rummelsburger Bucht ist jedenfalls gut", sagt der 68-jährige gelassen.

Das war durchaus nicht immer so. Dass die Insel noch bis zur Wende ein bedeutender Industriestandort war, davon zeugen auf der Halbinsel Stralau inzwischen nur noch eine Handvoll ehemalige Fabrikgebäude. Die meisten davon, wie auch der denkmalgeschützte Palmkern Ölspeicher gleich an der Uferpromenade neben dem bevorzugten Angelplatz von Bernhard Schulz, werden oder wurden zu Wohngebäuden umgebaut.

Stralau sollte Olympia-Dorf werden

Die Halbinsel Stralau im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sowie der Uferstreifen gegenüber zwischen Hauptstraße und Rummelsburger See, der bereits zum Nachbarbezirk Lichtenberg gehört, waren 1992 zum
Entwicklungsgebiet erklärt worden. In der sogenannten Wasserstadt, so der ursprüngliche Plan, sollte ein olympisches Dorf mit rund 6.000 Wohneinheiten entstehen. Angesichts der verlorenen Olympiabewerbung und des zunächst sehr schleppenden Interesses an der Wohnlage und dem Wunsch der Anwohner nach mehr Grün einigte man sich schließlich auf 4.200.

Mehr als 20 Jahre später ist es nun jedoch so weit: Bis auf einige wenige Bauareale mit knapp 200 Wohnungen am "Flaschenhals" der Insel ist das neue Quartier inzwischen fertig gestellt. Deutlich ablesen lässt sich der Wandel vom Industrie- zum Wohnstandort an der Einwohnerzahl, die sich innerhalb weniger Jahre fast verdoppelt hat: Während 1999 erst rund 1.700 Menschen auf der Halbinsel lebten, waren es zum Stichtag 30. Juni 2013 bereits 3.165.

"Seit ich hier wohne, lebe ich auf der Baustelle", sagt denn auch Tobias Trommer. Der 46-Jährige wohnt seit dem Jahr 2000 in einem der wenigen Wohnhäuser aus der Gründerzeit, die damals für die Fabrikarbeiter auf der Insel geschaffen wurden. Inzwischen sind die Jugendstilhäuser in der Krachtstraße aufwendig saniert worden. Und während um ihn herum vor allem schicke Stadthäuser, Eigentumswohnungen und hochwertige Mietwohnungen entstanden sind, kann Trommer sich glücklich schätzen, noch in einer Wohnung mit Mietpreisbindung zu leben.

Vom Inselidyll ist nicht viel geblieben

Das beschert ihm eine Miete von unter 6 Euro pro Quadratmeter – zumindest noch für die kommenden 7 Jahre, dann läuft die Bindung aus. "Meine Freundin und ich, wir werden aber alles daran setzen, auch weiterhin hier zu leben", sagt der selbstständige Webdesigner und Musiklehrer. Vor allem die Wassernähe und die Ruhe auf der Insel gefallen ihm.

Von der wüsten Vergangenheit ist in dem beschaulichen Inselidyll mit ausgeprägtem Vorortcharakter tatsächlich nicht viel geblieben. Kaum zu glauben, dass hier vor 140 Jahren eines der größten Volksfeste in Berlin verboten wurde: der "Stralauer Fischzug". Da das Volksfest seit der Mitte des 19. Jahrhunderts regelmäßig in Massenschlägereien und wüsten Saufgelagen endete, wurde es 1873 verboten. Alle Versuche, das Fest in neuerer Zeit wieder zu beleben, scheiterten bislang. "Jetzt gibt es nicht mal mehr eine richtige Kneipe auf der Insel", sagt Anwohner Trommer.

Vor dem II. Weltkrieg waren es noch 22 gewesen – gut besucht von den Arbeitern der Stralauer Glaswerke und der Engelhart-Brauerei, in deren denkmalgeschütztem Flaschenturm nun Luxuswohnungen untergebracht sind. Immerhin gibt es noch eine Pizzeria, sowie zwei Bäcker, einen Frisiersalon und eine Arztpraxis. "Könnte mehr sein", findet Bernhard Schulz. Dafür gibt es ein gutes Angebot für junge Familien. Mittlerweile verfügt Stralau über zwei Kitas und eine Grundschule. Die Ortslage Stralau gehört zwar zum Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain, hebt sich aber ab.

Überschaubarer Verkehr

Während im Doppelbezirk 40 Prozent der Menschen in Singlehaushalten leben, sind in Stralau nur 10 Prozent allein in ihrer Wohnung. 57 Prozent aller Haushalte sind Familien mit mindestens einem Kind.

Dass die Insellage bei Eltern so beliebt ist, liegt neben der schönen Aussicht auf das Wasser sicher auch am sehr überschaubaren Verkehr. Die 112 Hektar große Landzunge, die vom Rummelsburger See und der Spree begrenzt wird, ist nur über die Kynaststraße oder Alt-Stralau möglich, Durchgangsverkehr gibt es nicht. Die mittlerweile begehrte Insellage hat ihren Preis. Auf einem noch von Unkraut überwucherten Baufeld an der Glasbläserallee sollen die "River Residences" entstehen. Eine Dachgeschosswohnung mit großer Terrasse soll dort 1,2 Millionen Euro kosten", ist dem Werbetext im Internet zu entnehmen.

Deutlich günstiger sind dagegen die 125 Wohnungen in 13 individuell gestalteten Häusern, die vom Berliner Bauträger LaGrande derzeit errichtet werden. Die Einheiten sind zwischen 60 und 160 Quadratmeter groß. Bei Preisen zwischen 2.950 und 3.950 Euro je Quadratmeter ist das Angebot auch für mittlere Einkommensschichten geeignet, so der mit der Vermarktung Beauftragte [Ed: also für Otto Normal mit 300.000 – 400.000 Euro/qm (also mehr als eine 3/4 Mio. DM/qm) für eine 100-qm-Wohnung völlig unerschwinglich!].

LICHTERFELDE: Viele kleine Kinder im Schweizer Viertel

Die Sonne knallt auf den Asphalt, der helle frische Anstrich der Häuser blendet in den Augen. Anja Asef hebt in ihrem Vorgarten die Erde für neue Pflanzen aus. Ihr vierjähriger Sohn Linus hilft ihr dabei mit einer kleineren Schippe. Lorena, erst zwei Jahre, betrachtet die Arbeiten vom Bobbycar aus, während sich Baby Ida Marlen im Kinderwagen bemerkbar macht. Ein Auto schleicht im Schritt-Tempo heran, Lorena weicht gemächlich mit ihrem Spielzeugauto aus. Alles geht etwas langsamer zu, wie in einer Vorstadt.

Vor fünf Jahren hat sich Anja Asef das erste Mal im Schweizer Viertel umgesehen. Zu diesem Zeitpunkt war die eine Hälfte zwischen Altdorfer und Lausanner Straße bereits komplett bebaut. "Ich fand die Grundstücke nicht groß genug für uns", sagt die 37-Jährige. Dennoch sei sie immer wieder vorbeigekommen. Sie wollte wissen, ob es weiter geht und ob auch die andere Hälfte noch bebaut wird. Es ging weiter.

Ein einziger Kran dreht sich noch an der Goerzallee, zwei Bagger schaufeln den Rest Erde beiseite. Mehr als 500 Einfamilienhäuser und 270 Wohnungen sind in den vergangenen 15 Jahren im Schweizer Viertel in Lichterfelde zwischen Finckensteinallee, Luzerner Straße und Goerzallee entstanden. Gerade wird der fünfte und letzte Bauabschnitt mit fast 70 Einfamilienhäusern von dem Bauunternehmen Interhomes fertig gestellt.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als bliebe die eine Hälfte des 230.000 Quadratmeter großen Grundstücks, auf dem bis 1994 Kasernen der Alliierten standen, eine Brache. Der Wohnungsmarkt war kurzzeitig gesättigt, die Nachfrage nach Häusern gesunken. Mit den ersten Meldungen über Wohnungsmangel kamen die Bagger ins Schweizer Viertel zurück.

Wenige Spielplätze

Das Haus von Anja Asef gehört zum letzten Bauabschnitt, der bis an die Goerzallee grenzt. Dort sind die Grundstücke teilweise größer. Auf 440 Quadratmeter Land steht die Doppelhaushälfte, in die die Familie genau vor einem Jahr eingezogen ist. Anfangs waren die Bagger und Kräne nur ein Haus weiter. Werktags, manchmal auch am Sonnabend mussten sie den Krach ertragen. Mittlerweile sind die Baufahrzeuge nur noch in Sichtweite. Die Familie hat vorher in Tiergarten gewohnt.

"Dort gab es Spielplätze ohne Ende", sagt Anja Asef. Allerdings seien sie nicht immer in einem guten Zustand gewesen. In Schweizer Viertel gäbe es nur einige kleine Spielplätze. "Aber dafür hat ja jeder seinen Garten." Sorgen mache ihr der Platz an der Grundschule. Ihren Sohn Linus muss sie jetzt anmelden, zwei Jahre später Tochter Lorena. In dem Wohnviertel ist bereits bekannt, dass die zuständige Clemens-Brentano-Grundschule überlaufen ist und eine ehemalige Sonderschule ertüchtigt werden soll.

Am Eingang zum Schweizer Viertel ist ein kleines Geschäftszentrum mit Bäcker, Biomarkt, Supermarkt, Reisebüro, Grill-Restaurant und Textildiscounter – Nahversorger im Baudeutsch genannt. Der Name passt. Alles, was man täglich braucht, sei dort zu finden, erzählen die Bewohner des Viertels. Wer am Nachmittag im Nahversorger einkauft, schiebt einen Kinderwagen vor sich her. Nach dem Einkauf rollen die Wagen in verschiedene Richtungen. Vorbei an Fassaden, die sich nur durch einen blauen, gelben oder roten Farbtupfer minimal unterscheiden, weiter über kleine Trampelpfade, die durch Zäune rechts und links begrenzt werden, vorbei an Gerätehäuschen aus Holz, Plaste-Rutschen, Grillecken und Sonnenblumen.

Besuche in der Nachbarschaft

An solch einem kleinen Pfad steht auch das Reihenhäuschen von Kerstin Schlemm. Die 40-Jährige schraubt vor der Tür an ihrem Fahrrad. Ja, so ein Fahrrad reparieren, das bringe sie noch, sagt die Grundschullehrerin lachend. Ansonsten sei sie leider handwerklich nicht begabt. Deshalb habe sie einen Neubau zum Kauf gesucht und im Schweizer Viertel genau das richtige gefunden. Sie gerät ins Schwärmen, wenn sie von ihrem Leben erzählt. Ihre Kinder könnten sich frei bewegen, alleine Freunde in der Nachbarschaft besuchen und mit Gleichaltrigen aufwachsen. Marlene steckt ihre Kopf durch die Tür und schiebt sich langsam neugierig heraus.

Es stimme, bestätigt sie. Wenn sie wolle, könne sie immer zu ihren Freundinnen Marie und Julie gehen. Sie klettert auf die Reckstange, ein zweiter Blondschopf taucht auf, ihre Zwillingsschwester Leonie. Die beiden Siebenjährigen sind in der zweiten Klasse der Clemens-Brentano-Grundschule, gar nicht weit entfernt. Leonie klettert zur ihrer Schwester auf das Reck, beide wollen ihre Kunststücke zeigen. Nebenan geht die Tür auf und ein junges Mädchen grüßt freundlich. Ja, es sei ein enges Zusammenwohnen, sagt Kerstin Schlemm. Aber sie schätze die Nähe und das Vertrauen und dass sie das alles in Berlin habe.

Für Karlheinz Klöß ist es vor allem die Ruhe, die das Schweizer Viertel ausmacht. Er wollte eigentlich in dem Viertel eine Wohnung mieten und hat am Ende der Besichtigung ein ganzes Hause gekauft. Sechs Jahre ist das nun her. Der 61-Jährige ist Betriebsleiter in einem Gastronomiebetrieb in der City-West und wohnte vorher am Innsbrucker Platz. Eigentlich wollte er nur ein bisschen raus aus der Stadt, erzählt er. Auf dem Weg zu einem Baumarkt an der Goerzallee habe er gesehen, wie das Schweizer Viertel gewachsen sei und die Neugierde habe ihn gepackt. Mittlerweile ist die Tochter aus dem Haus.

Höchstens 5 bis 10 Prozent, so groß schätzt er den Anteil der Älteren, die ohne Kinder im Schweizer Viertel leben. "Wen Kinder stören, der ist hier falsch", sagt Karlheinz Klöß. Ihn stören sie nicht, außerdem seien sie kaum zu hören und bei den mittlerweile hohen Hecken auch kaum zu sehen. "Wir fühlen uns wohl und kommen gut miteinander aus", sagt er. Erst am Vorabend hätten sie zusammen gegrillt. Alle vier aus den beiden Doppelhäusern, die so nah gegenüber stehen, dass man von Fenster zu Fenster "Gute Nacht" sagen kann. [Ed: schade, daß hier keine Kaufpreise der Immobilien genannt werden].

PRENZLAUER BERG: Alter Schlachthof wird Heimat für Familien

Birgit Pietsch wohnt in einem der 30 Reihenhäuser im Quartier am Blankensteinpark. Vor fast vier Jahren zog sie mit ihrem Mann dort ein. Im neuen Wohngebiet "Alter Schlachthof" in Prenzlauer Berg wurden Julian (4) und Carlotta (2) geboren. Beide gehen in die neue Kita, die seit Anfang August in Betrieb ist. Es ist ein Wohnviertel der jungen Familien. "20 Kinder und 20 Mütter und Väter wohnen in unserer Häuserreihe", erzählt die junge Frau. Die Gärten seien relativ offen. "Nachmittags ist bei uns das Trampolin Anlaufpunkt. Man trifft sich. Es ist wie ein riesiger Spielplatz." Auf der Spielstraße zwischen den Häusern herrscht reger Verkehr, weil die Kinder mit Bobbycars, Rollern und kleinen Rädern unterwegs sind.

Man lebe im Viertel wie eine große Familie, erzählt Birgit Pietsch. "Wir kennen uns alle sehr gut." Es gab Sommerfeste und Winterfeste. Nachmittags das Tohuwabohu in den Gärten. So sind Freundschaften entstanden, nicht nur zwischen den Kindern, sondern auch zwischen den Erwachsenen. "Wir mögen uns." Man habe immer ein gutes Gefühl, wenn man in den Urlaub fährt, sagt sie. "Weil die Nachbarn mit aufpassen.

" Für die jungen Leute ist es ein Wohlfühlkiez. Auch sonst ist alles da. "Kitas, Supermärkte Bioläden, Ärzte – die Infrastruktur ist so, wie eine Familie das braucht." Birgit Pietsch, 33 Jahre alt, ist Marketing-Angestellte. Sie stammt aus dem Ruhrgebiet, hat zuvor mit ihrem Mann in Tiergarten, an der Spree, gewohnt. In einer Altbauwohnung. Eigentlich habe er kein Haus gewollt, erzählt Birgit Pietsch. Die Dachterrasse überzeugte ihn. "Man kann nicht besser wohnen. Der Spielplatz ist vor der Tür."

Irgend jemand guckt immer nach den Kindern

Irgend jemand guckt immer nach den Kindern. Die Eltern müssen deshalb nicht immer draußen präsent sein, sondern können auch mal etwas im Haus erledigen. "Was wir hier gefunden haben, ist unbezahlbar." Die Atmosphäre empfindet sie als dörflich, "nicht wie mitten in der Großstadt." Man muss es mögen, denn es ist auch ein bisschen eng. "Wenn wir sonntags draußen frühstücken, kommen viele Kinder vorbei, auch mal Erwachsene, und dann hält man ein Schwätzchen. Wir finden das toll." Um 9 Uhr beginnt sonntags der Trubel im Kiez. Erst nach 21 Uhr wird es still. An den Werktagen ist bis nachmittags um 16 Uhr Ruhe, dann kommen Kinder aus der Kita und die Eltern von der Arbeit.

Rund 750 Wohnungen sind in den vergangenen Jahren auf dem Gelände des alten Schlachthofs entstanden, darunter etwa 270 Stadthäuser und fast 440 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Mehrere Firmen haben gebaut.

Das Unternehmen CDS Wohnbau Berlin GmbH hat die Siedlung errichtet, in der Birgit Pietsch wohnt. Auch die Kita, die ihre Kinder besuchen, hat die Firma gebaut. Jetzt wird ein weiteres Viertel auf dem Schlachthof-Gelände fertig, die "Eldenaer Höfe". 82 Häuser gehören dazu. Die ersten Bauten konnten 2011 bezogen werden. Die letzten sollen Ende 2013 oder Anfang 2014 den Bewohnern übergeben werden.

120 bis 180 Quadratmeter Platz bieten die Neubauten, mit 2 Etagen, einem Dachgeschoss und einer Dachterrasse. Ein kleiner Garten gehört dazu. Wieder sind es junge Familien, die die Häuser kaufen, damit dort ihre Kinder aufwachsen können. In den Gärten stehen Buggys, Bobbycars, kleine Trampoline und Laufräder. Keine Zäune trennen die Grundstücke. Zu 70 Prozent seien die Bewohner Zugezogene aus anderen Bundesländern, die aber schon einige Zeit in Berlin gewohnt haben, sagt Katrin Schlosser von der CDS-Geschäftsleitung in Berlin. Etwa 30 Prozent seien Berliner, die aus den Wohngebieten ringsum stammen. Zwischen 300.000 und 450.000 Euro haben sie für die Häuser bezahlt, je nach Größe. [Ed: Bei
GROTH-Projekt in Lichterfelde-Süd wird so ein bescheidenes Reihenhäuschen bereits um die 500.000 Euro (1 Mio. DM!) kosten, schätzen Immo-Experten].

Erinnerung an die alte Hallen

Einiges erinnert noch an die Vergangenheit des Schlachthofgeländes. Etwa die alten Giebel aus rotem Klinker. "Sie stammen von den Rinderställen", sagt Katrin Schlosser. Die großen Hallen aus dem 19. Jahrhundert waren zu marode und konnten nicht erhalten werden. Nur die Giebel sind geblieben, abgestützt und ausgebessert worden. An sie wurden die Neubauten angefügt. In der Kubatur der alten Gebäude. Sechs Reihen von Häusern sind entstanden, die in ihrer Grundfläche, in der Höhe und der Form an die abgerissenen Ställe erinnern sollen. Zehn Meter breit und zehn Meter hoch – so hätten es die Denkmalschutz-Verantwortlichen gewollt, sagt Schlosser. "Wir haben gemeinsam mit dem Amt diese Architektur entwickelt."

Der damalige Stadtplaner Hermann Blankenstein hatte im 19. Jahrhundert das Gelände entwickelt – für eine Viehhaltung mitten in der Stadt, unter hygienischen Bedingungen. 80 Prozent der Bauten wurden im II. Weltkrieg zerstört. In der DDR-Zeit arbeiteten das volkseigene Fleischkombinat und andere Betriebe auf dem Gelände. In den 90er-Jahren beschloss der Senat, das Areal zum
Entwicklungsgebiet zu machen.

Im neuen Quartier "Eldenaer Höfe" wechseln sich moderne Fassaden mit traditionellen ab. Auch der Zaun am neuen Kita-Gebäude passt sich mit seinen Pfeilern und Stahlfeldern ins Ensemble ein. Die Zufahrtsstraße zwischen den einstigen Rinderhallen wird wieder aus den alten Granit-Pflastersteinen aufgebaut. Spätestens am Jahresende möchte Ivo Ulrich mit seiner Frau und seinem Sohn ins neue Haus einziehen. Der Rohbau steht. Wegen des langen Winters hatten sich die Arbeiten verzögert.

"Noch ist es nicht wohnlich", sagt der 46 Jahre alte Slawist. "Wir freuen uns, dass es bald fertig ist." 2011 habe sich die Familie zum Umzug entschlossen. Sie wohnt in einem Plattenbau in Lichtenberg, nicht weit entfernt. Ivo Ulrich kennt den Schlachthof noch aus den 70er-Jahren. "Uns hat gefallen, dass jetzt Häuser gebaut werden, die äußerlich an die alten Ställe erinnern."



A H A ,   Z U S A G E N   S O L L E N   E I N G E H A L T E N   W E R D E N

Die drei von der Zankstelle

Senat setzt Streitschlichter für umstrittene Bauprojekte ein / Immer wieder gibt es Streit über Wohnungsbauprojekte in Berlin. Nun hat Bausenator Michael Müller ein Spezialteam aufgestellt, das bei umstrittenen Projekten schlichten soll. Ein Besuch beim Spezialkommando.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 6. September 2013, Seite 14 (Berlin) von RALF SCHÖNBALL. [Original]

BERLIN (Tsp). Bausenator Michael Müller (SPD) greift durch: „Wir wollen in Zukunft einheitlich gegenüber Investoren auftreten und auch Anforderungen des Landes im Wohnungsneubau klar formulieren.“ Rund zwei Drittel des Mehrwertes, der durch die Umwandlung von Brachen in Bauland entsteht, sollen künftig in allen Bezirken in den Bau von Kitas und Schulen, Straßen und Wege oder andere öffentliche Infrastruktur fließen. Weil das Land Baurecht schaffe und die damit verbundenen Vorteile „muss das auch dem Land zugute kommen“, so Müller. Ein Mustervertrag, wie er jetzt in der Verwaltung erarbeitet wird, soll genau das leisten – „auch die Bezirke haben da ein Interesse“ [Ed: hm, und warum wurde das nicht schon immer so gemacht?].

Spezialkommando für umkämpfte Bauprojekte

Einheitliche städtebauliche Verträge (siehe Seite zwei) sind ein Instrument, das der neuen Wohnungsbauleitstelle dienen wird. Die arbeitet im 16. Stock, Württembergische Straße. Im Chefbüro sind die Wände tapeziert mit Karten. Einige der darauf mit roten Kreisen markierten Flächen für den Bau neuer Wohnungen liegen den Besuchern zu Füßen. Denn so weit reicht der Blick über Berlin aus dem Fenster der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Außerdem steht ein roter Stuhl im Büro. Für den Senator? Für den Investor? „Für den, der mag“, sagt der Chef des neu geschaffenen Spezialkommandos für festgefahrene oder anders umkämpfte Bauprojekte, Ephraim Gothe – ein Mann, der nun selbst zwischen allen Stühlen sitzt.

Die drei Musketiere der "Wohnungsbauleitstelle"

Der Staatssekretär in der Bauverwaltung, der vor zwei Jahren noch Bezirksbaustadtrat von Mitte war, ist einer der „drei von der Leitstelle“, wie die Vermittler scherzhaft genannt werden. „Freundlich, verbindlich, vertraulich“, steht ihm der 42-jährige Dirk Böttcher zur Seite, der mit diesen Worten wichtige Eigenschaften im Umgang mit verzweifelten Investoren umschreibt. „Und Zusagen einhalten“, sagt Grit Schade, 45, die Frau im Bunde. Die drei haben in dem Vierteljahr seit Gründung der „Wohnungsbauleitstelle“ mehr als ein Dutzend Problemfälle abgeräumt – aber „viele Dutzend sind noch zu bearbeiten“.

    Berlin gewinnt
Aus: Der TagesspiegeL, 6.9.2013, Seite 14.

STÄDTEBAULICHE VERTRÄGE

Wenn Senat oder Bezirke Brachen in der Stadt in Bauflächen umwandeln, haben Verwaltungen immer schon mit den Investoren „Städtebauliche Verträge“ abgeschlossen. Diese sehen vor, dass ein Teil des Wertzuwachses, der durch eine Umwandlung einer früheren Grün- oder Industriefläche in Bauland entsteht, für den Bau von Straßen, Parks, Kitas oder auch Schulen eingesetzt wird. So solllen auch Strom- und Wasseranschluss, Straßen, Plätze und Kitas in dem Quartier, das am Rande des Tempelhofer Feldes entstehen soll, ohne Einsatz von Steuergeldern finanziert werden. [Ed: Auch in Lichterfelde-Süd soll das so laufen].


GLEICHE VERFAHREN FÜR ALLE

Bausenator Michael Müller (SPD) will nun dieses Verfahren einheitlich regeln für die Bezirke. Dazu wird in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zurzeit an einheitlichen städtebaulichen Muster- Verträgen gearbeitet, die alle Bezirke bei der künftigen Entwicklung neuer Wohngebiete zur Aufteilung des Mehrwertes mit dem Investor abschließen sollen. Bezirkliche Sonderregelungen würden dadurch seltener. [Ed: Allerdings hat sich Berlins Senat zuletzt mit dem für den Mauerpark abgeshlossenen Städtebaulichen Vertrag bis auf die Knochen blamiert — vermutlich wird dieser Vertrag von Gerichten gekippt werden].
Aber auch wenn sie die drei Musketiere wären – reichen wirklich drei Leute, um das wichtigste Projekt der großen Koalition zu beschleunigen? Konflikte gibt es reihenweise im Berliner „Häuserkampf“: mindestens 30.000 Wohnungen will die Koalition in dieser Legislaturperiode bauen, doch kaum war das vermeldet, da blockierten Proteste die Projekte. Um jede Baulücke, die mit einem Wohnhaus gefüllt werden soll, wird gekämpft. Am Flugfeld Tempelhof sind Tausende gegen die Neubaupläne. Auch in Schmargendorf lehnen Anwohner die Teilbebauung der Gartenkolonie Oeynhausen ab [Ed: hm, und was ist mit Lichterfelde-Süd? Wird etwa der Protest der BI vom Senat nicht ernst genommen?].

„In Tempelhof haben wir es selbst in der Hand, und in Schmargendorf wird es ruhiger nach der Wahl“, sagt Gothe. Allerdings hat der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf die Baugenehmigung für rund 800 Wohnungen erst einmal kassiert. Mittelfristig könnte ein Gremium entstehen, das „nicht auflösbare Fälle“ wie diesen entscheidet. Zunächst sollen die 50 wichtigsten Bauprojekte und die darum geführten Auseinandersetzungen auf einer „Eskalationsleiter“ geordnet werden [Ed: hm, und wo wird da Lichterfelde-Süd landen...].

Investoren sollen sich an Kosten beteiligen und Wohnungen günstig vermieten

„Oft helfen Lockerungsübungen“, sagt Gothe. Der richtige Ton und Beharrlichkeit – Diplomatie ist schon deshalb wichtig, weil der Senat über Müllers neue Verträge Investoren nicht nur eine Beteiligung an den Kosten für den Bau von Leitungen, Kitas, Parks und Plätzen und sogar Schulen abtrotzen will, sondern auch günstige Wohnungen. Investoren bevorzugen den Bau teurer Eigentumswohnungen, die mehr Profit versprechen.

Senatsplanung Wohnungsbau bis 2025
^   Diese Grafik zeigt, wo genau in Berlin die neuen Wohnungen entstehen sollen. Dargestellt sind die wichtigsten Neubaugebiete. Auch Lichterfelde-Süd ist noch immer mit 3.000 Wohnungen dabei, obwohl das wertvolle Natur zerstören würde. [Tabelle der 25 Baugebiete] [Kritik der BLN-Naturschützer]   (Repro/Grafik: 2.2013 – khd/SenStUm)

Geld könnte da helfen, aus der Wohnungsbauförderung. 32 Millionen Euro gibt es jährlich, das reicht zwar nicht aus, um wie in Hamburg jede dritte neue Wohnung zu subventionieren und für 7,50 Euro je Quadratmeter monatlich zu vermieten [Ed: was für Otto Normal viel zu hoch ist!] – aber wenigstens etwa jede sechste. Gerade umstrittene Projekte am Mauerpark oder an der Flottwellstraße in Mitte, in der Revaler Straße oder an den Victoria-Speichern in Friedrichshain könnten durch den Anteil günstiger Wohnungen doch noch Mehrheiten in den Bezirksparlamenten bekommen. Und weil Investoren ungern subventionierte Häuser bauen, steigen landeseigene Firmen ein und übernehmen das. Dadurch blieben die Mieten auch nach Ablauf der Förderung in 15 Jahren politisch steuerbar.



K E I N   M I E T E R S C H U T Z   D U R C H   C D U

Schluss mit Mietwucher

Steglitz-Zehlendorfs Runde Tische formieren Wohnraum-Bündnis.

Hinweis auf: Berliner Abendblatt (Ausgabe Steglitz-Zehlendorf) – Nr. xxx-ST/2013, 7. September 2013 (auf der Print-Ausgabe liest man „6. April 2013“ — peinlich!), Seite 1 (Aufmacher).


Auszug:   [...]
Ebenfalls zu Gast war Norbert Schmidt (CDU), Stadtrat für Soziales und Stadtentwicklung. Auf die Frage, ob er es als notwenig ansehe, die Mietentwicklung zu stoppen bzw. zu verlangsamen und welchen Einfluss der Bezirk dabei habe, verhielt Schmidt sich zurückhaltend: „Klar brauchen wir mehr bezahlbaren Wohnraum in Steglitz-Zehelendorf.“

Den größten Erfolg verspreche dabei die Schaffung neuen Wohnraums. Und er sehe positive Entwicklungen. „Im Senat [Ed: Große Koalition] habe man sich darauf geeinigt, freie Flächen an Wohnngsbaugenossenschaften zu verkaufen, und zwar weniger hochpreisig.“ Die Notwendigkeit für Milieuschutzgebiete im Bezirk sehe Schmidt momentan nicht, zum Ärger einiger Anwesenden. [...]



G E H T   D O C H !

3000 neue Wohnungen schon ab 6 Euro pro Quadratmeter

Der von der B.Z. vorgelegte Berliner Wohnungsneubau-Atlas zeigt, wo die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften GESOBAU, DEGEWO, HOWOGE und Stadt & Land demnächst neuen Wohnraum schaffen werden. Auf der Seite 5 gibt es eine tabellarische Übersicht aller 30 Bauvorhaben mit Angabe des geplanten Baubeginns. Steglitz-Zehlendorf und Lichterfelde kommen da nicht vor.

Hinweis auf:
B.Z., Berlin, 9. September 2013, Seite 4 + 5 (Berlin). [Seite 4] [Seite 5]




U M F R A G E

Berliner wollen Grünflächen nicht für Wohnungen opfern

Trotz der Wohnungsnot lehnen die Berliner die Bebauung von innerstädtischen Freiflächen und Kleingartenkolonien ab. Kein Verständnis dagegen haben sie für Klubs und Restaurants auf Baugrundstücken.

Aus:
Berliner Morgenpost, 9. September 2013, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN/GERMANY (BM). A sign outside a garden and cottage at the Oeynhausen Small Garden Association garden colony reads: "Stop The Destruction Of Small Gardens" on August 29, 2013 in Berlin, Germany. At the Oeynhausen colony about 300 of its 438 gardens are currently threatened by real estate development, as are about another 24 colonies across the city. Berlin has about 900 garden colonies that are owned by the city and that provide urban dwellers who don't have land of their own the opportunity to maintain a garden and escape the stress of urban life. Berlin is currently undergoing a housing squeeze and city authorities are beginning to sell some of the colonies to developers, which has caused outrage in a city where the colonies of small gardens are a deep-seated tradition going back over a century.

Die Berliner lieben ihre grünen Freiräume – und wollen sie auch dann nicht für den Wohnungsbau opfern, wenn sie selbst Mühe hätten, eine passende neue Wohnung zu finden. Das geht aus einer aktuellen Umfrage unter Berliner Wohnungssuchenden hervor, die das Internetportal ImmobilienScout 24 und Ziegert Bank- und Immobilienconsulting gemeinsam durchgeführt haben. Demnach befürworten nur 41 % der Befragten die Bebauung von Freiflächen innerhalb des S-Bahn-Rings. Das deutliche Votum ist umso überraschender, als dass 82 % von ihnen angeben, es sei derzeit schwer, in Berlin eine neue Wohnung zu finden.

"Wer heute innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings eine Wohnung sucht, hat viel Konkurrenz. Inserierte Objekte bleiben in der Regel nur wenige Tage auf der Plattform. Abhilfe schafft hier nur eine Vergrößerung des Angebots", sagte Marc Stilke, Sprecher der Geschäftsführung von ImmobilienScout 24. Umso erstaunlicher, dass die Wohnungssuchenden auch die Bebauung von Kleingärten, die Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) in Aussicht gestellt hat, mehrheitlich ablehnen. Innerhalb des S-Bahn-Rings sprechen sich 56 % der Befragten dagegen aus. 54 % würden auch außerhalb des S-Bahn-Rings keine Kleingärten opfern.

Zustimmung für Baupläne am Tempelhofer Feld

Überwiegenden Zuspruch bekommt die Bauplanung des Senators dagegen für das Tempelhofer Feld. Der Senat will an den Rändern des Baufeldes 4.700 Wohnungen bauen. 57 % der Befragten befürworten diese Planung. Allerdings knüpfen sie diese Zustimmung an Bedingungen. So wünschen 39 % der Befürworter einer Randbebauung des Tempelhofer Felds dort neue Sozialwohnungen, 28,7 % sind für eine Blockbebauung mit großen Grünflächen und nur 6,7 % für Townhäuser. "Das äußere Feld soll sozial und urban werden", so Immobiliendienstleister Nikolas Ziegert.

Rund 6.000 Wohnungen im Bau und in der Planung

Aktuell haben die 6 städtischen Wohnungsbaugesellschaften in Berlin rund 6.000 Neubauwohnungen im Bau und in der Planung. Weitere sollen folgen. Interessant für die Politiker sind deshalb auch die Antworten der rund 640 Umfrageteilnehmer, wo denn stattdessen gebaut werden sollte. Außerhalb des S-Bahn-Rings wünschen sich 61 % der Befragten.

Kein Verständnis dagegen haben sie für private Klubs und Restaurants, die in der City Baugrundstücke blockieren. Nur 7,5 % der Befragten meinen, dass dort keine Wohnungen gebaut werden sollten. Werden dagegen Flächen von sozialen oder kulturellen Projekten genutzt, sind 62 gegen eine Bebauung. Soll dennoch auf alternativ genutzten Flächen gebaut werden, wollen die Befragten einen festgelegten Anteil an preiswertem Wohnraum (67,2 %), öffentlichen Grünflächen (62,2 %) sowie Platz für gemeinnützige Projekte (38,2 %).



N A I V E   P O L I T I K E R . . .

Fassadenstreit in Dahlem

Tuman Plaza: Politiker zeigen sich empört über Aluminiumgrau / [Ed: Städtebaulicher Vertrag nicht eingehalten].

Aus:
Berliner Woche (Ausgabe Steglitz-Süd) – Nr. 37/2013, 11. September 2013, Seite 6 (Lokales). [Original]

DAHLEM (mst). Der fast fertige Bau auf der früheren Truman Plaza hat Bezirkspolitiker auf den Plan gerufen. Entgegen den Vereinbarungen ist die Fassade nicht beige, sondern grau geraten. Den Farbton jetzt noch zu ändern wäre laut Bauherr zu teuer.

Torsten Hippe ist wütend auf Ludwig Maximilian Stoffel. "Sauer ist untertrieben", sagt der CDU-Fraktionschef. Von dem Investor auf der früheren Truman Plaza fühlt er sich "betrogen – im politischen Sinne." Erst vor wenigen Wochen war Hippe auf der Baustelle des beinahe fertiggestellten "Fünf Morgen Dahlem Urban Village" an der Ecke Clay- und Argentinische Allee. Statt der im städtebaulichen Vertrag vorgesehenen Farbe "Beige-Elfenbein" ist die Fassade des wuchtigen Baus aluminiumgrau geraten [Ed: hm, "geraten" — wohl doch eher mit voller Absicht, da es billiger war].

"Das entspricht nicht den Vereinbarungen, die im städtebaulichen Vertrag mit Stoffel getroffen wurden, empört sich der CDU-Politiker. Bei der Planung des Gebäudes 2011 habe der Stadtplanungsausschuss sich gegen "rotbraune oder Grautöne" ausgesprochen. Eine angestrebte schriftliche Fixierung habe der Stadtentwicklungssenator herausgestrichen, weil er sie aus städtebaulicher Sicht nicht für notwendig hielt. Erst vor 6 Wochen entdeckte Hippe jetzt, dass die Stofanel Investment AG sich nicht an den Vertrag gehalten hat.

Denn statt des vereinbarten Farbtons zwischen Sandstein und beige sind die hohen Kästen grau. "Ich hätte es nie so durchlaufen lassen", sagt Hippe. Die Formulierung im städtebaulichen Vertrag sei "wachsweich." Obgleich Stofanel die Farbe der Fassade als "ivory" (Elfenbein) angebe, wirke es wie Aluminium.

Laut Hippe hat es einen Ortstermin mit dem Stadtplanungsausschuss und dem Investor gegeben. Dabei habe Stoffel erklärt, dass eine Änderung der Fassade 1 Million Euro kosten würde [Ed: Peanuts für einen Immo-Investor].

"Stoffels Verhalten hat nichts vom Gebaren eines ehrbaren Kaufmanns. Ich hätte mich niemals für das Projekt eingesetzt, wenn ich das gewusst hätte", erklärt der CDU-Fraktionschef und Rechtsanwalt. Auch Bürgermeister Norbert Kopp findet es "ärgerlich, dass Stoffel sich nicht an Absprachen hält." Die Endabnahme stehe noch aus. "Beim Brandschutz haben wir noch offene Punkte", so der CDU-Politiker.



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(Toronto/Houston)





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