PLS-Logo |   Dokumentationen aus Medien — Teil 27

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    Stand:  21.1.2015   (64. Ed.)  –  File: PLS/Aus_Medien/AM_27.html



Die Presse hat noch nicht die (politische) Dimension des Gesamt-Konflikts um Lichterfelde-Süd erkannt und wohl auch deshalb bislang nur wenig berichtet — immerhin gibt’s doch schon einiges. Auf diesen Seiten werden ausgewählte Artikel und Texte zu den Planungs-Absichten bzw. -Ansinnen für Lichterfelde-Süd dokumentiert.

  Lichterfelde-Süd / Giesensdorf
Ständig benachteiligt!
Eine Abrechnung
 
Dabei gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis. Archivort ist Houston (USA), wo das „fair use“-Prinzip gilt. Hier sind dokumentiert und manches auch in [Ed:...] kommentiert:

I n h a l t :       2014       [Artikel-Übersicht 2014]
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B E R L I N E R   I M M O - B L A S E

Verlockt, verzockt

Die Bundesbank warnt zurecht: Die Spekulation mit Immobilien in Berlin birgt große Risiken — für die Mieter und die Eigentümer.

Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 19. Februar 2014, Seite 6 (Meinung) von RALF SCHÖNBALL. [Original=9502500.html]

D as böse Wort von der „Blase“ haben sie nicht in den Mund genommen, die salomonischen Bundesbanker. Aber falls die Blase platzt, werden sie behaupten können: „Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt!“

Von den viel zu teuren Miethäusern und Eigentumswohnungen in Großstädten ist hier die Rede, deren Verkaufspreise den tatsächlichen Wert um 25 Prozent übersteigen. Für Berlin gilt das auch – gerade für Berlin. Die Bundesbanker warnen zum zweiten Mal in zwei Jahren. Es wird nicht das letzte Mal sein.

Denn die Nachfrage nach der eigenen Wohnung in der Hauptstadt ist ungebrochen. Es sind die Pensionäre aus dem Westen des Landes, die ihre zinslosen Festgeldkonten räumen und am Berliner Hype teilhaben wollen: Weil sie die Stadt kennen, weil ihre Kinder oder Enkel hier studieren oder zum digitalen Prekariat der Stadt gehören.

Es sind aber auch Italiener und Griechen, die ihr Kapital außer Landes bringen, wo der Fiskus nach Vermögenswerten greift, um die Wirtschaftskrise zu bewältigen. Und es ist Geld aus Israel, den USA und Großbritannien, wo die deutsche Hauptstadt an Paris und London gemessen wird – im Vergleich zu diesen Metropolen sind Immobilien in Berlin lächerlich günstig.

Aus der Ferne betrachtet mag das so erscheinen, zumal Berlin an die europäische Spitze drängt, jedenfalls bei den Tourismuszahlen. Auf die wirtschaftliche Realität der Berliner Haushalte hat sich diese Entwicklung aber kaum niedergeschlagen. Mehr als jeder zweite Haushalt in der Stadt hat Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein – weil sein Einkommen zu niedrig ist, um sich die Mieten am freien Markt leisten zu können. Wer weiß schon, dass die Einkommen in Berlin auf dem Niveau von Mittelstädten im Ruhrpott liegen.

Und wer will das schon hören, wenn er genug Eigenkapital hat und die niedrigen Hypothekenzinsen zum Zocken am Immobilienmarkt verlocken. Weil die Börse mit ihren Schwankungen und periodischen Zusammenbrüchen fast schon zum kollektiven Trauma der deutschen Anleger geworden ist, investieren sie eben in „Sachwerte“. Irgendeinen Mieter wird man in der wachsenden Hauptstadt schon finden, so das Kalkül.

Fast täglich erreichen diese Zeitung deshalb Mails von verstörten Berlinern, die über drastische Mieterhöhungen neuer Hauseigentümer klagen. Die Beispiele zeigen, wie groß der Druck des Kapitals ist: Einstweilen rechnen sich die Immobiliengeschäfte nur durch „Entmietung“. Die Gentrifizierung greift um sich und macht zurzeit Station in den Stadtteilen Neukölln und Lichtenberg.

Auf die Dauer kann das nicht gut gehen, weil der Renditedruck der wirtschaftlichen Realität vor Ort nicht Rechnung trägt. Marktforscher warnen: Die Wohnungspreise nehmen die Wertentwicklung der nächsten 10 Jahre vorweg. Wenn in dieser Zeit die Zinsen steigen, wird das Kapital aus den teuren und wenig rentablen Berliner Wohnimmobilien abgezogen. Und wer sich selbst hoch verschuldet hat beim Kauf der eigenen vier Wände, dem droht womöglich die Privatinsolvenz. Denn so schnell wie sich der Wind auf den Finanzmärkten dreht, steigen Löhne und Gehälter am Berliner Arbeitsmarkt nicht.



P A R K S   R A N G E

Berkiner Woche liefert Mord-Motix

Schriftstellerin Beate Vera lässt ihren ersten Krimi in der Parks Range spielen / [Ed: und in der Welt einer korrupten Immo-Branche — seit 3 Wochen fahnden nun Juristen der „CA Immo AG“ und der „Groth Gruppe“ nach ihnen unangenehmen Stellen im Roman...].

Aus:
Berliner Woche (Ausgabe Steglitz-Süd) – Nr. 8/2014, 19. Februar 2014, Seite 3 (Lokales).

LICHTERFELDE (KM). In einer Vollmondnacht ereignet sich Unfassbares am Rande der beschaulichen Reihenhaussiedlung in Lichterfelde-Süd. Eine Joggerin entdeckt zwei Tote: Einen Nachbarn und eine Prostituierte. Beide wurden grausam ermordet. In ihrem ersten Krimi "Wo der Hund begraben liegt" lässt Autorin Beate Vera das Grauen in die Stadtrandidylle ziehen.

LiS-Krimi von Vera Das Eifelviertel, in dem die Protagonistin Lea Storm lebt, ist fiktiv. Doch Kennern von Lichterfelde-Süd dürfte es bekannt vorkommen. Beate Vera ist in der kleinen Reihenhaussiedlung am Bahnhof Lichterfelde Süd, nahe Parks Range und Mauerweg aufgewachsen. Später verbrachte sie lange Jahre in London. Jetzt lebt sie mit Ehemann und Sohn wieder hier. Sie kennt die Gegend genau und hat ihre Krimi-Schauplätze mitunter detailgetreu beschrieben. Der Roman soll auch eine kleine Hommage an den Kiez sein. "Ich habe die Siedlung und die Straßen umbenannt und natürlich auch die Namen der handelnden Personen. Ich bin mir relativ sicher, dass sich keiner meiner Nachbarn wieder erkennt. Obwohl ich einige ihrer Schrullen und Eigenarten herausgepickt habe", sagt die 47-Jährige.

Einige der Orte und Personen sind aber auch benannt. So spielen die Kirschbaumallee eine Rolle, der Teltowkanal und einige Geschäfte und Restaurants in der Gegend. So kehrt ihre Protagonistin Lea oft und gern im Pub "Loch Ness" ein, um sich hier den einen oder anderen Malt-Whisky zu genehmigen. Eine große Rolle spielt der ehemalige Truppenübungsplatz Parks Range. Die Idee, hier einen Mord stattfinden zu lassen, kam ihr übrigens beim Lesen der Berliner Woche. "Mir fehlte noch das entscheidende Tätermotiv, als eines Tages in der Berliner Woche über die geplante Bebauung des Geländes las. Da kam mir die Idee, meinen Krimi im Immobiliengeschäft spielen zu lassen", erinnert sie sich.

Ihre beiden Hauptfiguren sind Lea Storm, die allein mit ihrem Schottischen Hirschhund in der Reihenhaussiedlung lebt und Kriminalhauptkommissar Martin Glander, der sich des Falles annimmt. "Es ist toll, eigene Charaktere zu schaffen und zu entwickeln", sagt sie und freut sich schon auf weitere Geschichten mit den Beiden. Sie kommen sich während des ersten Falles nicht nur beruflich näher. "Die Geschichte schreit geradezu nach einer Fortsetzung", findet Beate Vera.

Tatsächlich liegt das zweite Buch um Lea Storm und Martin Glander schon beim Jaron-Verlag. "Ich hoffe, dass auch diese Geschichte verlegt wird. Diesmal ist der Bäkepark der Schauplatz." Ob es zu einer Reihe von Berliner Provinzkrimis mit Lea Storm und Martin Glander kommen wird, entscheidet der Jaron-Verlag nach den Verkaufszahlen.

Das Buch ist seit dem 31. Januar im Handel erhältlich und auch über Amazon zu beziehen. Lesungen der Autorin finden am 25. Februar um 19 Uhr im Pub "Loch Ness", Roonstraße 31a, (Anmeldung: 83 21 02 89) und am 11. März, 19 Uhr, im Restaurant Thai by Thai, Goerzallee 11, statt. Am 10. April liest sie um 19 Uhr in der Buchhandlung Thomas Gralla, Hindenburgdamm 42.

Beate Vera: "Wo der Hund begraben liegt". Ein Provinzkrimi aus Berlin. 9,95 Euro, ISBN: 978-3-89773-738-9.



L E S E N S W E R T !

Neuer Schulentwicklungsplan [SEP] für Steglitz-Zehlendorf

Scharfe Kritik von Eltern und Opposition / [Ed: Nun wissen wir: Auch im Schulbereich kann dieses Bezirksamt nicht planen, denn weder das Entwicklungsgebiet „Truman Plaza“ noch „Lichterfelde-Süd“ kommen im Bezirks-SEP 2014–2019 vor, obwohl völlig klar ist, daß hier neue staatliche Schulen gebaut werden müssen — in Lichterfelde-Süd mindestens 1 Grundschule und 1 Gymnasium/Oberschule].

Hinweis auf:
Der Tagesspiegel, Berlin, 20. Februar 2014, 11.18 Uhr MEZ (Zehlendorf-Blog). [Zum Artikel]




N A C H   1 9 8 9

Die großen Bauherren des Berliner Monopolys

30 Jahre sollte es dauern, die "Narben" der Teilung zu beseitigen. Berlins Gründerzeit nach 1989 ist eng verknüpft mit seinen Bauherren. Einige sind sehr umstritten, andere wurden gefeiert [Ed: und Klaus Groth ist hier prominent vertreten].

Aus:
Die Welt am Sonntag, Berlin, 23. Februar 2014, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN (welt.de). Die Aufgabe war riesig, ihre Kosten gewaltig. Nach dem Mauerfall galt es, die zahlreichen Narben in der Berliner Stadtlandschaft zu heilen. Einige Bauexperten prognostizierten damals, das werde mindestens 30 Jahre dauern. Ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall scheint es, als sei ein Großteil der "Teilungsnarben" beseitigt.

In einem ungeheuren Kraftakt wurden Milliarden investiert und Stadtbrachen wieder bebaut. Nicht selten kamen neben redlichen Investoren auch zwielichtige Entwickler zum Zuge oder solche, die sich windiger Methoden bedienten. Aber ganz ohne diese Glücksritter, die auch schon mal das Gesetz beugten, wären einige Lücken wohl erst viele Jahre später und manch andere wohl bis heute nicht geschlossen worden.

Vor Kurzem erst startete Klaus Groth eines seiner jüngsten Bauprojekte. Neben dem neuen Park Gleisdreieck, wo nach dem Mauerfall trostlose Kfz-Schuppen standen und an Wochenenden das "90 Grad" zum Tanzen lockte, errichtet er nun ein schmuckes Wohnquartier. "Ich freue mich, an diesem Ort bauen zu dürfen", sagte er. Es ist charmant untertrieben.

Inszenierung einer eigenen kleinen Gründerzeit

Groth ist einer der größten Akteure der Berliner Baubranche, ein Projektentwickler. Mehr als 3,5 Milliarden verbaute allein die Groth-Gruppe bislang in der Hauptstadt. Voraussehbar war dies nicht. Seine unternehmerische Laufbahn begann 1976 in Kiel mit der Gründung eines eigenen Projektentwicklungs-, Wohnungs- und Gewerbebauunternehmens. Ende 1977 erfolgte die erste Unternehmensaufgabe in Berlin, 1982 schließlich die Verlegung nach Berlin mit Gründung der heutigen Groth-Gruppe.

Der Immobilienmann mit besten Beziehungen zur Berliner Politik und intimen Kenntnissen der Verwaltung entwickelte reihenweise Filetgrundstücke nach dem Mauerfall, ja man könnte sogar sagen, er inszenierte selbst eine kleine Gründerzeit. Die Richtfeste und Grundsteinlegungen, zu denen der Unternehmer erscheint, sind mitunter so dicht aneinandergereiht, dass auch schon mal er selbst staunt.

"Das ist doch schon vorzeigbar, was wir da gemacht haben", sagte Groth, als er nahe dem Spittelmarkt unlängst seine "Beuth-Höfe" vorstellte, ein kleines, feines Quartier gehobenen Wohnens. Er freute sich, ein Stück "unfertiger Stadt repariert" zu haben. Eine Anspielung auf den Todesstreifen, der dort einst Mitte und Kreuzberg trennte.

Groth ist fast überall aktiv

Vor wenigen Wochen war Groth erneut im Stadtbild präsent. Nördlich der Flick-Hallen am Hamburger Bahnhof errichtet er ein Haus, in dessen untere Etage Galerien einziehen sollen, wiederum in "bester Lage", versteht sich. "Ich freue mich, dass wir nun auch in der Europacity bauen können. Das Quartier wird urbanes Leben versprühen", sagte er bei der Vorstellung des Projekts. Die Grundstücke hatte die CA Immo, einer der großen Akteure der Branche, an die Gruppe verkauft. Man kennt sich gut.

Kürzlich
wechselte einer ihrer Manager zur Groth-Gruppe. Mit Klaus Groths Sohn Thomas, der bereits in der Geschäftsführung ist, sollen beide Männer den Generationswechsel in dem Unternehmen vollziehen. Klaus Groth, noch Sprecher der Geschäftsführung, will sich zurückziehen. Der Unternehmer hat das Antlitz Berlins maßgeblich geprägt. Er errichtete zum Beispiel die Bundeszentrale der CDU sowie die edlen Wohnviertel drum herum, an der Köbisstraße, wo momentan das mondäne Projekt "Heydt 1" in die Höhe wächst.

Groth ist fast überall aktiv, in Lichterfelde auf einem ehemaligen Übungsplatz der US-Berlin-Brigade und nahe dem Gendarmenmarkt. "Belles Etages" heißt das dortige Luxusprojekt, nur wenige Meter von den "Kronprinzengärten" der Bauwert-Gruppe entfernt, einer seiner Konkurrenten im obersten Segment.

Erfolgreichste Wiederbelegung am Hackeschen Markt

Ein paar Meter entfernt von Groths Prestigebauten an der Köbisstraße im Diplomatenviertel steuerten jahrelang die Kaufleute Klaus Groenke und Axel Guttmann ihre Geschäfte. Sie bauten ein weitverzweigtes Netz von Unternehmensbeteiligungen auf – hauptsächlich im Immobilienbereich. Ganze Straßen am Kurfürstendamm, die Hauptverwaltung der Bewag, die Hotels "Interconti" und "Schweizerhof" errichteten sie.

Mit einem Privatvermögen von mehreren Hundert Millionen Mark zählten sie zu den reichsten Geschäftsleuten in Berlin. Doch ihr Unternehmen wuchs zu schnell, hatte sich mit der Übernahme der Interhotel-Kette übernommen und einen Riesenberg an Schulden angehäuft. Heute kennen wohl nur noch Insider den Namen Trigon. Axel Guttmann verstarb 2001 nach einer schweren Krankheit.

Ein Paradebeispiel für die wohl erfolgreichste Wiederbelebung toter Areale lieferten die Hackeschen Höfe. Das Geflecht aus Fluren und Höfen – eines der größten in Europa – ist ein Touristenmagnet. Doch das war nicht immer so. Vor dem Mauerfall war die Gegend ein Ort des Durcheilens, nicht des Verweilens. Mit grauen Fassaden und seit Langem geschlossenen Geschäften. Trist und öde war die Umgebung.

Bis sich nach dem Mauerfall engagierte Bürger zusammentaten und den Verein Hackesche Höfe gründeten, um mit dem Bezirk Mitte eine Perspektive für das Areal zu entwickeln. "Eine wilde Zeit" hatte die damalige Baustadträtin Dorothee Dubrau die Vorgänge genannt. Eine Anspielung auch auf das massive Bieten, Feilschen und Buhlen der Großen im Grundstücksmonopoly. Roland Ernst gehörte dazu, genauso wie Jürgen Schneider.

Aus Bürofläche wurde Luxuskaufhaus

Die Geschichte des Nachwende-Berlins wäre ohne Roland Ernst nicht zu erzählen. Der Projektentwickler aus Heidelberg war einer der Ersten, die nach dem Umbruch von 1989/90 die großen Chancen auf dem Immobilienmarkt erkannten und entsprechend handelten, die ihre Emissäre in die Grundbuchämter schickten, um ausspähen zu lassen, wem welches Grundstück gehörte und welches möglicherweise zu kaufen war. Oft standen sie in den Registraturen vor völlig überforderten Mitarbeitern, die Zehntausende Grundstücke neu zu katalogisieren hatten. Was gestern noch der Kommunalen Wohnungsversorgung zugeordnet war, konnte nun den New Yorker Nachfahren eines einstigen Berliners jüdischer Herkunft gehören.

Manchen Anspruch auf Rückübertragung der Immobilien hebelten die Investoren aus, wenn sie schnell genug waren. Das Investitionsvorranggesetz begünstigte die Schnellen unter den Entwicklern – und Roland Ernst war einer der ganz schnellen. Aber auch einer, der die Möglichkeiten der Gesetze überstrapazierte, mitunter zu weit. Er wurde später des Betrugs, der Bestechung und Steuerhinterziehung verdächtigt und saß deshalb im Gefängnis.

Doch so kurios es erscheint: Ohne manche dieser Glücksritter, die zum Teil grenzwertig agierten, wären die Milliardeninvestitionen, die Lückenschlüsse, Hunderte Richtfeste und Grundsteinlegungen seit dem Mauerfall in Berlin in diesem Ausmaß kaum möglich gewesen. Ernst nutzte alle Möglichkeiten des Baurechts. Er war auch zugegen, als die Friedrichstadtpassagen, das erste große Projekt an der Friedrichstraße, Mitte der 90er-Jahre errichtet wurden. Der Pariser Stararchitekt Jean Nouvel entwarf für ihn ein Geschäfts- und Bürohaus.

Der Bau wurde just fertig, als Berlin ein Überangebot an Büroflächen erlebte. Ernst reagierte schnell. Das Gebäude, das im Innern von einem riesigen kegelförmigen Lichtschacht geprägt wird, funktionierte er in ein Kaufhaus um – und akquirierte dafür die Galeries Lafayette. Das Pariser Edelkaufhaus richtete in dem voll verglasten Gebäude, das dafür eigentlich viel zu klein war, eine Dependance seines Pariser Stammhauses ein. Die niedrigen Decken zeugen noch heute von der ursprünglichen Konzeption als Bürohaus.

Jagdfeld plante Quartier rund um das Kunsthaus Tacheles

Ernsts Aufstieg und Fall erinnern an den mit Betrugsvorwürfen überzogenen Bauunternehmer Jürgen Schneider. Dieser hatte nach dem Mauerfall große Teile der maroden Leipziger Innenstadt wieder aufgebaut – auch mit zum Teil fragwürdigen Finanzierungsmodellen. Wegen Betruges stand auch er später vor Gericht. Trotzdem sind ihm manche in der Leipziger Stadtverwaltung heute dankbar. Ohne Schneider, heißt es, hätte der Wiederaufbau der Leipziger Innenstadt länger gedauert.

In der Berliner Bauverwaltung denkt man ähnlich über Roland Ernst. Er habe "zentrale Scharniere" der Berliner City reaktiviert, auch wenn man seine damaligen Methoden nicht gutheißen könne, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Offiziell will das aber niemand in der Verwaltung sagen. Zu eng ist Ernsts Name mit Ermittlungen der Justiz verknüpft.

Die Geschichte des Nachwende-Berlin wäre auch ohne einen anderen umstrittenen Bauherren nicht vollständig erzählt: Anno August Jagdfeld. In der Mitte der Friedrichstadtpassagen realisierte er das Edelkaufhaus 206 und am Pariser Platz den Wiederaufbau des Fünfsternehotels "Adlon". Immer größer wurden die Pläne des Aacheners. In Heiligendamm an der Ostsee wollte Jagdfeld ein Kaiserbad der Neuzeit errichten, doch er hatte zu teuer gebaut, und zu schlecht waren die Auslastungszahlen.

Ähnlich ambitioniert waren Jagdfelds Pläne für das riesige Gelände rund um das Kunsthaus Tacheles. Edel, teuer und von der Architektursprache etwas amerikanisch sollte das neue Quartier werden. Doch Jagdfeld verkalkulierte sich, das Gelände fiel an die HSH-Nordbank zurück.

"Museumsforum" soll 2014 fertiggestellt werden

Ernst Freiberger, der mit Tiefkühlpizzen zum Multimillionär geworden war und nun ein Firmenimperium verschiedenster Branchen steuert, erwarb in den 90er-Jahren das Gelände der Bolle-Brauerei im Moabiter Spreebogen. Anders als Ernst und Jagdfeld ist Freiberger bis heute in Berlin aktiv. Für 300 Millionen Euro saniert der Bayer an der Museumsinsel nun ein aus Häusern im Stile des Bauhaus und der Neorenaissance errichtetes Quartier. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte Freiberger eine Parzelle nach der anderen erworben, sich eine Kollektion schöner Häuser zugelegt. Ein Hotel nebst Automuseum, Kunst, Kultur, "ein Marktplatz und stilvolle Lofts" sollen das lange Zeit vergessene Quartier wiederbeleben.

Noch 2014 will Freiberger das "Museumsforum" fertigstellen. "Wir werden hier etwas Besonderes machen", wirbt er. Auf jeden Fall hat er Architekten engagiert, die dies realisieren können, unter anderem Stararchitekt David Chipperfield, der das Neue Museum sanierte. Für das Museumsforum an der Spree entwarf er sogar einen neuen Solitär. Mit Klinkern und Rundbogenfenstern, moderne Klassik.

Zu den weitgehend Unbekannten des Geschäfts, weil sein Privatleben streng abschirmend, gehört Harald G. Huth. Er entwickelte das "Schloss" in Steglitz, bis er auf das ehemalige Wertheim-Areal am Leipziger Platz aufmerksam wurde, an dem sich schon andere Entwickler verhoben hatten, etwa die Orco oder die Münchner Investoren Peter und Isolde Kottmair. Sie wollten dort mit dem italienischen Architekten Aldo Rossi ein kunterbuntes Quartier schaffen, in dem auch der Cirque de Soleil einen ständigen Sitz haben sollte. Doch die Finanzierung scheiterte. Bei Huth nicht. Verlässliche Mieter, große Filialisten, sind das, womit er Finanzierungen bekommt.

Auch Harm Müller-Spreer, der die wegen ihrer Wellblechdosen- Architektur äußerst umstrittene Ernst&Young-Zentrale am Bahnhof Friedrichstraße errichtete, sowie Heinz Meermann, der in dem Viertel nebenan Dutzende Häuser errichtet, wären zu nennen. Doch so spektakulär die prestigeträchtigen Vorhaben der großen Entwickler sind, "so fällt der große Ruhm doch den vielen kleinen Bauherren zu, die Brandwände verkleidet und Lücken geschlossen haben", wie es Ex-Senatsbaudirektor Hans Stimmann einmal sagte. Und er hat recht.



P A R K S   R A N G E

2700 Wohnungen und die Eidechse —
Bündnis sieht Natur bedroht

Ein Aktionsbündnis will an den Planungen von 2700 Wohnungen in Berlin-Lichterfelde beteiligt werden. Die Initiatoren befürchten Folgen für die Natur — und für die streng geschützte Zauneidechse [Ed: und viele weitere nach EU-Recht geschützte FFH-Arten].

Aus: Berliner Morgenpost, 24. Februar 2014, Seite xx (Bezirke). [Original]

LICHTERFELDE (BM). Seit fast 20 Jahren liegt der ehemalige US-Truppenübungsplatz Parks Range in Lichterfelde-Süd brach. Die Natur hat sich das 100 Hektar große Areal südlich [korrekt: westlich] der Osdorfer Straße zurückerobert und eine ursprüngliche Landschaft mit Wiesen und Wäldern geschaffen. Seit die Groth-Gruppe das Grundstück gekauft hat, steht fest: Dort, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Thermometersiedlung, wird ein neuer Stadtteil mit bis zu 2.700 Wohnungen gebaut. Zu den bereits 6.000 Bewohnern der Hochhaussiedlung aus den 70er-Jahren werden noch einmal etwa 10.000 Neu-Lichterfelder kommen.

Die Bedenken der Anwohner sind groß. Eine Großsiedlung und ein Naturschutzgebiet – wie soll das zusammenpassen? Straßen, Kitas, Schulen, Freizeitmöglichkeiten – reichen die Kapazitäten auch für die neuen Nachbarn? Was wird aus den Betrieben, die seit Jahrzehnten ihren Sitz auf dem Gelände haben? Um diese Fragen vorab zu klären, hat sich das "Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd" gegründet. Das Interesse ist groß: Bei der jüngsten Informationsveranstaltung des Bündnisses im Kiez-Treff an der Celsiusstraße mussten viele Zuhörer draußen vor der Tür stehen, weil der Saal überfüllt war.

Die Initiatoren des Aktionsbündnisses befürchten vor allem Folgen für die Natur. "Nicht nur die Betriebe und die Arbeitsplätze sondern auch Flora und Fauna sollen weg, soweit sie dem geplanten Wohnungsbau im Wege sind", sagt Gerhard Niebergall. So sollen naturschutzrechtlich in ihrem Lebensraum streng geschützte Zauneidechsen eingesammelt und in Brandenburg ausgesetzt werden.

Planungen noch ganz am Anfang

Ähnlich wie auf dem Tempelhofer Feld ist auch in Lichterfelde eine Randbebauung geplant. Nach ersten Naturschutzgutachten sollen 39 Hektar [Ed: diese sind strittig!] für die Entwicklung der Wohnquartiere genutzt werden. So steht es in einer
Absichtserklärung, die der Bezirk mit dem Investor ausgehandelt hat. Es gehe um die Bewahrung und Aufwertung einer naturnahen Parklandschaft einerseits und um die Schaffung dringend benötigten Wohnraum andererseits – so das formulierte Ziel beider Seiten. Für das Aktionsbündnis ist das alles noch viel zu unkonkret. "Wir werden viel zu wenig in die Planung einbezogen", sagt Gründungsmitglied Helmut Schmidt.

Die Groth-Gruppe versucht, die Bedenken zu zerstreuen. Dass gebaut werde, daran gebe es keine Zweifel mehr [Ed: aber wohl doch erst dann, wenn auch das Bundesverwaltungsgericht dazu grünes Licht gegeben hat], sagt Sprecherin Anette Mischler [Ed: die bis September ihre Brötchen noch beim Liegenschaftsfonds des Landes Berlin verdiente]. Das sei unstrittig. Momentan stünden die Planungen aber noch ganz am Anfang, es gebe noch nicht einmal einen Bebauungsplan. Als nächstes müsse ein Gutachten über die verschiedenen Tierarten erstellt werden [Ed: und was ist mit den wertvollen Pflanzen?].

Im Frühsommer werde ein städtebaulicher Workshop mit verschiedenen Architekturbüros veranstaltet. Dort soll erarbeitet werden, wie die Bebauung aussehen könnte. Erst dann gehe es bei einem weiteren Treffen um die Natur, die sogenannte "grüne Mitte". Welche Bereiche sind besonders schützenswert? Soll die Parklandschaft öffentlich zugänglich werden? Diese Fragen stehen dann auf der Tagesordnung.

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D I E   A N D E R E   M E I N U N G

In Lichterfelde wüten Wutbürger gegen Wohnungsbau.
Soll Berlin verwildern?

Wohnungen auf einem alten US-Truppenübungsplatz? Gunnar Schupelius versteht nicht, warum dieser Plan die Anwohner stört / [Ed-26.2.2014: Oh Mr. Schupelius, Sie haben ganz miserabel recherchiert, denn die Bürger wollen u.a. eine Randbebauung mit „höchstens 1.500 Wohnungen“, und daß das EU-Recht beim Naturschutz eingehalten wird. Wieso denunzieren Sie unbescholtene Bürger, die sich für seit 1992 geltendes Europa-Recht engagieren? — Haben Sie etwa etwas gegen die Europäische Union?].

    Leser-Stimmen dazu
Aus: B.Z., ab 27.2.2014 (Meinung).

Gelände sollte bebaut werden

(27.2.2014, S. 8). Ich wohne seit über 20 Jahren in Lichterfelde in der Fahrenheitstraße. Das einstige Militärgelände sollte meiner Meinung nach wie geplant bebaut werden. Natur hätten wir rundherum immer noch reichlich, auch für die Tierwelt! Notwendig wäre aber, dass vor der Bebauung für ausreichende Straßenverhältnisse gesorgt wird. Die Osdorfer Straße ist für Fußgänger und Autofahrer in Spitzenzeiten schon jetzt schwer zu überqueren. — Heidrun J.

Ich stimme zu

(28.2.2014, S. 8). Ich habe ca. 20 Jahre in der Celsiusstraße gewohnt und stimme Ihrem Artikel zu. — Uwe Sch.

Zu viel Langeweile

(28.2.2014, S. 8). Mit Verlaub, wer nicht alle Latten am Zaun hat, der kann auch schon einmal eine Zauneidechse gesichtet haben. Diese Ich-bin- gegen-alles-Gesellschaft hat einfach zu viel Langeweile und fühlt sich als Weltverbesserer. Das sind die gleichen Menschen, die für erneuerbare Energien kämpfen, aber auch gegen Überlandleitungen. — Peter M.

Traumhafte Wohngegend

(1.3.2014, S. 8). Das kann doch eine traumhafte Wohngegend mit S-Bahn-Anschluss werden! Warum hat der Senat dieses Filetstück 20 Jahre verschlafen? Na ja, mich wundert in dieser meiner Heimatstadt seit dem 3. Juni 2012 nichts mehr. — Jörg Z.

Keine zweite Siedlung

(1.3.2014, S. 8). Ihrem Artikel stimmen wir nicht so ganz zu. Wir sind keine Wutbürger und wüten auch nicht, weil wir dort die Natur erhalten wollen, sondern weil dieser Herr Groth das Land für einen Apfel und ein Ei gekauft hat. Wir hier in der Thermometersiedlung wollen keine zweite Siedlung, denn um unsere Siedlung kümmert sich kaum noch jemand. Hier laufen dicke fette Ratten herum, viele Spielplätze werden nicht mehr in Ordnung gehalten. Und nun noch 2700 neue Wohnungen? — Elke H.

Hat Schupelius recht?

Diese Klick-Umfrage der B.Z. ergab:
91 % JA   und   9 % NEIN.
(Stand: 1.3.2014 — 12.20 Uhr)


BZ-Logo Aus: B.Z., Berlin, 26. Februar 2014, Seite 8 (Meinung) von GUNNAR SCHUPELIUS (Chefkolumnist der größten Zeitung Berlins) mit 1 Foto (Bildlegende: „Baugrundstück in Lichterfelde Süd: 39 Hektar für Wohnungen, 61 für die Natur“). Die Überschrift im Internet fiel etwas milder aus: „Warum wüten Wutbürger gegen Wohnungsbau?“. [Original] [Original in PDF]

Nur 56 Prozent der Gesamtfläche Berlins sind bebaut oder asphaltiert. 44 Prozent sind grün. Aber kaum soll irgendwo ein Stein auf den anderen gesetzt werden, da geht ein Orkan los. Bürger schließen sich zusammen und beschwören die ökologische Katastrophe. Bauherren und Stadtplaner lässt man zur Hölle fahren. Die Grashalme werden gezählt.

Jetzt also Lichterfelde-Süd. Dort am Stadtrand an der Osdorfer Straße liegt ein 100 Hektar großes Grundstück, einst genutzt von der US-Armee. Nach 1994 verwilderte das Gelände. Die Groth-Gruppe kaufte es und plant dort den Bau von 2700 neuen Wohnungen. Die Wohnhäuser sollen nur am Rand des gewaltigen Grundstücks stehen, auf 39 von den insgesamt 100 Hektar. Die übrigen 61 Hektar werden in eine "naturnahe Parklandschaft" verwandelt. Diese 61 Hektar gibt man den künftigen Mietern und Eigentümern als schöne Aussicht dazu.

Was ist, bitte schön, dagegen zu sagen? Aus meiner Sicht ist das ein idealer Plan. Die Nachfrage nach neuen Wohnungen ist groß, Lichterfelde gilt als gute Lage. Die Bebauung wird bei dem geplanten Verhältnis von 39:61 zwischen Beton und Natur nicht sehr dicht sein. Da wird man gerne wohnen.

Die Wutbürger aber, die sich im "Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd" zusammengeschlossen haben, scheren sich um solche Argumente nicht. Sie sind gegen alles, wie aus Prinzip. Sie behaupten, nicht ausreichend informiert zu werden. Sie halten es für selbstverständlich, über ein Grundstück zu bestimmen, das ihnen gar nicht gehört. Genauso selbstverständlich misstrauen sie dem Bezirksamt.

Und wie immer in solchen Fällen werden Einzelheiten aufgebauscht, um die rechtlichen Hürden zu erhöhen, über die dann Amt und Bauherr springen müssen. In Lichterfelde-Süd ist es jetzt die Zauneidechse, die dort gesehen wurde, wo gebaut werden soll. Tiere dieser Art sollten eingefangen und nach Brandenburg gefahren werden. Das lehnen die Anwohner strikt ab. Man könne den Eidechsen einen solchen Umzug nicht zumuten.

Mit solchem Krimskrams kann die hysterische Versammlung der Anwohner das Projekt aufhalten. Denn in solchen Fällen stecken die Bezirkspolitiker den Kopf in den Sand und der Eigentümer kann sehen, wo er mit seinem Grundstück bleibt. Natürlich wird die Groth-Gruppe jetzt unendlich viele Gutachten für unendlich viel Geld über jeden Käfer und jeden Wurm verfassen lassen. Architekten wird man beauftragen, den Wutbürgern die Wünsche von den Lippen abzulesen.

Wozu das alles? Kann man in Berlin kein Haus mehr bauen? Ich verstehe diese ewige Neinsagerei nicht mehr.

Hinter dem Baugrundstück liegt die Stadtgrenze und dahinter gibt es Felder und Wälder, so weit das Auge reicht. Wer in der wilden Natur leben möchte, der kann dorthin ziehen. Aber in der Stadt, da werden Häuser gebaut. Das muss klar sein. [mehr]

Latitude: 52 deg 25 min 8 sec N — Longitude: 13 deg 18 min 51 sec.

Hat Schupelius recht?  E-Mail   (Mail an die B.Z.)       [Kommentieren]   [Reaktion des Aktionsbündnisses]

Kritik im FORUM:   [Searcher] [khd] [bingo] [Landschaftsplaner] [Glander]



Der letzte Thrill: Die Luxusversiegelung

In Dahlem und Zehlendorf Mitte entstehen im Umkreis von rund 5 Kilometern gerade bis zu 1000 neue Wohneinheiten "mit gehobener Ausstattung". Die CDU begrüßt diese Entwicklung, die SPD befürchtet soziale Ausgrenzung, und ein neues Wohnraumbündnis fordert Milieuschutz.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 26. Februar 2014, 19.12 Uhr MEZ (Zehlendorf-Blog). [Original]

STEGLITZ-ZEHLENDORF (Tsp). Die letzten Bäume werden in diesen Tagen gefällt, Sträucher und Büsche entfernt, und dann werden bald die ersten Bauarbeiter auftauchen. Bisher ist nur der Showroom des Nürnberger Immobilienunternehmens Project IC zu sehen, aber das wird sich schnell ändern. Die Sundgauer Straße/Ecke Schlettstadter Straße, wo viele Jahrzehnte Gewächshäuser für Pflanzen standen, wird zu einem neuen Wohn-Areal. Das Wohnprojekt "Alte Gärtnerei" wird auf rund 19.000 Quadratmetern 111 Eigentumswohnungen umfassen, die pro Quadratmeter zwischen 4.746 und 6.121 Euro kosten werden. "Bei gehobener Ausstattung", wie es beim Investor heißt, der hier laut Immobilienzeitung rund 43,5 Millionen Euro investiert.

Doch die "Alte Gärtnerei" ist nur ein Projekt von vielen, die gerade im Umkreis von rund 5 Kilometern in Zehlendorf – Dahlem und Zehlendorf Mitte – entstehen. Es sind alles Wohnprojekte, die eine bestimmte Zielgruppe haben: Kaufkräftiges Publikum und das möglichst mit Kindern. Knapp 1.000 Wohneinheiten werden in den nächsten Jahren entstehen, und überall gibt es vielversprechende und wohlklingende Namen für die neuen "Kieze".

Auf der Homepage des Projektentwicklers für "The Metropolitan Gardens" findet man folgende Beschreibung, der sich wohl auch alle anderen Wohnquartierbauer nicht widersetzen würden. Es heißt: "Marken sind Sirenen im Meer der Kauflust. Sie versprechen Status und Prestige, Thrill und Glamour. Sie verführen und geben uns dieses herrliche Gefühl, das Beste, Schönste und Eleganteste gewählt zu haben."

Offensichtlich werden in Zehlendorf gerade die vorhandenen Freiflächen von Luxuswohnbauten versiegelt, denn es sind noch weitere dieser Projekte in Planung. Auf jeden Fall ist der Bauboom ungewöhnlich – aber, wie Experten sagen, in der Ausrichtung auf ein gehobenes soziales Milieu "nachhaltig". Thomas Hocke von der Project Immobilien, die in Steglitz-Zehlendorf neben der "Alten Gärtnerei" mehrere andere Wohnprojekte realisiert, sagt: Steglitz-Zehlendorf habe eine "gute Infrastruktur, sehr hohe Kaufkraft, sichere, bürgerliche, gewachsene Mikro-Lagen, die Wertstabilität der gekauften Immobilien gewährleisten". Hocke glaubt, dass "viele junge Familien von den 'hippen' Berliner Innenstadtbezirken nach Zehlendorf ziehen, sobald ihre Kinder ins Kitaalter kommen beziehungsweise eingeschult werden müssen".

Auch bei der Hochtief glaubt man an eine nachhaltige Wende hin zu einem wirklichen Familienstandort. Noch ist Zehlendorf der nach Einwohnern älteste Bezirk. Gabriele Stegers, Leiterin der Unternehmenskommunikation, sagt dazu: "Unserer Ansicht nach liegt die Altersstruktur daran, dass bis 2010/2011 nur wenige größere Flächen zur Verfügung standen, die für den Wohnungsbau für Familien geeignet waren." Aus diesem Grund seien Familien in das Umland abgewandert. "Dieser Trend scheint nun aber zu wenden. Die Wohnungsnachfrage steigt. Das liegt sicherlich auch an der Attraktivität des Bezirks."

Winfried Glück wird bei dieser Vielzahl an Wohnprojekten mulmig zumute. Auch aus diesem Grund hat der Geschäftsführer des Jugendhilfevereins Zephir gemeinsam mit vielen anderen das Wohnraumbündnis Steglitz-Zehlendorf ins Leben gerufen. In der Gründungserklärung des Bündnisses steht der Satz, dass Steglitz-Zehlendorf nicht nur Heimat für Menschen sein dürfe, die wohlhabend sind, sondern für die ganze breite Gesellschaft bezahlbar bleiben müsse.

"Wir werden mit dem Stadtrat Tacheles reden"

Eben das aber ist das Problem: Werden nicht die neuen Projekte mit "gehobener Ausstattung" Folgen haben, beispielsweise die, dass immer mehr Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden? Winfried Glück sieht genau diese Gefahr, deshalb fordert er einen Milieuschutz, "wie ihn bereits andere Bezirke umgesetzt haben". Bisher gibt es das in Steglitz-Zehlendorf nicht, dabei, findet Glück, ist das "das beste Instrument, um die Verdrängung der Menschen zu verhindern". Im Bündnis sitzt auch der für Stadtentwicklung zuständige Stadtrat Norbert Schmidt (CDU). Glück sagt: "Wir werden mit ihm Tacheles reden, dann wird sich auch die CDU positionieren müssen."

Torsten Hippe hat gar kein Problem, sich zu positionieren. Der Fraktionschef der CDU in der Bezirksverordnetenversammlung und Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung sagt: "Niemand soll hier verdrängt werden, und keiner wird aus Wohnungen vertrieben." Aber es sei nun einmal so, dass der Bezirk ein bürgerliches Publikum anziehe, und das wiederum sei auch gut so, denn das entspreche ja der Struktur und der Qualität des Bezirks. Das müsse man verstetigen und nicht ändern wollen – "wie die Pseudolinken". Zehlendorf müsse für diese Klientel ein attraktives Zuhause sein und bleiben, denn um so besser Quartiere gebaut werden, umso besser werde auch ihr Umfeld. "Wir wollen hier niemanden, der auf Kosten anderer lebt. Wir wollen Familien mit Kindern, die der Gemeinde positiv gegenüberstehen, die bürgerlich, also auch gemeinwohlorientiert denken und sich einbringen in unsere Gesellschaft." Hippe will keine "gated communities, sondern die Strukturen des Bezirks erhalten", deshalb müsse man aber nicht gleich Sozialwohnungen bauen.

Norbert Buchta, Fraktionschef der SPD, traut Hippe an dieser Stelle nicht über den Weg. Buchta sagt, er erinnere sich mit Schrecken an einen Satz Hippes, der lautete, wer nach Steglitz-Zehlendorf ziehen wolle, der müsse sich das leisten können. Der Sozialdemokrat hat ebenso wie Winfried Glück die Befürchtung, dass man Teile der Gesellschaft "vor der Tür des Bezirks stehen lassen will". Buchta findet, Zehlendorf brauche die "soziale Mischung", um seine Strukturen eben nicht zu verändern. Aber dafür gebe es kaum eine Chance, "weil es kein Angebot gibt für Menschen mit geringen Einkommen oder Hartz IV". Hippe wiederum sagt, man könne es der Privatwirtschaft nicht verdenken, wenn sie keine Sozialwohnungen baut, die sie nicht finanziert bekommt.

Gleich neben den neuen schönen Eigentumswohnungen "Alte Gärtnerei" steht eine ältere Miethäuserzeile an der Schlettstadter Straße. Es gibt hier Menschen, die schon sehr lange hier wohnen, es gibt aber auch neue Mieter, die sagen, sie seien aus dem "gentrifizierten Nordneukölln" hierher gezogen, weil die Drei-Zimmer-Wohnung "noch zu bezahlen ist". Einige hier haben Angst, nicht wegen des zu erwartenden Baulärms über zwei Jahre, sondern vor "Modernisierung". Denn es könnten ja auch die Wohnungsbaugesellschaften auf die Idee kommen, ihre Wohnungen der neuen Klientel, den kommenden besser verdienenden Nachbarn anzupassen, und immer mehr Miet- in Eigentumswohnungen umzuwandeln.

Die Wohnungen in der Schlettstadter Straße gehören der GSW, die wiederum nun zur Deutschen Wohnen gehört. Das Unternehmen hat bundesweit 150.000 Wohnungen, aber allein in Steglitz-Zehlendorf sind es über 11.000. Das ist enorm viel und entspricht fast einer Monopolstellung. Winfried Glück sagt, es gebe den Trend bei den Wohnungsbaugesellschaften [Ed: hm, die seit 2004 eigennützige GSW AG ist schon längst keine „Wohnungsbaugesellschaft“ mehr, nur noch ein Immobilien-Unternehmen] immer mehr auf Eigentumswohnungen zu setzen, vor allem in Zehlendorf. Eine Sprecherin der Deutschen Wohnen dagegen sagte dem Tagesspiegel: "Unser Schwerpunkt ist Vermietung und Bestandswahrung. Wir verkaufen auch, aber das hat keine Priorität."

In den nächsten Jahren wird man sehen, was die neuen Milieus in Zehlendorf bewirkt haben werden.



K L A G E   D E S   B U N D

Baustopp für Wasserbecken auf dem Tempelhofer Feld

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland hat sich mit seiner Klage gegen das Bauvorhaben auf dem Tempelhofer Feld durchgesetzt. Das Verwaltungsgericht hält die Baugenehmigung für unzulässig. Ganz vom Tisch ist das Vorhaben jedoch noch nicht.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 28. Februar 2014, 13.33 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). Ein modifizierter Print-Artikel dazu erschien am 1.3.2014 in der Zeitung. [Original]

BERLIN (Tsp). Das geplante Wasserbecken auf dem Tempelhofer Feld darf vorerst nicht gebaut werden. Das hat das Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren entschieden. Der Beschluss hat zunächst "aufschiebende Wirkung". Geklagt hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Das rund 3 Hektar große Becken soll das Regenwasser von Dach und Vorfeld des Flughafengebäudes aufnehmen. Damit will die Tempelhof Projekt GmbH als Betreiber des Flughafengebäudes jährlich rund 300.000 Euro an Abwassergebühren sparen.

Außerdem sollen an dem Becken Kultur- und Wassersportveranstaltungen stattfinden. Es sei zwar kein Badesee mit Strandbad geplant, erklärte vor kurzem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, aber das Wasser werde Badequalität haben. Die Verdunstung über dem Becken soll sich außerdem positiv auf das Stadtklima auswirken.

Im Oktober 2013 erteilte die Senatsverwaltung eine Baugenehmigung zur Errichtung des Beckens. Der BUND erklärte daraufhin, beim Verfahren zur Baugenehmigung seien die Beteiligungsrechte der Umweltverbände übergangen worden.

Die 19. Kammer des Verwaltungsgerichts erklärte nun, es gebe erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Baugenehmigung. Es handele sich um die "Herstellung eines Gewässers" und nicht um ein "technisches Bauwerk", das vom natürlichen Wasserkreislauf abgekoppelt sei. Für die Schaffung eines Gewässers sei "eine Plangenehmigung oder ein Planfeststellungsbeschluss" erforderlich. Hierzu hätte es zunächst einer Vorprüfung bedurft, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei. Das Unterlassen dieser Vorprüfung stelle einen "beachtlichen Verfahrensmangel" dar.

Der BUND begrüßte den Gerichtsbeschluss und forderte den Senat auf, die Baugenehmigung für das Wasserbecken und den geplanten Rundweg zurückzuziehen und "ein offenes und transparentes Verfahren für die Weiterentwicklung der einzigartigen Freifläche zu starten". Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hatte bislang erklärt, er wolle den Volksentscheid über das Tempelhofer Feld am 25. Mai abwarten. Vorher würden keine Bagger rollen.



Neue Ideen für die Parks Range

Die Debatte um den ehemaligen US-Truppenübungsplatz geht in die nächste Runde.

Aus:
Berliner Abendblatt (Ausgabe Steglitz-Zehlendorf) – Nr. 09-ST/2014, 1. März 2014, Seite 3 (Aktuell). Abgedruckt ist beim Artikel auch der Masterplan des Bezirksamts, auf dessen Wiedergabe hier verzichtet wird, da dieser bereits auf diesem Portal anderenorts (zusammen mit konkreter Bürgerkritik) seit dem Sommer 2013 publiziert ist.

LICHTERFELDE (tvu). Seit Monaten streiten Politiker, Bürger und Investor Klaus Groth über die Gestaltung des 110 Hektar großen Areals Parks Range in Lichterfelde Süd. Durch die Sitzung der letzten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Steglitz-Zehlendorf am 19. Februar könnte wieder Bewegung in die verfahrene Situation um das ehemalige militärische Übungsgelände der US-Streitkräfte kommen.

"Das Projekt muss endlich auf politischer Ebene diskutiert werden, aber wir finden bei der schwarz-grünen Mehrheit kein Gehör", kritisiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Buchta die Bezirksregierung. Aus diesem Grund hat der Politiker bei der jüngsten öffentlichen BVV-Sitzung nicht weniger als 9 Anträge zum Thema Parks Range eingebracht. "Wir wollen eine Debatte in der BVV in Gang setzen. Es geht nicht, dass der Investor und das Bezirksamt hinter geschlossenen Türen das Schicksal dieses gigantischen Areals besiegeln", erklärt Buchta. [Portal-Kommentar]

Gewerbeinsel abgeschmettert

Buchtags Anträge sind tatsächlich [Ed: zusammen mit dem
Antrag der PIRATEN] geeignet, die Debatte um Parks Range auf eine neue Ebene zu stellen. Randbebauung begrenzen, die Festsetzung einer Fläche als öffentliches Erholungs- und Naturschutzgebiet, sozialer Wohnungsbau, Erhaltung der Gewerbeinsel, die Finanzierung der öffentlichen Daseinsfürsorge oder die Wertsteigerung der Grundstücksflächen.

Die Agenda Parks Range wird nun in diversen Fachausschüssen der BVV diskutiert. Lediglich die Idee einer gesonderten Gewerbeinsel wurde durch die schwarz-grüne Mehrheit abgeschmettert. Produzierendes Gewerbe neben Wohnungen und Schulen zu setzen ist in den Augen vieler Abgeordneter kein schlüssiges städtebauliches Konzept.

"Das bedeutet für viele der dort seit Jahrzehnten ansässigen Betriebe das Ende der Erwerbstätigkeit und die bewusste Produktion von zukünftigen Hartz IV-Empfängern", mahnt Gerhard Niebergall vom Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd.

Das Bündnis hatte nur einen Tag nach der BVV-Sitzung eine Bürgerversammlung in Kiez-Treff in der Celsiusstraße abgehalten: "Wir wurden total überrannt. Das zeigt das Bedürfnis der Bürger und Anwohner bei den Planungen mit einbezogen zu werden", so Niebergall.

"Mr. Groth — tear down this wall" (Herr Groth, reißen Sie diese Mauer nieder) hatte der Aktivist unlängst auf ein großes Schild gemalt und sich damit vor die verschlossenen Bauzäune des umstrittenen Geländes gestellt. "Hier darf kein privater Luxus-Park entstehen. Das Gelände muss öffentlich nutzbar sein", fordert Niebergall. Auf der Internetseite www.pruefstein-lichterfelde-sued.de stellt das Aktionsbündnis seine Befürchtungen dar.

Noch am Anfang

Dem immer wieder unterstellten Vorwurf, man wolle auf dem Areal lediglich Luxuswohnungen und einen Privatpark errichten, stellt die Groth-Gruppe sich entschieden entgegen: "Momentan gibt es doch noch nicht einmal einen Bebauungsplan" [Ed: das wäre ja auch noch schöner, angesichts der miserablen Vorplanungen: Keine soziolog. Veträglichkeitsprüfung, keine FFH-Artenschutzprüfung, keine Einleitung des LSG-Verfahrens usw. usf.].

"Wir stehen noch ganz am Anfang", betont Anette Mischler, Sprecherin des Unternehmens. Auf einer großen
Bürgerveranstaltung [Ed: im Oktober 2013] hatten das Unternehmen, das Bezirksamt sowie Anwohner gemeinsam 30 Personen bestimmt, die als Beirat in alle Planungen einbezogen werden sollen.

"Aktuell bereiten wir einen städtebaulichen Workshop vor, der im Juni stattfinden soll. Wir nehmen die Befürchtungen der Bürger ernst und wollen sie an allen Stellen der Planung mit einbeziehen", betont Mischler. Daher hat Groth seinerseits auf der Internetseite www.lichterfelde-sued-im-dialog.de alle bisherigen Entwürfe und einen Masterplan dargestellt. "In Workshops wollen wir gemeinsam Entwürfe erarbeiten, mit denen alle einverstanden sind", so die Sprecherin [Ed: die noch unlängst in Senatsdiensten stand...].



„Wir hängen in der Luft“

Gewerbetreibende kämpfen für ihre Zukunft auf Parks Range.

Aus:
Stadtrand-Nachrichten (Steglitz-Zehlendorf), 1. März 2014, xx.xx Uhr MEZ (Aktuell).

LICHTERFELDE (go). Dirk Treitzschke ist kein lauter Mann. Er schimpft nicht auf die „da oben“, auf die Politiker und den Investor. Dirk Treitzschke sagt leise, was ihn bewegt: „Wenn ich hier runter muss, dann höre ich auf“.

Der 50-Jährige betreibt einen KFZ-Service an der Reaumurstraße in Lichterfelde Süd. Er ist einer der Gewerbetreibenden, die dafür kämpfen, auch in Zukunft Teil des neuen Parks Range sein zu können. Im Sommer endet Treitzschkes Mietvertrag. Ob der verlängert wird, wenn ja, für wie lange — Treitzschke weiß es nicht. Er hängt in der Luft.

Diese Gefühl kennt auch Cornelia Meise, die in dritter Generation die Omnibusvermietung Meise führt. Seit 1981 hat das Unternehmen seinen Sitz an der Reaumurstraße. Schon damals habe es geheißen, es sei nur für den Übergang, erinnert sich Meise. Immer wieder gab es Spekulationen über Bauprojekt, die scheiterten. Dass noch einmal auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz etwas passieren würde — so recht daran geglaubt, habe keiner mehr, berichtet Meise.

Als es dann vor 2 Jahren mit dem Verkauf des Areals an die Groth-Gruppe ernst wurde, mussten sie feststellen, dass keiner der Verantwortlichen die Gewerbetreibenden auf dem Schirm hatte. Und so überlegten sie selbst, wie sie ihre Existenz am Standort erhalten könnten. Eine Idee war schnell gefunden: Eine Gewerbeinsel entlang des Landweges und einem Teil der Osdorfer Straße. Einige der Gewerbetreibenden sind dort schon seit Jahren und Jahrzehnten ansässig, die anderen würden auf die [noch] freien Flächen ziehen. Die Gewerbeinsel würde abgetrennt durch ein Waldgebiet, zudem befinden sich dort unter anderem Sportanlagen mit Flutlicht sowie eine Kita keine gute Umgebung für Wohnbebauung. Es sei also keineswegs ein „Filetstück“, wie man ihnen immer wieder vorwerfe, betont Meise.

Mit der Gewerbeinsel hätten sie eine gute Lösung gefunden, dachten die Gewerbetreibenden. Unterstützung gab es von der SPD-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung, die die Einrichtung einer Gewerbeinsel als Antrag in die BVV einbrachte, und von der Piraten-Fraktion, die den Antrag unterstützte. Doch die Mehrheit der schwarz-grünen Zählgemeinschaft lehnte dies ab. „CDU und Grüne wissen gar nicht, was eine Gewerbeinsel ist“, ärgert sich Meise. Sie verfolgte die Diskussion im Stadtplanungsausschuss und in der Bezirksverordnetenversammlung und hatte den Eindruck, dass sich die beiden Fraktion in keinster Weise mit der Idee auseinandergesetzt hätten.

Was Meise vor allem ärgerte, war das Argument, dass es sich bei ihnen allen um „störendes“ Gewerbe handeln würde. Bisher habe sich aber noch nie ein Anwohner beschwert, betont Inge Quaiser, die bei Treitzschke arbeitet. Sie ist auch Anwohnerin und weiß, wie gut es ist, beispielsweise einen KFZ-Service in der Nähe zu haben. „Vor allem im Winter, wenn das Auto nicht anspringt. Auf den ADAC muss man lange warten. Dann kann man bei Herrn Treitzschke anrufen und er kommt vorbei“. Ein Service den auch andere Nachbarn zu schätzen wissen. Klar gebe es auch zwei Schutt- und Containerdienste und eine Erdaufbereitungsfirma. Doch die seien räumlich abgegrenzt, betont Meise. Das einzige, das störend sein könnte, sei der Anblick der Gewerbebetriebe, findet Quaiser. „Kein Gewerbebetrieb buttert auch nur einen Cent hinein, wenn er nicht weiß, wie es weitergeht“, sagt sie.

Was sie ebenfalls ärgert: Der fast schon hämische Hinweis darauf, dass sich die Gewerbetreibenden die neuen Mieten dort ohnehin nicht leisten könnten. „Das ist Erpressung“, empört sich Eric Konrad, der bei Meise arbeitet. Zumal die Groth-Gruppe nur 10 Euro pro Quadratmeter für das Land gezahlt hat [Ed: es waren wohl noch viel weniger — so um die 5 Euro!]. „Dafür hätten wir das auch gekauft“, sagen die vier Lichterfelder.

Den Eindruck, den die Gewerbetreibenden haben: Sie sollen weg. Bei einigen sei das Ziel schon erreicht. Einige der Firmen sind bereits umgezogen, andere folgen. „Die Betriebe, die gehen, verlassen den Bezirk“, weiß Meise. Auch sie schaut sich nach Alternativstandorten um, orientiert sich in Richtung Heinersdorf und Mahlow. Andere können sich den Umzug nicht leisten — oder wollen es einfach nicht mehr, so wie Dirk Treitzschke. Noch einmal vor vorne anfangen, einen neuen Kundenstamm aufbauen — dazu hat er nicht mehr die Nerven, sagt er. In den vergangenen 5 Jahren sei er dreimal mit seiner Firma umgezogen. Wie es für ihn weitergehen soll, wenn er schließen muss? „Keine Ahnung.“ Auch wenn er resigniert klingt, er ist es nicht. Er hat viele Ideen für sein Unternehmen — die Zusammenarbeit mit den anderen Kfz-Firmen auf dem Gelände, eine Autovermietung, ein ADAC-Stützpunkt. Treitzschke wäre bereit, viel zu tun und zu investieren — aber nur an diesem Standort. Von ihm kam auch die Überlegung mit der Groth-Gruppe darüber zu verhandeln, ob die Unternehmen nicht während der Planungs- und Bauzeit vor Ort bleiben könnten. Treitzschke geht davon aus, das das 10 Jahre in Anspruch nehmen wird. Zehn Jahre, die den Unternehmern und ihren Angestellten, die meist zwischen 40 und 50 Jahre alt seien, viel bringen würde, betont Meise.

Auch mit einem Vorurteil wollen die Gewerbetreibenden aufräumen: „Wir haben nichts gegen eine Bebauung“, betont Meise. Das Gelände vermülle und verkomme teilweise zum Hundeauslaufgebiet. „Es muss was passieren“, finden auch die anderen drei. Doch man müsse sich vorher Gedanken machen — und das betreffe nicht nur das Gewerbe. „Die Infrastruktur gibt es nicht her“, sagt Quaiser. Konrad verweist darauf, dass teilweise dort gebaut werden soll, wo ein Gutachten schützenswerte Pflanzen und Tiere festgestellt hat. Deshalb engagieren sie sich im Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd.

Auch wenn die Gewerbeinsel anscheinend vom Tisch ist, aufgeben wollen die Gewerbetreibenden nicht. Ständig überlege man neu, entwickle Ideen. „Wir haben von Anfang an Eigeninitiative gezeigt und waren gesprächsbereit. Das ist nie angenommen worden“, sagt Meise in Richtung Investor und Bezirk. Man habe das Gefühl, es sei den Verantwortlichen egal und das sei frustrierend.

[Petition ans Abgeordnetenhaus vom 11.3.2014]



Portal-Kommentar:

Kein politischer Anstand

LICHTERFELDE-SÜD – 3. März 2014 (khd). Nach den letzten Einlassungen von Bezirkspolitikern und Investor Groth wird es Zeit, in Sachen Planung für Lichterfelde-Süd eine Zwischenbilanz zu ziehen. Denn der gegenwärtige Stand der Planung ist — soweit die Fakten bekannt — vor allem durch einen Ausfall von politischem Anstand auf Seiten der GRÜNEN, der CDU und des Bezirksamts gekenzeichnet. Das muß sich schleunigst ändern. Wir leben nicht mehr im Jahr 1914, wo Bürger absichtlich dumm gehalten wurden.

Bei einem solchen „gigantischen“ Vorhaben mit zudem vorgesehenen massiven Eingriffen in die Natur von Natura-2000-Qualität (Janotta 2013) ist es in höchstem Maße unanständig, die Öffentlichkeit — die Bürger — im unklaren zu lassen, was tatsächlich geplant wird, und was genau nicht. Denn die Hoheit für die Landschaftsplanung und Bebauungsplanung liegt noch immer (in Berlin) beim Bezirk. Der Bezirk muß also sehr genau wissen, was er im Interesse des Gemeinwohls planerisch will, und was nicht. Und das sollte er — unbeeindruckt von Vorgaben des Investors — ehrlich bekanntgeben. Das Internet macht solide Transparenz 2014 problemlos möglich.

Aber das Bezirksamt nutzt diese optimale Möglichkeit auf seinem Internet-Portal nicht. Und ganz offensichtlich haben noch nicht alle Bezirksverordneten dieses fatale Desinformationstreiben seit 2010 durschaut. Wie kann es sonst sein, daß GRÜNE und CDU diese extrem komplexe Lichterfelder Planung für ein 110 ha großes Areal auf dem Niveau eines B-Plans für ein 08/15-Eckgrundstück in der Steglitzer Schloßstraße abwickeln wollen — nach dem Motto: Der Investor werde schon wissen, was uns gut tut...



T J A ,   N E O - L I B E R A L E   M A R K T W I R T S C H A F T

Chinesen kaufen Berliner Wohnungsmarkt leer

B.Z. traf Nikolaus Ziegert, Berlins erfolgreichsten und umstrittensten Immobilien-Makler.

Aus:
B.Z., Berlin, 7. März 2014, Seite 11 (Berlin). [Original in PDF]

BERLIN (bz). Wohnungssuchenden erfüllt er Träume. Für viele Gentrifizierungs-Gegner ist er ein Albtraum: Nikolaus Ziegert (54), Berlins Immobilien-König. Seine Firma (120 Mitarbeiter) verkaufte im vergangenen Jahr 1100 Eigentumswohnungen – damit ist sie Spitzenreiter! Am Ende standen 270 Millionen Euro Umsatz. Ziegert Immobilien vermarktet zurzeit 110 Bau-Projekte gleichzeitig, auf die ganze Stadt verteilt.

Die Neubauten sind oft luxuriös, entsprechend die Preise. Im "Lux" (Dorotheenstraße, Mitte) zum Beispiel kostet eine Wohnung bis zu 3 Millionen Euro. Doch wer soll das bezahlen?

"Chinesen, US-Amerikaner und Russen investieren in Berlin am meisten", sagt Ziegert. Bei den Asiaten sieht er das größte Potenzial. "Chinesen kaufen immer häufiger bei uns, sie wollen vor allem große Wohnungen."

Doch unter den Käufern seien auch viele Einheimische. "Wir spüren: Immer mehr junge Berliner sehnen sich nach Eigentum in ihrer Stadt", so Ziegert.

Im Vergleich zum Jahr 2008 sind die Wohnungs-Preise in der Haupstadt um 35 Prozent gestiegen. Doch Makler Ziegert (seit 1985 im Geschäft) verspricht: "Berlin ist auch in 50 Jahren noch günstiger als London oder Paris."

So optimistisch sind nicht alle. Auf dem Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei in Neukölln vermarktet Ziegert 119 neue Wohnungen. Der Quadratmeter wird hier bis zu 4000 Euro kosten. Anwohner klebten Protest-Plakate, demonstrierten gegen das Immobilien-Unternehmen. Ziegert kontert: "Die Stimmung dort ist insgesamt gut. Und Berlin braucht auch dieses Luxus-Segment!"

Ziegert sieht sich nicht als Preistreiber. "Geld interessiert mich nicht. Nur Qualität", sagt er. Doch Summen sind dem Unternehmer nicht ganz egal. Welchen Umsatz er für dieses Jahr anpeilt? Direkte Antwort: "300 Millionen Euro!"

Und wie wohnt er eigentlich selbst? Ziegert: "Ganz bescheiden. In Schöneberg auf 120 Quadratmetern."

[Ed: Der Berliner "Tagesspiegel" veröffentlichte bereits am 6. Januar 2014 ein längeres Interview mit Makler Ziegert, aus dem man noch mehr über seine Einschätzungen zum Berliner Immo-Markt erfahren kann].



Baut auf diese Stadt:
Wer warten kann kommt voran

Die Bautätigkeit in Berlin steigt — doch nicht jedes Stadtplanungsamt hält Schritt.

Hinweis auf:
Der Tagesspiegel, Berlin, 8. März 2014, Seite I1 (Immobilien). [Original=Link folgt]




S T R E I T   U M   G E N T R I F I Z I E R U N G

Aktivisten bedrohen Makler

In Friedrichshain wurden Plakate mit Fotos und Handynummern der Makler verteilt. Einer hat jetzt Strafanzeige erstattet.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 9. März 2014, Seite 9 (Berlin). [Original]

BERLIN (Tsp). Der Kampf von Aktivisten aus der linken Szene gegen Bauvorhaben in der Innenstadt hat eine neue Qualität erreicht. In Friedrichshain machen Unbekannte jetzt gegen ein Projekt im Bezirk mobil. Dabei schrecken sie nicht davor zurück, Beteiligte quasi öffentlich wie auf Fahndungsaufrufen an den Pranger zu stellen. So kursieren in Friedrichshain entsprechende Flugblätter, die unter anderem an Licht- und Ampelmasten geklebt sind. Auf ihnen ist jeweils das Foto eines Maklers zu sehen, der das Projekt vermarkten soll. Sie sind mit der Überschrift „Warnung“ und dem Text „Dieser Mann will Ihren Lebensraum zerstören“ versehen. Weiter heißt es, der Makler sei mitverantwortlich „für den extremen Anstieg der Mietkosten in Friedrichshain“.

Dazu ist jeweils die Handynummer angegeben. Einer der Makler ist Klaus-Peter Hoer, der mit zwei Kollegen ein Bauprojekt vermarktet, mit dem eine Gewerbebrache an der Andreasstraße geschlossen wird. Dort entstehen 47 Eigentumswohnungen zu einem Quadratmeterpreis zwischen 3500 und 4100 Euro . Seit 15 Jahren ist Hoer auf dem Berliner Markt aktiv, vorher war er in Frankfurt/Main tätig. „So etwas ist mir in meinem Berufsleben noch nicht vorgekommen“, sagt Hoer. „Das ist bedrohlich.“ Am Freitag hat er bei der Polizei Strafanzeige erstattet.

Seit mehreren Jahren gibt es Aktionen von Initiativen, die gegen vermeintliche Luxusbauprojekte in der Innenstadt kämpfen, da durch diese die Mieten unbezahlbar würden und die bisherige Bevölkerung verdrängt werde.

Immer wieder Ziel von Angriffen ist beispielsweise das sogenannte Carloft-Gebäude in der Kreuzberger Reichenberger Straße. Zuletzt wurden vor rund drei Wochen Steine und Farbbeutel gegen das Haus geworden. Das Gebäude mit Eigentumswohnungen, bei dem die Autos mit einem Aufzug auf die Ebene der Wohnungen gehoben werden, ist seit der Fertigstellung im Jahr 2009 immer wieder Ziel von Farbbeutel- und Steinwürfen gewesen. Vor allem die linksextreme Szene hatte gegen die Immobilie in Kreuzberg mobilisisert, weil sie ein Symbol vermeintlicher Gentrifizierung — also der Aufwertung der Gegend — darstelle.

Gentrifizierungsgegner verschreckten vor zwei Jahren auch die Organisatoren des „Guggenheim Lab“, das auf einer Brache an der Cuvrystraße/Schlesische Straße errichtet werden sollte und bei dem urbane Entwicklungen im Mittelpunkt standen. Der Standort wurde aufgegeben, das Guggenheim Lab zog nach Prenzlauer Berg. Auf der „Berliner Liste“ machen Aktivisten unter dem Motto „Mieter stressen zurück“ gegen verschiedene Immobilienobjekte in der City mobil, unter anderem in Kreuzberg und am Mauerpark. Für den 22. März rufen sie zu einer Demo auf. [Ed: Es gibt bereits 34 Leser-Kommentare].



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