PLS-Logo |   Dokumentationen aus Medien — Teil 38

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    Stand:  23.12.2014   (25. Ed.)  –  File: PLS/Aus_Medien/AM_38.html



Die Presse hat noch nicht die (politische) Dimension des Gesamt-Konflikts um Lichterfelde-Süd erkannt und wohl auch deshalb bislang nur wenig berichtet — immerhin gibt’s doch schon einiges. Auf diesen Seiten werden ausgewählte Artikel und Texte zu den Planungs-Absichten bzw. -Ansinnen für Lichterfelde-Süd dokumentiert.

  Lichterfelde-Süd / Giesensdorf
Ständig benachteiligt!
Eine Abrechnung
 
Dabei gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis. Archivort ist Houston (USA), wo das „fair use“-Prinzip gilt. Hier sind dokumentiert und manches auch in [Ed:...] kommentiert:

I n h a l t :       2014       [Artikel-Übersicht 2014]
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K L I M A F O L G E N

NABU: "Kein Klimaschutz ohne stabile Ökosysteme"

Interview mit Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU).

Aus:
Deutschlandfunk (DLF, Köln), 20. Oktober 2014, xx.xx Uhr MESZ (Umwelt + Verbraucher).

Weltweit sterben täglich rund 380 Tier- und Pflanzenarten aus. NABU-Präsident Olaf Tschimpke begrüßte deshalb im DLF die auf der Weltnaturschutzkonferenz beschlossene Verdopplung der Gelder für den Artenschutz. Gleichzeitig kritisierte er aber auch, dass zwar viel über Klima-, aber immer noch zu wenig über Artenschutz debattiert werde.

Georg Ehring (DLF): Suni ist tot und damit hat sich die Hoffnung auf Erhalt des nördlichen Breitmaulnashorns weiter verringert. Der Nashornbulle war vor fünf Jahren aus einem tschechischen Tierpark nach Kenia ausgewildert worden, damit er dort für Nachkommen sorgen könnte. Doch am Wochenende wurde das Tier tot aufgefunden. Inzwischen gibt es nur noch sechs Exemplare dieser Gattung.

Das nördliche Breitmaulnashorn ist nur ein Beispiel. Täglich sterben nach Schätzung von Experten bis zu 380 Tier- und Pflanzenarten aus. In Pyeongchang in Südkorea haben in den vergangenen zwei Wochen Vertreter von fast 200 Staaten darüber beraten, wie sich das Artensterben stoppen lässt. Bei der Weltnaturschutzkonferenz dabei war auch Olaf Tschimpke vom Naturschutzbund aus Deutschland. Guten Tag, Herr Tschimpke.


Olaf Tschimpke: Guten Tag, Herr Ehring.

Ehring: Herr Tschimpke, gibt es neue Hoffnung für bedrohte Arten wie das nördliche Breitmaulnashorn?

Tschimpke: Na ja, ob es neue Hoffnung gibt, kann man so noch nicht sagen. Es gibt ja eine Beschlusslage auf UN-Ebene, dass man bis 2020 den Verlust an biologischer Vielfalt, also auch an Tier- und Pflanzenarten, halbieren will.

Dieses hat man jetzt versucht, auch zu verstärken, indem man dort ein Finanzierungsinstrument aufgebaut hat. Aber eigentlich ist das Tempo natürlich viel zu langsam.

Ehring: Das heißt, konkretes Ergebnis ist mehr Geld für die Rettung bedrohter Arten. Wie viel ist das denn?

Tschimpke: Man hat beschlossen, dass man das verdoppeln will, von 4 auf 8 Milliarden Euro jährlich, und das will man bis 2020 mindestens durchhalten. Dieser Beschluss ist erst mal positiv zu sehen. Das war die Zusage, die man schon vor 2 Jahren gegeben hat, die man jetzt bestätigt hat. Gleichzeitig will man die Entwicklungsländer darin unterstützen, dass sie erst mal auch Pläne machen können, wie das Ganze geschehen kann.

Ich will an der Stelle sagen, dass Deutschland seine Verpflichtungen in diesem Zusammenhang erfüllt hat, und die EU, weil Deutschland es erfüllt hat, auch. Von daher kann man hier eigentlich zunächst mal die Bundesregierung an dieser Stelle loben.

Ehring: Was soll denn mit dem Geld geschehen?

Tschimpke: Im Wesentlichen geht es darum, dass es einen strategischen Plan gibt, der vor 4 Jahren auf der Weltnaturschutzkonferenz in Nagoya beschlossen worden ist, mit 20 Zielen, die erfüllt werden sollen, und da geht es darum, große Schutzgebiete einzurichten.

17 Prozent der Landfläche sollen weltweit unter Schutz gestellt werden, 10 Prozent der Meeresfläche. Dann soll natürlich die Wilderei bekämpft werden. Es soll die Armut bekämpft werden, damit auch das Abholzen der Wälder gestoppt werden kann.

All dieses sind fest vereinbarte Ziele. Allerdings kommt es wirklich auch auf den Willen an, dass die Länder das auch umsetzen und tatsächlich dann geeignete Maßnahmen national ergreifen.


Klimaschutz und Schutz der Ökosystems gleichwertig behandeln

Ehring: Der Artenschutz gilt als Stiefkind des Umweltschutzes. Die ganze Aufmerksamkeit gilt dem Klima. Das sagte ausgerechnet Yvo de Boer, der frühere Chef des UN-Klimasekretariats. Würden Sie dem zustimmen?

Tschimpke: Dem stimme ich voll zu. Und was vergessen wird: Ohne funktionierende Ökosysteme, ohne funktionierende Moore, die CO2 speichern, ohne funktionierende Wälder – und da spielen natürlich die Arten eine Rolle, weil sie dazu beitragen, dass diese Ökosysteme stabil sind – wird es auch keinen Klimaschutz geben.

Deswegen sind das zwei gleichwertige Ziele.

Tatsächlich wird aber immer nur über Klimaschutz debattiert und wenig, wie es eigentlich unseren Ökosystemen geht.


Europa ist nicht immer die Speerspitze des Umweltschutzes

Ehring: Was erwarten Sie denn jetzt als praktische Folgen dieser Konferenz in Südkorea?

Tschimpke: Ich glaube, in Südkorea hat es Fortschritte gegeben besonders im Bereich des Meeresschutzes. Dort hat man jetzt einmal eine Liste von 150 besonders wichtigen Meeresgebieten, die unter Schutz gestellt werden sollen, aufgestellt. Das ist ein ganz konkreter Schritt nach vorne, denn die Meere waren bisher immer aus dem Fokus genommen. Problematisch ist, dass wieder Europa hier nicht seine Hausaufgaben erfüllt hat. Im Nordostatlantik sind die potenziellen Meeresschutzgebiete tatsächlich nicht gemeldet worden, weil Skandinavien und einige andere sich bedroht sehen in ihren Fischereirechten. Auch dort sehen Sie, dass Europa nicht immer die Speerspitze des Umweltschutzes ist auf dem Globus.

Ehring: Herzlichen Dank! - Wir sprachen mit Olaf Tschimpke, dem Präsidenten des Naturschutzbundes Deutschland, über die Weltnaturschutzkonferenz in Südkorea.



Fast 650 neue Flüchtlinge

Der Senat baut Anfang 2015 zwei Containerdörfer in Lichterfelde-Süd auf [Ed: womit der Schulstandort Ostpreußendamm für die neue (im Zusammenhang mit dem Groß-Bauprojekt der Groth-Gruppe vorgesehene) Oberschule auf 10 Jahre blockiert sein dürfte].

Aus:
Berliner Woche (Ausgabe Steglitz-Süd) – Nr. 44/2014, 29. Oktober 2014, Seite 1 (Aufmacher). [Original]

LICHTERFELDE (KM). Der Senat will in Berlin sechs Containerdörfer für Flüchtlinge errichten. Zwei davon sollen auf Grundstücken in Lichterfelde entstehen.

Ab dem ersten Quartal 2015 werden Unterkünfte am Ostpreußendamm mit 300 Plätzen und am Osteweg mit 340 Plätzen bezogen. Während der Bezirk den Standort am Ostpreußendamm 108 selbst vorgeschlagen hatte, zeigt er sich vom Vorhaben, am Osteweg 53 überrascht. "Für das Areal zwischen Billy-Wilder- und Harry-S.-Truman-Allee hat der Bezirk gerade einen positiven Bauvorbescheid für Wohnungen und eine Kita an den Liegenschaftsfonds erteilt", sagt Bürgermeister Norbert Kopp (CDU).

Die Unterkunft Ostpreußendamm, Ecke Lippstädter Straße entsteht am ehemaligen Standort der Kopernikusschule. Kranke und traumatisierte Flüchtlinge sollen hier untergebracht werden. Betreiber ist die Diakonie. Steglitz-Zehlendorf hat das Grundstück für die Dauer von maximal zehn Jahren zur Verfügung gestellt. Betreiber für den Osteweg werden die Malteser sein.

Dass sich die Unterkünfte für Asylbewerber in Lichterfelde-Süd konzentrieren, sieht Kopp kritisch. Doch der Bezirk hatte keinen Einfluss auf die Entscheidung. "Aber wir werden das Beste daraus machen", erklärt Kopp. Wenig angetan ist er auch über das Vorhaben des Senats, die Stadtteilzentren in der Nähe der Unterkünfte mit 30.000 Euro pro Quartal auszustatten. Mit dem Geld sollen die Flüchtlinge unterstützt und mit den Anwohnern eine Willkommenskultur aufgebaut werden. In Lichterfelde wären das der Mittelhof e.V. und das Stadtteilzentrum Steglitz. Während der Mittelhof e.V. sich schon jetzt für die Willkommenskultur engagiert, sei bislang keine Unterstützung der Flüchtlinge seitens des Stadtteilzentrums Steglitz zu bemerken. "Das Geld wäre besser beim Willkommensbündnis und beim Verein Bus-Stop angelegt", sagt Kopp.

Diese und andere Fragen werden sicher beim diesjährigen Interkulturellen Dialog am Freitag, 7. November, ab 18 Uhr, diskutiert. Auf dem Podium im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf, Kirchstraße 1-3, nehmen neben Kopp, Claudia Schütz vom Lageso und Vertreter des Flüchtlingsrates Berlin und des Willkommensbündnisses Steglitz-Zehlendorf Platz.

Mehr zu diesem Thema:
[08.12.2014: Ein Heim speziell für Traumatisierte und Kranke]  (DER TAGESSPIEGEL)



B U N D   K A N N   A U C H   D R U C K   M A C H E N

BUND fordert mehr Naturschutz

Ehemaliges Kasernengelände Montabaur soll neuer Stadtteil werden.

Aus:
Rhein-Zeitung, 3. November 2014, 18.00 Uhr MEZ (Westerwälder Zeitung). [Original]

MONTABAUR (RZ). Während die Umwandlung des ehemaligen Kasernengeländes in Montabaur zu einem neuen Stadtteil schon begonnen hat, fordern Umweltschützer einen noch sparsameren Flächenverbrauch und einen sorgsamen Umgang mit heimischen Tier- und Pflanzenarten.

Harry Neumann und Konstantin Müller, Vorsitzende des BUND auf Kreisebene, haben dazu eine 15-seitige Stellungnahme gefertigt und an die zuständigen Behörden verschickt. Ihrer Auffassung nach könnte das neue Quartier Süd zu einem ökologischen Vorzeigeprojekt für ganz Rheinland-Pfalz werden, wenn einige Vorschläge der Umwelt- und Naturschützer berücksichtigt werden. Kritisch sieht der BUND vor allem die geplante Umwandlung von Waldflächen im südlichen Teil des Kasernengeländes zu Wohnflächen und den Bau eines neuen Supermarkts im Eingangsbereich.

Der sogenannte Vollsortimenter werde nicht benötigt, weil es in Montabaur und Heiligenroth bereits genügend große Lebensmittelmärkte gebe, meinen Neumann und Müller. Sie empfehlen, stattdessen kleine Geschäfte für die Nahversorgung anzusiedeln (zum Beispiel Bäcker oder Gemüsehändler), die von den künftigen Bewohnern des Quartiers Süd zu Fuß aufgesucht werden könnten. Ein großer Supermarkt hingegen bedeute mehr Autoverkehr und zusätzliche Flächenversiegelung für einen Parkplatz. Beides lehnt der BUND ebenso ab wie die Schaffung von Baugrundstücken in derzeit bewaldetem Gebiet.

Eine zurückhaltende Ausweisung von Bauplätzen sei angesichts des demografischen Wandels vernünftig, so die Umweltschützer. Vor allem die heimischen Laubbäume seien erhaltenswert und dienten auch der Naherholung künftiger Bewohner. Der BUND weist in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, dass das Kasernengelände einige Jahre für die Öffentlichkeit gesperrt war und sich die Natur ungehindert ausbreiten konnte.

Um das ökologische Gleichgewicht nicht zu zerstören, empfehlen die Naturschützer nun, die Verwendung einheimischer Baum- und Pflanzenarten auch auf privaten Baugrundstücken vorzuschreiben. Eine Thuja-Hecke oder ein japanischer Ziergarten sei für die heimische Flora und Fauna wertlos, erklären Neumann und Müller in ihrer Stellungnahme. Eine Begrünung mit zum Beispiel einheimischen Kletterpflanzen wie Efeu sei hingegen sehr zu empfehlen. Nicht zuletzt weisen Neumann und Müller darauf hin, dass Nistmöglichkeiten für Vögel und Fledermausquartiere benötigt werden. Straßenlampen sollten demnach sparsam eingesetzt werden, um nachtaktive Tiere nicht zu stören.

Als Positivbeispiel für ein gelungenes Konversionsprojekt nennt der BUND das ehemalige Kasernengelände Quartier Vauban in Freiburg. Dort gibt es unter anderem ein zentrales Blockheizkraftwerk für die Energieversorgung und einen autoreduzierten Bezirk mit vielen Rad- und Fußwegen. Auch in Montabaur könne ein solches Vorzeigeprojekt entstehen, hoffen die Naturschützer.



Finger weg von den grünen Wiesen!
Schließt zuerst Berlins Baulücken

Gunnar Schupelius ist [nun] der Meinung, dass es möglich wäre, noch sehr viele Wohnungen in Berlin zu bauen, ohne Grünflächen zu betonieren.

Aus:
B.Z., Berlin, 4. November 2014, Seite 8 (Schupelius-Kolumne) von GUNNAR SCHUPELIUS. Die B.Z. ist Berlins größte Zeitung. [Original] [Original in PDF]

In Schmargendorf soll die Cornelsenweg-Wiese zwischen Wiesbadener und Dillenburger Straße bebaut werden. Die Nachbarn wehren sich.

Ich behauptete, dass solche Wiesen eben dran glauben müssen, wenn wir alle zentral wohnen wollen.

Das wollte B.Z.-Leser Werner Amos aus der Nachbarschaft nicht gelten lassen: „Ich kann Ihnen dieses Mal nicht recht folgen! Es gibt wahrlich genug Freiflächen für Wohnungsbauten.“

Stimmt es, was Herr Amos schreibt? Immer wieder machen mich Leser auf Baulücken aufmerksam, in allen Bezirken. Seitdem ich darauf achte, sehe ich diese Baulücken selbst.

Und dann zählte ich sie ab, am Montag, als Beispiel, nur auf einer Straße: Ich fuhr die Potsdamer Straße (Schöneberg) nach Süden. Sie wechselt den Namen in Haupt- und Rheinstraße. Von Kurfürstenstraße bis Kaisereiche sind es 4 Kilometer. Auf diesen 4 Kilometern zählte ich 13 Baulücken, in denen man etwa 265 Wohnungen bauen könnte.

Wie kam ich zu dieser Zahl?

Ich berechnete, wie viele Wohnhäuser in die Baulücken, die ich vorfand, passen würden. Ein Berliner Wohnhaus hat im Schnitt zehn Wohneinheiten. Dort, wo in den Baulücken provisorische Flachbauten stehen, zog ich das Untergeschoss ab.

Diese Baulücken entdeckte ich:


Auf 4 Kilometern könnten 265 Wohnungen entstehen, ohne dass auch nur ein Grashalm geknickt werden müsste, ohne dass sich auch nur ein Anwohner daran stören würde. Zwei Tankstellen müssten schließen.

An vielen anderen Straßen Berlins sieht es ganz ähnlich aus: Kleine Brachflächen und Baulücken, wohin das Auge reicht, die alle noch erschlossen werden könnten. Was fehlt sind Energie und Fantasie der Eigentümer und der Bezirksämter.

comment! Es wäre möglich, noch sehr viele Wohnungen in Berlin zu bauen, ohne Grünflächen zu betonieren. Das zeigte mir mein „Feldversuch“ zwischen Kurfürstenkiez und Kaisereiche. Um das zu erkennen, muss man kein Fachmann sein.



B U N D - U M W E L T P R E I S  2 0 1 4

Der Preis war ihnen zu heiß

Der BUND feiert ohne Wowereit und Müller [Ed: denn der Umweltpreis ging an „100% Tempelhofer Feld“].

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 6. November 2014, Seite 9 (Berlin). [Original]

BERLIN (Tsp). Am Mittwochabend [5.11.2014] wurde im Roten Rathaus der diesjährige Umweltpreis des BUND verliehen – unter anderem an die Initiative „100% Tempelhofer Feld“. Eine Laudatio des Regierenden war geplant – und fiel aus.

Es wäre bestimmt eine launige Rede geworden, die Klaus Wowereit am Mittwochabend beinahe gehalten hätte. So wie seine 2009 gehaltene Laudatio auf die Initiative gegen ein neues Kohlekraftwerk an der Rummelsburger Bucht. Die Initiative hatte damals den Umweltpreis des Verbandes BUND für ihr Engagement erhalten. Am Mittwochabend stand die diesjährige Preisverleihung an, wobei die Auszeichnung an die Initiative „100% Tempelhofer Feld“ ging. Deren Erfolg beim Volksentscheid im Mai dürfte Wowereits Weg in den Vorruhestand beschleunigt haben, was die Preisverleihung zu würzen versprach.

Doch die Senatskanzlei hat zwischenzeitlich abgesagt, offiziell wegen Terminkollisionen: Um 17 Uhr stand nun Udo Lindenberg in Wowereits Kalender, der den Verdienstorden des Landes erhalten sollte.

Und um 19 Uhr war Wowereit zum Jahresempfang der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) im Kadewe avisiert. Da lag es nahe, für die Preisverleihung den Umweltsenator Michael Müller (SPD) zu gewinnen. Der hätte bei dieser Gelegenheit im besten Fall über sich hinaus- und in sein neues Amt als Regierungschef hineinwachsen können – zumal es ihm nach der Blamage beim Volksentscheid gelungen ist, mit BUND-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser einen prominenten Kritiker als Koordinator für die Entwicklung des Feldes in seine Dienste zu stellen. Doch auch Müller ging lieber zu den Unternehmern. Und seine Staatssekretäre? Der eine konnte nicht, der andere wollte nicht, erfuhr der Tagesspiegel. Also musste Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek ran. Plan E.

Der BUND-Umweltpreis ist die renommierteste Auszeichnung ihrer Art in Berlin. In der Jugend-Kategorie ging er an die Fahrradwerkstatt der Rudolf-Steiner-Schule in Dahlem. Den Preis für Wirtschaft und Innovation erhielt die Wohnungsbaugenossenschaft Märkische Scholle, die die Gartenstadt Lichterfelde so saniert, dass die Vorkriegshäuser die Energie für Heizung und Warmwasser autark gewinnen – bei unterm Strich etwa konstanten Mieten.



A N K Ü N D I G U N G

Bezahlbare Mieten, Bürgerbeteiligung, soziale Durchmischung
... Ziele für das Wohnen in Berlin-Brandenburg?

Podiumsdiskussion der "Allianz für das Wohnen" in der Urania.

Von:
Stiftung Zukunft Berlin, 6. November 2014, 12.20 Uhr MEZ (per E-Mail). Dokumentiert wg. des Bezugs zu Lichterfelde-Süd, zumal hier Thomas Groth von der Groth-Gruppe als Experte für Bürgerbeteiligung auftaucht. Man hätte wohl besser Charles Landry einladen sollen, denn der versteht davon wirklich mehr. Außerdem soll Klaus Groth im Beirat dieser "Stiftung Zukunft Berlin" sitzen.

Mo, 24.11.2014, 19.30 Uhr
Urania Berlin, An der Urania 17, 10787 Berlin

Das Thema Wohnen berührt wichtige soziale Zusammenhänge und Fragen: Wie kann erreicht werden, dass bei steigender Nachfrage die Mieten bezahlbar bleiben? Wie kann verhindert werden, dass die alteingesessenen Bewohner verdrängt werden? Wie kann die Berliner Mischung in den Stadtquartieren erhalten werden? Und wie können Bürger besser bei Neubau und Sanierung von Wohnungen beteiligt werden?

Die "Allianz für das Wohnen" möchte alle Beteiligten gewinnen, allgemeine Grundsätze für eine konstruktive und zukunftsweisende Ausgestaltung des Themas Wohnen zu erarbeiten. Diskutieren Sie mit, welche Ziele für das Wohnen in Berlin-Brandenburg gelten sollen! In der Veranstaltungsreihe soll eine Diskussionsbasis entstehen, auf der Vertreter unterschiedlicher Positionen fairer und sachlicher zu gemeinsamen Lösungen kommen können.

PROGRAMM

Grundsätze von Dialogverfahren
Henning Banthien, Geschäftsführer der IFOK GmbH

Fallbeispiel: Bürgerbeteiligung in Lichterfelde Süd
Thomas Groth, Geschäftsführer der Groth Gruppe, Berlin

Diskussion mit

Dr. Michael LaFond, Direktor von id22: Institut für kreative Nachhaltigkeit, Berlin.
Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins e.V.
Moderation: Dr. Volker Hassemer, Vorstandsvorsitzender Stiftung Zukunft Berlin.

Um Anmeldung bei der PSD-Bank wird gebeten (Ansprechpartner: Herr Thomas Biersack, E-Mail: redaktion@psd-berlin-brandenburg.de, Tel.: +49 (0)30 85082237).



B E R I C H T   V O M   3 .   B Ü R G E R - D I A L O G

Streit um neues Stadtviertel in Lichterfelde

In Lichterfelde soll ein neues Stadtviertel für 10.000 Menschen entstehen. Anwohner protestieren gegen die Pläne des Inverstors. Der beteuert, die Bürger anzuhören.

Aus:
Berliner Morgenpost, 8. November 2014, Seite xx (Bezirke). [Original]

LICHTERFELDE (BM). Eine halbe Stunde bleibt es ganz ruhig im Saal. Bis ein Stadtplaner von einem "autoarmen ökologischen Stadtteil" spricht, der in Lichterfelde-Süd auf dem Gelände von Parks Range entstehen soll. Da bricht es aus den fast 300 Zuhörern, die am Donnerstagabend [6.11.2014] zum 3. Bürgerdialog in die Sporthalle an der Osdorfer Straße gekommen sind, heraus. Hysterisches Lachen und laute Zwischenrufe vereinen sich zu einer Lärmlawine, die das Podium überrollt. "Wollen Sie uns für dumm verkaufen?", ruft ein Anwohner in Richtung der Bezirkspolitiker, Architekten und Investoren. Andere drücken sich nicht so gewählt aus [Ed: denn im erst im September ausgewählten städtebaulichen Konzept sind reichlich Tiefgaragen, Parkplätze und Carports vorgesehen...].

Die Stimmung in der Thermometersiedlung zwischen Celsius- und Fahrenheitstraße ist aufgeheizt. In direkter Nachbarschaft – auf einem ehemals von US-Truppen militärisch genutzten Gelände, das in den vergangenen 20 Jahren brach lag – will die Groth-Gruppe für 800 Millionen Euro ein neues Stadtviertel bauen: 2.500 Wohnungen, Kitas, Schulen, Sportplätze. 10.000 Neu-Lichterfelder könnten in die geplanten 6 Zwölfgeschosser und die langen sechsgeschossigen Riegel einziehen. Die Bewohner der Thermometersiedlung befürchten Probleme mit dem Verkehr, dem Lärmschutz sowie den Naturflächen am Standort. Das Gesamtgrundstück umfasst 96 Hektar. Von dieser Fläche sollen etwa 39 Hektar [Ed: diese ursprüngliche Zahl ist durch die aktuelle Planung überholt, derzeit sind es rund 46 Hektar], also knapp 40 Prozent [Ed: nunmehr also 48 %], bebaut werden. 57 Hektar [Ed: nunmehr nur noch rund 50 Hektar] bleiben der Natur erhalten.

Anwohner für weniger Wohnungen

Der Anwohnerprotest in Lichterfelde ist kein Einzelfall. Immer öfter begehren Berliner gegen Bauprojekte auf. Am 14. November ruft das
Netzwerk für eine soziale Stadtentwicklung zu einer Demonstration "gegen eine von Baulöwen bestimmte Stadtzerstörung" auf. Zu dem Netzwerk gehören verschiedene Initiativen, wie die Mauerpark-Allianz, Schmargendorf braucht Oyenhausen, der Betroffenenrat Lehrter Straße und die Anwohnerinitiative Ernst-Thälmann-Park. Fast allen geht es darum, eine Bebauung in dem geplanten Umfang oder komplett zu verhindern. Sie wollen ab 14 Uhr vom Fehrbelliner Platz bis zum Kurfürstendamm ziehen. Ihre Losung: Bäume oder Beton!

Auch das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd ist dabei. Es wurde vor mehr als 3 Jahren von einigen Bewohnern der Thermometersiedlung gegründet. "Wir sind nie gegen die Bebauung gewesen", betont Mitbegründer Helmut Schmidt, der am Donnerstagabend in der ersten Reihe sitzt. Auch finde er, dass die Architekten "keinen schlechten Entwurf" gemacht hätten. "Er ist nur zu massiv", sagt Schmidt. 1.500 Wohnungen – das sei ein Maß, das man akzeptieren könne. Von dieser Zahl sei auch anfangs die Rede gewesen.

Entwürfe werden überarbeitet

Tatsächlich hatte der Bezirk ein Gutachten zu Fragen des Naturschutzes in Auftrag gegeben. Das kam zu dem Ergebnis, dass 27 Hektar bebaut werden könnten. "Der Bezirk soll Dinge einhalten, für die er extra ein Gutachten in Auftrag gegeben hat", fordert Anwohner Helmut Schmidt. Das Gutachten habe sich aber nur auf den naturschutzrechtlichen Aspekt bezogen, hält Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) entgegen. In einem städtebaulichen Gutachten wäre man auf ganz andere, viel höhere Zahlen für eine mögliche Bebauung gekommen. Unter Beachtung beider Aspekte – Naturschutz und Städtebau – sei der Kompromiss für 2.500 Wohnungen entstanden. Dennoch zieht der Baustadtrat Konsequenzen aus der Veranstaltung mit den Anwohnern. "Am Thema Verkehr müssen wir noch intensiv arbeiten", sagt Schmidt.

Zunächst wird der Siegerentwurf des niederländischen Architekturbüros Casanova + Hernandez überarbeitet. Dabei geht es um die Höhe der Häuser und die Länge der geschlossenen Bauriegel. Anwohner befürchten eine Veränderung des Klimas. Schon heute neige die Thermometersiedlung aufgrund der hohen Randbebauung im Inneren zur Schwüle, sagt Helmut Schmidt. Probleme mit dem Luftaustausch drohten auch in der neuen Siedlung. [
Zum Klima-Gutachten]

Baubeginn 2016

Die Groth-Gruppe plant, im 2. Quartal 2016 mit dem Bau der neuen Siedlung zu beginnen. Bis dahin werden die Anwohner noch zweimal gefragt: Bei der vorgezogenen öffentlichen Bürgerbeteiligung und bei der Auslegung der Bebauungspläne. "Uns ist es ein Anliegen, die Fragen und Bedenken der Anwohner frühzeitig in die Planungen einfließen zu lassen, ernst zu nehmen und sie im weiterführenden Prozess kontinuierlich zu informieren", sagt Thomas Groth, Geschäftsführer der Groth-Gruppe. Dies habe er auch im Bürgerdialog zum Ausdruck gebracht.

Thomas Groth kennt die Pläne des Aktionsbündnisses, ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. Nach der Veranstaltung am Donnerstagabend [6.11.2014] habe er aber nicht den Eindruck, dass es dazu kommen werde, so der Geschäftsführer [Ed-10.12.2014: und er
irrte damit gewaltig]. Abgesagt ist es aber nicht. Am 20. November will sich das Aktionsbündnis treffen, um über Details zum Bürgerbegehren zu diskutieren. "Themen werden Naturschutz und Verkehrsentwicklung sein", sagt Helmut Schmidt.



D E M O   G E G E N   G R O T H   &   C O

Bürger machen mobil gegen Baufilz

Initiativen protestieren berlinweit gegen das Zubetonieren von Grünflächen und denken über weitere Bürgerbegehren nach.

Hinweis auf:
Neues Deutschland, Berlin, 12. November 2014, Seite xx (Berlin). [Zum Artikel]


[Ed: Die Dokumentation von Demo-Berichten erfolgte auf der NETS-Seite].




V O R B I L D L I C H !

Preis für Märkische Scholle

Der BUND zeichnet das Sanierungsprojekt in Lichterfelde-Süd aus / [Ed: Ob wohl die Groth-Gruppe eine derartig wegweisende Energieversorgung ihrer neuen Siedlung in Lichterfelde-Süd von vornherein auf die Reihe kriegt?]

Aus:
Berliner Woche (Ausgabe Steglitz-Süd) – Nr. 46/2014, 12. November 2014, Seite 21 (Wochenmarkt). [Original]

LICHTERFELDE (KM). "Ohne erheblich steigende Mieten wohnen die Mitglieder der Genossenschaft künftig CO-2 neutral bei höherem Wohnkomfort", lobt die Jury des BUND das Sanierungsprojekt Gartenstadt Lichterfelde-Süd der Märkischen Scholle.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Berlin) hat den Berliner Umweltpreis bereits zum 10. Mal vergeben. In 3 Kategorien wurden hervorragende, beispielgebende und bisher einmalige Leistungen im Roten Rathaus geehrt, dieses Jahr unter dem Wettbewerbsmotto "Stadt der Zukunft".

Das Vorhaben steht "in herausragender Weise für das Wettbewerbsmotto", heißt es in der Begründung der Jury. Sie wählte unter über 30 qualifizierten Bewerbungen die Preisträger aus. Bewertungskriterien waren neben positiven Effekten für die Umwelt die Vorbildfunktion und der Berlin-Bezug. In der Kategorie "Wirtschaft und Innovation" überzeugte die Märkische Scholle Wohnungsunternehmen eG mit dem Sanierungsprojekt Gartenstadt Lichterfelde- Süd.

Die Jury würdigt damit die sozialverträgliche energetische Sanierung in der Wohnanlage am Ostpreußendamm nahe der Stadtgrenze zu Teltow. Seit dem Frühjahr saniert die Genossenschaft 841 Wohnungen aus den 30er- und 60er-Jahren. Nach dem Gesamtkonzept des Berliner Ingenieurbüros eZeit Ingenieure GmbH werden die Gebäude modernisiert und versorgen sich zukünftig mit selbsterzeugter erneuerbarer Energie. Für die Mieter entfällt dadurch ein Großteil der Energiekosten. Die Energie wird in Zukunft aus Solaranlagen, Erdwärme sowie Wärmerückgewinnung aus der Abluft stammen. Nicht benötigte Energie wird in einem Erdwärmespeicher neben dem Haus gespeichert und von dort bei Bedarf wieder als Wärme zurück geleitet. So kann die gesamte selbstproduzierte Energie genutzt werden.

Die Investitionskosten betragen 74 Millionen Euro, wobei die Genossenschaft nur einen Bruchteil der gesetzlich möglichen Modernisierungsumlage an die Mieter weiter gibt [Ed: es geht also auch ohne große Mieter-Abzocke!].



S T A D T E N T W I C K L U N G

„Groth hat ’nen Schatten!“

Das sagte ein Anwohner zur von der Groth-Gruppe geplanten Mauerpark-Nordbebauung. Aber dahinter verbirgt sich wesentlich mehr, wie PAZ-Autor "m/s" herausgefunden hat.

Aus:
Pankower Allgemeine Zeitung (PAZ), 14. November 2014, 11.05 Uhr MEZ (Komentar) von MICHAEL SPRINGER (m/s). [Zum Artikel]




B Ü R G E R B E T E I L I G U N G

„Investoren haben auch Lust, stolz zu sein“

Ex-Stadtentwicklungssenator Dr. Volker Hassemer zu Protesten gegen Bauprojekte.

Aus:
RBB, Berlin, 14. November 2014, xx.xx Uhr MEZ (Politik). [Original]

BERLIN (rbb). Protest gegen einen Investor und seine Neubauprojekte: Ein Netzwerk aus Berliner Bürgerinitiativen zieht durch Charlottenburg, gegen das nahe Verhältnis zwischen Politik und Bauherren, gegen die gesamte Stadtentwicklungspolitik. Ex-Senator Volker Hassemer sieht im rbb-Interview nur eine Lösung für die Konflikte zwischen Berlinern, Politik und Investoren: Mehr Mitbestimmung.

"Bäume oder Beton?" fragen wieder einmal die Plakate gegen die Bautätigkeiten von Klaus und Thomas Groth. Der Slogan entstand, als eine Bürgerinitiative gegen die Bebauung der Kleingartenkolonie Oeynhausen im Frühjahr mobil machte.

    Bauprojekt
Proteste gegen geplanten Wohnungsbau in Lichterfelde-Süd.
„Hier muss voll protestiert werden!“

Mit 2.500 neuen Wohnungen soll in Lichterfelde-Süd das größte Neubauprojekt Berlins umgesetzt werden. Gegen diese Pläne protestieren nun viele Anwohner und wollen einen Bürgerentscheid. Sie befürchten unter anderem einen Verkehrskollaps und werfen dem Bezirk vor, sich über Gutachten hinwegzusetzen.
Diesmal geht es nicht nur um Oeynhausen, sondern auch um den nördlichen Mauerpark und den Landschaftspark Lichterfelde-Süd. Auf allen drei Grünflächen plant Groth Neubauten. Alle drei Grünflächen sollen erhalten bleiben, so will es das "
Netzwerk für eine soziale Stadtentwicklung", das am Freitagnachmittag [14.11.2014] unter dem Motto "Berlin trägt wieder Filz" demonstrierend durch Charlottenburg zieht.

Wohnungen, aber nicht in meinem Garten

Die Kritik richtet sich dabei nicht nur gegen die Baupläne, sondern ganz grundsätzlich gegen die Bautätigkeit der Groth-Gruppe und ihre kolportierten Verbindungen in die Politik, sowie gegen die Bezirks- und Stadtentwicklungspolitik. Bezahlbare Wohnungen wollen alle, aber nicht dort, wo heute noch Grünflächen sind. Dabei verändert sich die Stadt ohne Rücksicht auf ihre Bewohner.

Volker Hassemer hat viele dieser Veränderungen als Stadtentwicklungssenator vor und nach der Wende selbst mitgestaltet und kann die Bedenken der Berliner nachvollziehen. Er hat zwischen 1991 und 1996 Einrichtungen wie das Stadtforum und die Schaustelle ins Leben gerufen, um die Menschen an den rasanten baulichen Veränderungen der Stadt teilhaben zu lassen. Nur ein neuer Dialog könte die Situation beruhigen, sagt er im Gespräch mit rbb online.

Volker Hassemer war Stadtentwicklungssenator, Kultursenator und Gründungsmitglied von Berlin Partner. Heute leitet er die "Stiftung Zukunft Berlin".

RBB: Herr Hassemer, das Stadtforum gibt es immer noch, die Schaustelle aber ist in ihrer ursprünglichen Form – als Infobox für begonnene Bauprojekte – selten geworden. Wäre es sinnvoll, das wieder aufleben zu lassen, um Proteste gegen Neubauprojekte zu verringern?

Hassemer: Wir haben im Stadtforum damals alle Projekte im Vorhinein in einer Runde öffentlich erörtert. Die unterschiedlichen Positionen sollten zu Wort kommen. Das ist bis heute der wichtigste Ratschlag auch aus der Erfahrung der damaligen Zeit: Die Argumente müssen vor den Entscheidungen auf dem Tisch liegen und nicht erst nachher.

Natürlich entscheiden am Ende die, die zu entscheiden haben, aber darüber muss man vorher sprechen. Das ist in Berlin noch keine alltägliche Realität. Dabei will keiner der Beteiligten etwas Verbrecherisches, jeder hat gute Argumente. Danach kann man ein gemeinsames Ergebnis präsentieren, da hat sich die Situation dann schon beruhigt. Dann kann man auch über eine Schaustelle sprechen.

RBB: Das letzte Stadtforum gab es zur Stadtentwicklung bis 2030. Dabei geht es ja in erster Linie um Landesprojekte und nicht so sehr um private Investoren.

Hassemer: Der Grundgedanke, dass beide Seiten die Gegenargumente gelten lassen sollen, gilt auch bei privaten Investoren. Die können ohnehin nur in dem Rahmen handeln, den Senat und Bezirk ihnen lassen. Ich würde aber den Investoren raten, sehr früh offen zu legen, was sie wollen: Die positiven Ziele genauso wie die Probleme, die es vielleicht gibt.

Das Stadtforum 2030 war wunderbar, aber es war auch ein gigantischer offener Briefkasten. Da hatte jeder die Chance, seine Position zu bestimmten Entwicklungen in Berlin hineinzuwerfen – und viele haben das getan. Interessant wird es aber erst, wenn der Briefkasten geöffnet wird und man die Aspekte abwägt. Darüber muss es auf Augenhöhe zwischen den Entscheidern und den Bürgern Gespräche geben.

Die Berliner müssen den Eindruck bekommen, dass ihre Argumente nicht weniger wert sind als die der Politiker, denn sie sind ja nicht blöder als die Politiker. Das erst im Nachhinein in einer fast kriegerischen Auseinandersetzung auszutragen, ist nun wirklich nicht der vernünftige Weg.

RBB: Dann müsste aber wirklich einmal ein Projekt aufgrund von solchen Überlegungen verworfen werden, damit das glaubwürdig ist.

Hassemer: Wenn so viele Argumente auftauchen, die das ganze Projekt unvernünftig erscheinen lassen, und die der Investor oder die Planungsbehörde noch nicht gehört haben, dann ist es auch nicht nachvollziehbar, dass man trotzdem baut. Worüber wir hier sprechen sind Grundregeln des menschlichen Austauschs. So verhält man sich ja auch in der Familie und mit Freunden.

RBB: Aber genau das ist ja das Argument der Kritiker: Dass der gesunde Menschenverstand vor dem finanziellen Reiz in den Hintergrund tritt.

Hassemer: Wir sind wieder in einem Wachstumsprozess der Stadt, in dem immer auch die Konflikte größer werden. Die Grundsätze, von denen ich sprach, sollten in einer solchen Phase umso stärker gelten. Allen, die da streiten, geht es um ein ganz hohes Gut: Das Wohnen. Platz haben zum Wohnen ist ein ganz großes menschliches Bedürfnis. Auch die, die gegen Bauprojekte protestieren, führen ihren Protest ja auf ihre eigene Vorstellung von Wohnen zurück.

Wir kämpfen nicht um Sportflächen oder die Weiterentwicklung der Industrie, sondern für den richtigen Umgang mit diesem großen Gut Wohnen. Zumindest das ist uns gemeinsam. Das Bedauerliche und Groteske: Just zu einem Zeitpunkt wo wir uns einig sind, dass wir mehr Wohnungen brauchen, entwickeln sich Bedenken gegen diese Anstrengungen.

RBB: Welche Bedeutung messen denn Bauherren selbst diesen Protesten bei? Keiner möchte doch zum Beispiel, dass sein neues Gebäude mit Eiern beworfen wird.

Hassemer: Für den Bauherrn ist die Schnelligkeit und Konfliktlosigkeit seines Projekts ein hoher finanzieller Wert. Er hat überhaupt kein Interesse daran anzuecken. Die Investoren achten ja auch nicht nur aufs Geld. Sie haben auch Lust, stolz zu sein. Ich habe das in meiner Zeit oft erlebt, zum Beispiel bei der Diskussion um die Kulturbrauerei, dass Bauherren gerne an ihrem Werk vorbei gehen. Wir als Gesellschaft sollten fördern, diesen Stolz zuzulassen. Den Bauherrn nur als Gelddurchlaufmaschine zu verstehen, das hieße, ihn zu unterschätzen.

RBB: Wann macht die Politik einen Punkt und sagt: Hier gelten allgemeine Interessen mehr als die des Einzelnen? Streiten wir 2025 noch über Kleingärten?

Hassemer: (lacht) Ich bin heute noch Träger der goldenen Verdienstnadel des Berliner Kleingartenverbands. Ich habe in meiner Zeit viele gesichert und viele nicht sichern können. Irgendwann Mitte der 90er Jahre dachte ich, dass das Thema befriedet sei. Wir werden gezwungen sein, eine neue Methode zu finden, wie wir miteinander Argumente austauschen – da stehe ich durchaus auf der Seite der Unzufriedenen.

Wir brauchen eine neue Form, Bürger nicht nur zu beteiligen, sondern auch Mitverantwortung zuzulassen. Nicht im Entscheidungsprozess, da ist unsere Demokratie gut geordnet, aber im Argumentationsprozess. Das wird nicht jeden Konflikt in der Zukunft zu vermeiden, aber ein wesentlicher Schritt sein, sie zu verringern.

[
Berichte über die Demo gegen Groth & Co am 14. Nov. 2014 auf der NETS-Seite]



B Ü R G E R B E T E I L I G U N G

Wenn Wutbürger auf Mitgestalter treffen

Bürgerbeteiligung und Bauvorhaben stehen sich oft im Wege – eine Diskussion in Berlin.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 15. November 2014, Seite I3 (Immobilien). [Original]

BERLIN (Tsp). Den Berliner Politikern und Immobilienunternehmern sitzt der Schreck über die Ablehnung der Pläne für die Randbebauung des Tempelhofer Feldes noch immer in den Knochen. Trotz eines umfangreichen Internetdialogs und trotz zahlreicher Informationsveranstaltungen verweigerten die Berliner bekanntlich dem Bau von Wohnungen am Rand des ehemaligen Flughafens die Zustimmung. Und auch anderswo haben Projektentwickler mit massivem Widerstand von Bürgern zu kämpfen – beispielsweise bei den Plänen für Wohnungsbau am Rand des Mauerparks, auf der Kleingartenkolonie Oeynhausen und in Lichterfelde-Süd.

Diese Beispiele, aber auch der Protest gegen Stuttgart 21 und die Ablehnung der Münchner Olympiabewerbung, haben nach Ansicht des ehemaligen Berliner Stadtentwicklungssenators und SPD-Landesvorsitzenden Peter Strieder deutlich gemacht, „dass eine neue, anders geartete Beteiligungskultur entstanden ist“.

Strieder, der sein Geld seit Jahren bei der PR-Agentur Ketchum Pleon verdient, sprach am Dienstag [11.11.2014] auf einer von der Rechtsanwaltskanzlei Olswang veranstalteten Konferenz, die unter dem Titel „Zwischen Wutbürger und engagiertem Mitgestalter“ stand.

Dass sich gegen zahlreiche große Bau- und Infrastrukturprojekte Widerstand regt, hat laut Strieder mehrere Gründe. Eine wichtige Rolle spielen nach seinen Worten das Internet und die sozialen Netzwerke, die es erlauben, schnell, einfach und kostengünstig Informationen zu verbreiten. Außerdem hätten viele Menschen kein Vertrauen in die Politik mehr. Hinzu komme, dass in den Protestbewegungen die Achtundsechziger-Generation stark vertreten sei, die über Zeit und politische Erfahrung verfüge. Und schließlich, so Strieder, hätten sich die Akteure der Kampagnen professionaliert.

„Die Politik hat der Mut zu Entscheidungen verlassen“

Grundsätzlich stünden „in der individualisierten Gesellschaft mehr die Partikularinteressen im Vordergrund als das Gemeinwohl“, konstatierte der Kommunikationsprofi. Wer sein Projekt erfolgreich umsetzen wolle, müsse deshalb anders kommunizieren und eine „kommunikative Krisenprävention“ betreiben. Denn ob es den Projektentwicklern gefalle oder nicht „die neuen Formen der Teilhabe werden Bestand haben“.

Seinen mehrheitlich aus der Immobilienwirtschaft stammenden Zuhörern gab Strieder dafür mehrere Tipps mit auf den Weg. Erfolgreich sei, wer gezielt den Kompromiss suche; Einwände von Bürgern müssten also ernst genommen werden. Gleichzeitig verdiene das Projekt eine „klare Haltung“. Das bedeute auch, dass Projektentwickler auf ihrem Recht beharren und bereit sein sollten, ihre Ansprüche notfalls gerichtlich durchzusetzen – die andere Seite tue dies schließlich auch.

Indem der ehemalige SPD-Politiker von „Einmischung“ der Bürger sprach, ließ er durchblicken, dass Bürgerbeteiligung wohl nicht sein Herzensanliegen ist. Offen appellierte Strieder an die Politik, ihre Führungsrolle wahrzunehmen. „Die Politik hat der Mut zu Entscheidungen verlassen“, kritisierte er. An einem bestimmten Punkt müsse „nicht moderiert, sondern entschieden“ werden.

Ähnlich äußerte sich auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Konferenz Stefan Evers, Sprecher für Stadtentwicklung der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus: Die Entscheidung müsse letztlich die Politik treffen. Wichtig sei es auch, klare Regeln für die Bürgerbeteiligung zu definieren. „Wenn man die Bürger über Fragen abstimmen lässt, die eigentlich woanders entschieden werden, weckt man enttäuschte Erwartungen“, sagte Evers mit Blick auf den rechtlich äußerst komplizierten Fall der Kleingartenkolonie Oeynhausen, deren Bebauung in einem Bürgerentscheid im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf eine Absage erteilt wurde.

Neue Modelle der Bürgerbeteiligung

„Es muss klar sein, welche Regeln gelten und wer am Ende entscheidet“, betonte auch Marc Weinstock, Geschäftsführer der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK). Dieses Unternehmen hat laut Weinstock bundesweit 60 Beteiligungsverfahren auf kommunaler Ebene durchgeführt und dabei sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Im Voraus, so Marc Weinstock, könne man nie wissen, gegen welche Projekte sich Protest rege und gegen welche nicht. Und nicht immer sei das Interesse groß: „In vielen Verfahren müssen Sie die Bürger massiv aktivieren, sich zu beteiligen.“

Mit ausgesprochen großem Engagement von Bürgern konfrontiert ist hingegen Henrik Thomsen, Geschäftsführer der Groth-Gruppe, die in Berlin mehrere umstrittene Wohnungsbauvorhaben – beispielsweise am Mauerpark – plant. So wurde für den gestrigen Freitag [14.11.2014] unter der Überschrift „Bürgerwillen umsetzen“ eine Demonstration vor dem Firmensitz der Groth-Gruppe angemeldet. Im Vorfeld hatten Aktivisten kritisiert, dem Investor würden von der Verwaltung „vor jeder Bürgerbeteiligung weitreichende Zusagen gemacht“, so dass Bürgerbeteiligung zur Farce werde.

„Wir bauen frühzeitig einen Dialog mit den Bürgern auf, um ihre Bedenken zu erfahren“, sagte hingegen Henrik Thomsen in der Podiumsdiskussion. Klar müsse allerdings sein, dass Bürgerbeteiligung nicht das Gleiche wie ein Bürgerentscheid sei, sondern eine „Unterstützung für die Abwägung“ – und abwägen müsse letztlich die Politik.

Bei der Bürgerbeteiligung werden derweil neue Modelle ausprobiert: In Kreuzberg hat ein Projektentwickler alle Interessierten eingeladen, an einem Werkstattverfahren zur Planung eines Gewerbegebiets am nördlichen Rand des Gleisdreieckparks mitzuwirken. Ob dieser Ansatz vorbildhaft wird? Der ehemalige Stadtentwicklungssenator Strieder zeigte sich auf der Olswang-Veranstaltung skeptisch: „Ich würde mich nicht wundern, wenn am Schluss trotz der intensiven Bürgerbeteiligung der halbe Bezirk moniert, man habe ja gar nichts mitbekommen, und einen Volksentscheid verlangt.“



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