PLS-Logo |   Dokumentationen aus Medien — Teil 1

khd
    Stand:  8.11.2014   (78. Ed.)  –  File: PLS/Aus_Medien/AM_01.html



Die Presse hat noch nicht die (politische) Dimension des Gesamt-Konflikts um Lichterfelde-Süd erkannt und wohl auch deshalb bislang nur wenig berichtet — immerhin gibt’s doch schon einiges. Auf diesen Seiten werden ausgewählte Artikel und Texte zu den Planungs-Absichten bzw. -Ansinnen für Lichterfelde-Süd dokumentiert.

  Lichterfelde-Süd / Giesensdorf
Ständig benachteiligt!
Eine Abrechnung
 
Dabei gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis. Archivort ist Houston (USA), wo das „fair use“-Prinzip gilt. Hier sind dokumentiert und manches auch in [Ed:...] kommentiert:

I n h a l t :       Vor 2010       [Artikel-Übersicht vor 2010]
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G E M E I N D E P F A R R E R   G U S T A V   R O T H   F R A G T E   1 9 7 3

Was wird aus Lichterfelde-Süd?

Aus: Forum Lichterfelde-Süd
, Juli 1973, Seite 1 (Ev. Kirchengemeinde Giesensdorf) von GUSTAV ROTH (Gemeindepfarrer).

Vor Jahren hat das Bezirksamt das Grundstück des ehemaligen Kali-Syndikats zwischen dem oberen Ostpreußendamm und dem Holtheimer Weg für 10 Millionen Mark gekauft. Damals hieß es, daß das Gelände dazu genutzt werden soll, der Bevölkerung in Lichterfelde-Süd notwendige Möglichkeiten für ihre Freizeit zu schaffen. Von einem Schwimmbad war die Rede. Ein Sportplatz sollte gebaut werden. Inzwischen wird auf diesem Gelände gebaut. Es entsteht ein Mittelstufenzentrum [Ed: das dann später wg. Asbest- Verseuchung wieder abgerissen werden mußte]. Aber nicht nur das: Es soll auch ein

„Stadtplanung
geht alle an!“


Senat von Berlin.

Oberstufenzentrum auf dem gleichen Grundstück gebaut werden. In jedem der beiden Zentren sollen 1.200 Schüler zur Schule gehen. Das sind insgesamt 2.400. Warum wird der Plan „Freizeitgelände“ zurückgestellt? Warum werden Schulen an einer Stelle gebaut, zu der vermutlich der größere Teil der Schüler mit ziemlichem Zeitaufwand fahren muß?

Noch eine Frage: Zwischen Réaumurstraße, dem ehemaligen Landweg und der Osdorfer Straße liegt ein Gelände[-Dreieck], das nach den vorliegenden Plänen heute noch Gewerbezwecken dienen kann. Sollen also unmittelbar neben den Wohnhäusern des Neubaugebietes [der Thermometer-Siedlung] Betriebe zugelassen werden?

Eine letzte Frage: Es ist schon so viel über die Woltmann- Siedlung gesprochen worden in den vergangenen Jahren. Sie soll verdünnt und eines Tages aufgelöst werden. Was aber wird dort gebaut werden?

  Viele interessante
Diskussions-Beiträge
finden Sie im aktuellen
F   O   R   U   M
Lichterfelde-Süd

 
Der Slogan des Berliner Senats heißt: „Stadtplanung geht alle an!“ Als die ersten Bewohner des Neubaugebietes [Thermometer- Siedlung] eingezogen waren, gab es manche heißen Gespräche über die Planung mit Vertretern des Bezirksamtes, u. a. auch in der Aula der Mercator- Schule. Bei diesen Gesprächen wurde von Seiten des Bezirksamtes erklärt: „Mit wem sollten wir planen? Wir wußten ja noch nicht, wer hierher zieht!“ Damals haben die Vertreter des Bezirksamtes sich zu der Devise des Senats bekannt: „Stadtplanung geht alle an!“ Sie hielten sie nur nicht für praktizierbar. Heute wohnen hier Menschen. Sie können angesprochen werden. Man kann mit ihnen beraten, was für Lichterfelde- Süd notwendig ist. Wann wird in Lichterfelde- Süd die Stadtplanung alle angehen?

Wir haben in unserem Bereich Erfahrungen mit derartigen Fragen. Als die Planung für das Kraftwerk [am Barnackufer] ohne die Bürger schon sehr weit gediehen war („Es wurde etwas außerhalb der Legalität unter Mißachtung des regulären Bebauungsplan- Verfahrens und gegen heftigen Nachbarnprotest erbaut“ – aus Tagesspiegel vom 15.3.1973, Nr. 8361, Seite 1), entstand eine Bürgerinitiative, die sich gegen manche Schwierigkeiten und Widerstände durchsetzen mußte.

Die Forderungen zum Umweltschutz angesichts dieses Großkraftwerkes kamen in erster Linie von Bürgern dieses Gebietes. Sie haben Abgeordnete und Vertreter der Bezirksverordnetenversammlung ausdauernd befragt, um wirklich genaue Informationen zu bekommen. Sie haben sich mit ungeheurer Mühe sachkundig gemacht und ihre Gegenvorschläge eingebracht. Wenn das [Bewag-] Kraftwerk heute relativ umweltfreundlich ist, dann haben diese Leute dafür gesorgt. Daß ihnen nicht mehr gelungen ist, liegt daran, daß sie sich nicht früher um die Sache kümmern konnten [Ed: und es bedurfte in der Tat eines 2. Anlaufs, um die Bewag in Sachen Rauchgas- Entgiftung endlich auf Umweltkurs zu bringen]. Sie hätten mit noch größeren Ohren hören müssen, was sich da still und heimlich entwickelte, ohne daß die eigentlichen Betroffenen informiert wurden. Passiert jetzt genau das gleiche? Was wird aus Lichterfelde- Süd?



Skizze des Bebauungsplans XII-252 für Lichterfelde-Süd

Entwurf des Bezirksamts Steglitz von 1982 (Grundplan), der aus dem gültigen Flächennutzungsplan entwickelt wurde.

Aus: Info der
ULS – Oktober 1982 (Lichterfelde-Süd).

Entwurf Bebauungsplan XII-252 von 1982
^   Entwurf des Bebauungsplans XII-252 des Bezirksamts Steglitz von 1982 (umgezeichnet) mit der Kritik der ULS.   (Repro: 2010 – khd)


„Lichterfelde-Süd ist der Prüfstein für eine menschenwürdige Stadtentwicklungs- und Umweltpolitik in Berlin!“

Blick in die Presse / »Die Bauleitpläne sollen dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern« (§ 1 Bundesbaugesetz)

Aus: Info für die Thermometer-Siedlung – 24. November 1982 (Wandzeitung der ULS).

Die ULS im Spiegel der Presse



Lichterfelde-Süd braucht einen Landschaftsplan

Das Bezirksamt Steglitz begründet ausführlich die Notwendigkeit der Aufstellung eines Landschaftsplans für Lichterfelde-Süd [Ed: und diese Begründung gilt im Kern auch noch im Jahr 2012, egal wem das Land nun gehört].

Hinweis auf: Bezirksamts-Vorlage für die BVV-Steglitz – Drucksache-Nr. 774, 24. November 1983 (Vorlage zur Kenntnisnahme). [
Original in PDF]



Zur Landschaftsplanung in Lichterfelde-Süd

Gemeinsam für Natur- und Umweltschutz in Lichterfelde-Süd.

Hinweis auf: Sonder-Info der Alternativen Liste (AL, später:
DIE GRÜNEN) – Nr. 2, 15. September 1984, Umfang: 8 A3-Seiten, Auflage: 10.000 (verteilt in Lichterfelde und Steglitz).

Aus dem Inhalt:


Die Schlüsselrolle der BVV

Aus: Sonder-Info Nr. 2 der
AL – 15.9.1984, Seite 6.

Der Steglitzer Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wird bezüglich der Planungen in Lichterfelde- Süd noch eine Schlüsselrolle zukommen. Irgendwann in den nächsten Jahren wird die unwiderrufliche Abstimmung zum Bebauungsplan XII-252 auf der Tagesordnung des »Hohen Hauses« stehen. Dann werden die Bezirksverordneten politisch entscheiden müssen, was aus Lichterfelde-Süd endgültig wird: Überwiegend Grau- oder Grünlandschaft.

Die Steglitzer Bezirksverordneten sind nämlich selbst in der Lage, die Vernichtung von ökologisch wertvollen Flächen zu verhindern, indem sie einen entsprechenden Bebauungsplan ablehnen. Weder der Senat noch das Abgeordnetenhaus hätten die Möglichkeit, den Bebauungsplan entgegen einer solchen Entscheidung zu einer Rechtsverordnung zu machen. Nur in ganz besonderen Fällen, z. B. Kraftwerks- oder Autobahnbau, kann der Senat die Angelegenheit an sich ziehen (»Evokationsrecht«).

Der Schlüssel zu einer menschenwürdigen Umwelt in Lichterfelde-Süd ist also das Kräfteverhältnis der Parteien in der BVV Steglitz. Im Ernstfall kann es sogar auf den ökologischen Sachverstand eines einzigen Bezirksverordneten ankommen.



Skizze des Landschaftsplans XII-L2 für Lichterfelde-Süd

Entwurf des Bezirksamts Steglitz von 1984 (Grundplan), der aus dem Entwurf des Landschaftsprogramms vom Juni 1984 sowie Untersuchungen entwickelt wurde.

Aus: Info des
Bezirksamts Steglitz – 17. Dezember 1984 (umgezeichnet). [Eine aktuelle Legende dazu]

Entwurf Landschaftsplan XII-L2 von 1984


Dieser Plan wurde den Bürgern am 17. Dezember 1984 in einer Informationsveranstaltung in der Kopernikus-Schule, Ostpreußendamm 107/113 vom Bezirksamt Steglitz (Baustadtrat Weber) vorgestellt. Neben sehr vielen Bürgern waren auch anwesend: Stadtentwicklungssenator Vetter (FDP) und Wirtschaftssenator Dr. Rexrodt (FDP). Davon gibt es ein 50-seitiges Wort-Protokoll vom 20.12.1985 mit vielen (heute) hochinteressanten Aussagen — auch der GRÜNEN (damals noch AL). Dem Herausgeber diese Portals liegt dieses Protokoll vor.

[
Was ist ein Landschaftsplan?]
[Warum ist für Lichterfelde-Süd ein Landschaftsplan erforderlich?]



Bezirksamt kümmert sich um Naherholung in Lichterfelde-Süd

Das Bezirksamt Steglitz berichtet über die Bemühungen in Lichterfelde-Süd, Flächen für die Naherholung (Park etc.) zu pachten oder zu erwerben.

Hinweis auf: Bezirksamts-Vorlage für die BVV-Steglitz – Drucksache-Nr. 1093, 5. Dezember 1988 (Vorlage zur Kenntnisnahme). [
Original in PDF]

Am 20.4.1988 hatte die BVV-Steglitz folgendes beschlossen (Beschluß- Nr. 443):
„Das Bezirksamt wird ersucht, mit der VdeR in Verhandlungen einzutreten mit dem Ziel, die Flächen im Geltungsbereich des Landschaftsplans XII-L2 (Lichterfelde-Süd) langfristig von der VdeR zu pachten (sofern ein Erwerb ausgeschlossen ist).

Die Flächen sollen dann durch das Gartenbauamt verwaltet und einer Nutzung entsprechend den Festsetzungen und Zielen des o.g. Landschaftsplanes zugeführt werden.“
[mehr in PDF]



Ruhe über der Geisterstadt

Ehemaliges US-Übungsgelände an der Osdorfer Straße liegt noch immer brach

Aus:
Berliner Zeitung, 18. Februar 1997, Seite 20 (Lokales). [Original]

STEGLITZ. Drei Jahre nach dem Abzug der Amerikaner macht die ehemalige US-Geisterstadt an der Osdorfer Straße ihrem Namen alle Ehre: Auf dem 115 Hektar großen Gelände passiert bislang nichts. Der Grundstückseigentümer – das Bundeseisenbahnvermögensamt –, der Bezirk und der Bund konnten sich noch nicht über die künftige Nutzung des Areals einigen.

Öde und verlassen präsentiert sich die US-Geisterstadt, in der amerikanische Soldaten einst den Ernstfall probten. Wo die Häuserattrappen standen, wuchert jetzt Unkraut. Daran wird sich auch in den nächsten Monaten nichts ändern. Denn die Eisenbahn- Immobilien- Management Gesellschaft, die für die Vermarktung des Areals zuständig ist, läßt sich Zeit. "Wir stehen nicht unter Druck, außerdem ist es nicht möglich, von heute auf morgen für so ein riesiges Gelände zu planen", betont Dirk Grosse-Wördemann von der Geschäftsleitung.

Er könnte sich vorstellen, daß künftig an der Osdorfer Straße Wohnen und Arbeiten möglich sei. Wie viele Quartiere es einmal geben wird, stehe noch nicht fest. Aber die Untersuchungen würden laufen. Mit dem Bezirk sei man im Gespräch, erklärt Grosse-Wördemann. Diese Woche habe er beim Leiter des Stadtplanungsamtes einen Termin.

Nicht ganz so gelassen geht die Oberfinanzdirektion (OFD) mit der Geisterstadt-Fläche um. Schließlich will der Bund 16 Hektar für den Bau von 350 Eigenheimen erwerben. Und so schnell wie möglich das Vorhaben realisieren. Aber noch konnten sich die OFD und die Eisenbahn- Immobilien- Management Gesellschaft nicht über den Kaufpreis einigen. Stephan Regeler von der OFD geht allerdings davon aus, daß es in diesem Jahr noch zu einem Vertragsabschluß kommt. Seiner Ansicht nach könne der Bezirk das Vorhaben beschleunigen, wenn endlich ein Bebauungsplan aufgestellt werde.

Doch davon will Baustadtrat Norbert Kopp (CDU) nichts wissen. Erst wenn genau feststehe, wie viele Wohnungen entstehen, wolle er planungsrechtliche Schritte einleiten. "Die vom Grundstückseigentümer vorgesehenen 5.000 Wohnungen lassen wir nicht zu", stellt der Politiker klar. "Höchstens 2.000." Denn eine zweite Thermometer- Siedlung mit Hochhäusern soll es nicht geben. Das habe die Bezirksverordnetenversammlung so beschlossen.

Grosse-Wördemann wundert sich, wie Baustadtrat Kopp auf die Zahl 5.000 komme. "Konkrete Wohnungsangaben haben wir noch nie gemacht." Nur soviel könne er sagen: Bis zum Jahr 2000 werde auf der jetzigen Brache [Ed:
Brache?] etwas passiert sein.



„Sensibler Umgang mit dem Vorhandenen“

Die Thermometer-Siedlung in Lichterfelde-Süd bekommt demnächst neue Nachbarn

Aus:
Berliner Zeitung, 24. Juli 1999, Seite 49 (Immobilien). [Original]

BERLIN – 23. Juli. Grün ist die dominierende Farbe, die jedem auffällt, der durch die sogenannte Thermometer-Siedlung in Lichterfelde-Süd spaziert. Hohe Bäume, großzügige Grünanlagen, auf dem [Ed: unzugänglichen] Teich schwimmen sogar Enten. Dennoch: Zu den luxuriösen gartenumsäumten Villensiedlungen in Lichterfelde-Ost und -West steht das größte Neubauviertel im Süden von Steglitz doch in einem deutlichen Kontrast. Etwa 4.500 Menschen leben hier.

Am Rande des Speckgürtels

1968 bis 1974 auf Brachland zwischen Osdorfer Straße und S-Bahndamm gebaut, ist das Wohngebiet mit seinen Hochhäusern und "Betonsilos" typisch für die Stadtrandbebauung in West-Berlin zu Beginn der siebziger Jahre. Doch die Wohnungen waren gefragt. Warm, trocken, gut geschnitten und trotzdem preiswert. Viele kehrten teuren Citybezirken oder dunklen Hinterhauswohnungen den Rücken und zogen hierher, wo die Straßennamen an die Begründer der Temperaturmessung Celsius, Fahrenheit und Réaumur erinnern. Unannehmlichkeiten nahm man zunächst in Kauf: vom benachbarten amerikanischen Truppenübungsplatz krachten bis 1994 Schüsse herüber.

In der sogenannten "Mau-Mau-Siedlung", einem Barackenviertel mit kartenhausähnlicher Gebäudesubstanz auf der anderen Seite der Osdorfer Straße, lebten Menschen aus sozialen Problemgruppen: "Die Kriminalität war erschreckend hoch", erinnert sich der damalige "Streetworker" Andres Stein. Die Baracken sind bis in die 80er Jahre schrittweise abgerissen und durch die romantisch wirkende Woltmannsiedlung ersetzt worden. Trotz aller Startprobleme hat die Thermometersiedlung die Weichen dieser Gegend auf "Fortschritt" gestellt. Die Mieter und die Kirchengemeinde machten hier von Anfang an für Verbesserungen mobil.

Im Frühjahr 1999 trafen sich Mieter und Vertreter der "Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft" (GSW) zum "Runden Tisch". Wichtigster Tagesordnungspunkt: Die geplante Anhalter Bahn, die im Mai 2003 eröffnet werden soll. Spitzengeschwindigkeit: 160 Kilometer pro Stunde. Dann ist es mit der ruhigen Wohnlage vorbei. Deshalb verlangen die Anwohner, von der GSW und dem Bezirksamt unterstützt, effektive Lärmschutzmaßnahmen [Ed-18.9.2004: leider klagte die GSW dann 2001 nicht gegen den völlig unzureichenden Planfeststellungsbeschluß des Eisenbahnbundesamts (EBA) vom 31.5.2001 und so erhalten die Hochhäuser Celsiusstraße 50, 52, 54 und 68 keinen Lärmschutz]. Ein weiterhin bestehendes Problem der Siedlung ist ihre Sozialstruktur. "Als Mitte der 90er Jahre die Fehlbelegungsabgabe auf Sozialwohnungen erhöht wurde, zogen etliche Besserverdienende weg. Jetzt wohnen viel Sozialhilfeempfänger und ausländische Familien hier", sagt der Steglitzer Baustadtrat Norbert Kopp. "Die Integration ist schwierig und die Probleme sind nicht zu übersehen." 1998 wurde die Fehlbelegungsabgabe dann ausgesetzt.

Einen Quartiers-Manager wird es für die Thermometersiedlung nicht geben. Unter anderem, weil Kopp die lokalen Bürgerinitiativen für erfahren genug hält. Schließlich hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Die GSW hat viel Geld in Wohnumfeldverbesserungen wie Grünanlagen und Spielplätze investiert. Die Gebäude erhalten Wärmedämmung und neue Fassaden.

Bald sollen die Bewohner der Thermometersiedlung neue Nachbarn bekommen. Auf dem Gelände um die ehemalige US-Geisterstadt werden künftig etwa 7.500 Menschen in Einfamilien-, Doppel oder Reihenhäusern leben. Auch Gewerbe- und Freizeiteinrichtungen sind vorgesehen. Von der Idee des autofreien Wohnens hat sich die Bezirksverordnetenversammlung verabschiedet. Die Projektentwicklungsgesellschaft Haberent verspricht jedoch einen "sensiblen Umgang mit dem Vorhandenen". Gemeint ist damit zweierlei: Das grüne Bauland und die Thermometersiedlung. [Die HABERENT/VIVICO-Planung]



N A C H D O K U M E N T I E R T

Baulöwe Groth: "Wir schulden keinen fälligen Pfennig"

[Ed: Infos zur Gründung der neuen Groth-Holding der Groth-Gruppe].

Aus:
Berliner Zeitung, 23. Dezember 2000, Seite xx (Berlin) von EWALD B. SCHULTE. [Original]

BERLIN – 22. Dezember. Der ursprünglich für das Jahr 2003 geplante Rückzug auf den Sylter Alterssitz ist vertagt. Stattdessen wirft sich der 62-jährige Klaus Groth (Groth-Gruppe, zuvor Groth + Graalfs) noch einmal voll ins Geschäft. Im Januar [2001] nimmt die neu formierte Groth Holding ihren Geschäftsbetrieb auf.

Für diese Holding konnte Groth, dessen früherer Partner Graalfs sich 1994 einigermaßen entnervt aus dem turbulenten Immobiliengeschäft der Hauptstadtregion komplett zurückgezogen hat, eine neue Allianz schmieden, die in Berlin für einigen Gesprächsstoff sorgen dürfte. 51 Prozent der neuen Holding, die mit einem Grundkapital von 40 Millionen Mark ausgestattet ist, hält Groth selbst. Für die Übernahme der übrigen 49 Prozent der Anteile konnte der Manager einen seiner erbittertsten Konkurrenten der letzten Jahre, Manfred Schoeps (56), gewinnen.

Allianz mit Ex-IBG-Chef Schoeps

Bis zum Sommer dieses Jahres war Schoeps bei der Bankgesellschaft Berlin. Dort zeichnete der künftige Groth-Partner ebenfalls für den Bausektor verantwortlich: Als Sprecher der Geschäftsführung der Immobilien- und Baumanagement GmbH (IBG), die er zu einem der ganz großen Player auf dem bundesdeutschen Immobilienmarkt entwickelte.

Von dem stürmischen Wachstum der Banktochter, die sich unter seinen Fittichen zum unangefochtenen Marktführer im Fondsgeschäft mit Immobilien mauserte und durch den Erwerb anderer Unternehmen wie etwa der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (Frankfurt/Main) oder der Berliner Stadterneuerungsgesellschaft S.T.E.R.N. zum Konzern im Konzern aufstieg, partizipierte auch Schoeps: der Manager war an der IBG persönlich beteiligt.

Als der IBG-Chef im Sommer aus gesundheitlichen Gründen den Stress-Job bei der Bankgesellschaft quittierte, war damit auch die Auszahlung seiner IBG-Beteiligung fällig. Knapp 20 Millionen davon investiert Schoeps nun in die Groth-Holding. An Groth schätzt Schoeps vor allem dessen Know-how bei der Projektfindung und -entwicklung. Auch das Fachwissen der 135 Groth-Beschäftigten sei auf diesem Sektor exzellent.

Die neue Groth-Holding soll einen ihrer Arbeitsschwerpunkte auf höherwertige Wohnobjekte legen, die im gesamten Bundesgebiet errichtet werden sollen. Auf gewerbliche Großvorhaben will sich das Unternehmen nur einlassen, wenn zuvor die Vermietung gesichert ist beziehungsweise der jeweilige Bauherr hier voll in die Verantwortung geht.

Genau solche Risiken waren es, die nach diversen anderen Baulöwen in den letzten Jahren auch Klaus Groth mit seiner Groth-Gruppe mehr und mehr zu schaffen machten. So viel Geld konnten die Renommieraufträge wie etwa der Bau der neuen CDU-Bundeszentrale, diverser Botschaften oder des neuen Domizils der Wirtschafts-Dachverbände in der Breiten Straße gar nicht einspielen, wie Groth mit Leerständen oder der nicht kostengerechten Vermietung der Neubau-Wohnbestände in Karow-Nord oder im Potsdamer Kirchsteigfeld zusetzte.

Zum echten Desaster entwickelte sich zudem Groths ehrgeizigstes Projekt: der Villen-Wohnpark "Arkadien" am Glienicker Horn. Rund um die Villa Kampffmeyer hatte Groth hier 11 Luxusvillen für die Superreichen errichtet und sich dabei an amerikanischen Vorbildern orientiert. Soll heißen: Die für die Highsociety gedachten Nobelherbergen befinden sich in einer baulich abgeschirmten Enklave, die rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst betreut wird. Doch anders als in den Staaten, wo ein so überwachter Zugang zu den Villen-Vierteln selbstverständlich ist, scheute die deutsche Prominenz bisher die mit dieser Offerte verbundene soziale Kontrolle, so dass Groth zu hohen Wertberichtigungen gezwungen war.

Insgesamt hat er in den letzten Jahren rund 180 Millionen Mark an erwirtschafteten Reserven in die Konsolidierung der Groth-Gruppe gesteckt. All dies räumt der Bauunternehmer unumwunden ein. Zornig wird er nur, wenn sein Unternehmen gezielt mit Gerüchten über eine bevorstehende Pleite überzogen wird, schließlich hafte er persönlich. Groth: "Wir schulden niemandem einen fälligen Pfennig."

Vorstandschef bis 2005

Schon vor 2 Jahren aber sei klar gewesen, dass die Groth-Gruppe ohne nachhaltige Umstrukturierung mittelfristig kaum Überlebenschancen haben werde. Kooperationsgespräche hatte Groth seither mit diversen Interessenten geführt und von Arthur Andersen zudem eine aktuelle Unternehmensbewertung vornehmen lassen, in der seiner Unternehmenssubstanz bis zum Jahr 2005 eine potenzielle Wertsteigerung bis zu 30 Prozent attestiert worden sei.

Nachdem ein bereits paraphierter Kooperationsvertrag mit der Frankfurter AGIV scheiterte, sei er mit Schoeps handelseinig geworden, wobei die Altbestände der Groth-Gruppe, die er weiterhin ganz allein hält, vom Neugeschäft strikt getrennt würden. Er habe Schoeps zugesagt, die neue Holding mindestens bis zum Jahr 2005 zu führen.

Neuer Auftritt der Groth-Gruppe

Die Immobilienkrise bescherte auch dem Berliner Baulöwen Klaus Groth enorme Probleme. Eine neue Holding mit Beteiligung des Ex-Chefs der Bankgesellschafts-Immobilientochter IBG, Manfred Schoeps, soll den Weg für Neugeschäfte ebnen. Schoeps plant über die Kooperation mit Groth hinaus den Erwerb weiterer Firmenbeteiligungen. Dafür hat er eine eigene Gesellschaft, die GBI, gegründet. 25 Millionen des Kapitals trägt Schoeps, weitere 25 Millionen die Bankgesellschaft.

Mehr zu diesem Thema:
[26.01.2001:
Rupf demontiert eigene Groth-Initiative]  (BERLINER ZEITUNG)
[01.06.2001: IBG: Manfred Schoeps]  (SPIEGEL-ONLINE)
[Weiteres in der GROTH-Linksammlung]



E I N   S C H L Ü S S E L - I N T E R V I E W

Vivico: "Die Vivico ist nicht die Bahn"

[Ed: Zu diesem Zeitpunkt war die VIVICO REAL ESTATE GmbH noch im Besitz des Bundes. Anfang 2008 wurde die VIVICO von der österreichischen CA Immo Group übernommen].

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 11. August 2001, Seite xx (Berlin). Es ist unklar, mit wem der TAGESSPIEGEL sprach, denn auf der Original-Seite gab’s dazu keine Angaben. [Original]

Tagesspiegel: Ihr Unternehmen scheint nicht gerade vom Glück verfolgt. Ob Lichterfelde-Süd oder Gleisdreieck, bei fast allen Projekten stieß die Vivico auf Widerstände in der Bevölkerung. Sind Sie die Bösen?

VIVICO: Über Konflikte lässt sich eben besser berichten als über Erfolge. Richtig ist aber, dass sich die Vivico im Kreuzfeuer der Kritik befindet aufgrund ihres Erbes: Viele sehen in uns noch eine öffentliche Gesellschaft, und da wir über Grundstücke in hervorragenden innerstädtischen Lagen befinden, weckt das Begehrlichkeiten von allen Seiten. Beim Gleisdreieck zum Beispiel gerieten wir ins Spannungsfeld von Landes- und Bezirkspolitik. Diese hatte den Anrainern Versprechungen gemacht, mit denen wir nun konfrontiert werden.

Doch diese sind nicht immer mit unserem Auftrag zu vereinbaren, eine möglichst wirtschaftliche Vermarktung der ehemaligen Bahnflächen sicherzustellen.

Tagesspiegel: Die Verhandlungen am Gleisdreieck ziehen sich seit 6 Jahren hin. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat jetzt einen Kompromissvorschlag vorgelegt. Werden Sie zustimmen?

VIVICO: Ja, aber es bleiben noch Detailfragen zu klären. Dabei geht es um die Abgrenzung der Baufelder vom Park. Wichtig ist, noch einmal daran zu erinnern, dass die Senatskanzlei ja 1994 mit dem Bundeseisenbahnvermögen sowie der Deutschen Bahn AG vereinbarte, dass 16 Hektar am Gleisdreieck unbebaut blieben. Damit konnte der Senat den vorgeschriebenen Grünausgleich dafür schaffen, dass das damals landeseigene Grundstück am Potsdamer Platz von den Investoren so dicht bebaut werden durfte. Unsere Vorgänger stimmten dem Grünausgleich zu, weil der Senat ihnen ein noch festzulegendes Baurecht auf den Restflächen zusagte. Wir tun nun nichts anderes, als dafür einen Konsens zu suchen.

Tagesspiegel: Die Anwohner wollen dort einen Park...

VIVICO: Den bekommen sie, und er wird sogar 20 Hektar groß sein. Hinzu kommt eine Bebauung, die den Forderungen des Planwerks Innenstadt nachkommt, nämlich Berlin punktuell zu verdichten. Genau das ist am Gleisdreieck möglich.

Tagesspiegel: Bausenator Peter Strieder forderte sie unverhohlen auf, das Angebot der Senatsverwaltung jetzt anzunehmen. Er sagte, dass die Bahn schließlich auch noch an anderen Stellen in Berlin bauen möchte...

VIVICO: Bei dieser Aussage geht einiges durcheinander. Die Vivico ist nicht die Bahn! Wir entwickeln und verwerten ehemalige Bahn-Grundstücke und sollen daraus Erlöse für das Bundesministerium für Verkehr erwirtschaften, damit dieses einen Teil der Milliardenkosten für die Bahn-Privatisierung refinanzieren kann. Aber es ist richtig, dass wir in Berlin viele Flächen haben und bei deren Entwicklung auf die Zusammenarbeit mit Baurechtsbehörden und Politik angewiesen sind. Auf der anderen Seite bieten diese Flächen ein erhebliches Potenzial für die Stadt. Und die Kommune kann nun einmal die Grundstücke nicht ohne den Eigentümer bebauen. Wir sind dazu verdammt, einen Kompromiss zu finden. Das werden wir auch, und wollen gemeinsam mit Land und Bezirken Sinnvolles für die Stadtentwicklung tun, in gemeinsamer Verantwortung. [
Die HABERENT/VIVICCO-Planung für Lichterfelde-Süd]

Tagesspiegel: Bekommt die Vivico von ihrem Eigentümer, dem Bund, Weisungen oder agieren sie wie ein Privatunternehmen?

VIVICO: Wir haben einen Aufsichtsrat, der durch den Eigentümer und damit also dem Bund besetzt ist. Aber wir sollen wie ein Privatunternehmen agieren, und das tun wir auch.

Tagesspiegel: Ein Privatunternehmen muss die Gewinne maximieren. Wie soll das mit öffentlichen Interessen an öffentlichen Grundstücken vereinbar sein?

VIVICO: Die Grundstücke sind nur insofern öffentliche Flächen, als sie dem Bund gehören. Doch der Bund hat der Vivico einen rein wirtschaftlichen Auftrag gegeben. Da wir die Lasten der Bahn-Privatisierung für den Steuerzahler mildern, ist der Vorwurf, die Vivico sei ein Immobilienhai, absurd. Wir erwirtschaften Deckungsbeiträge für den Haushalt des Bundesverkehrsministeriums. Je mehr die Vivico also aus einem Grundstück oder einer Immobilie herausholt, desto stärker entlasten wir den öffentlichen Haushalt und damit die Bürger.

Tagesspiegel: Wieviel sollen Sie insgesamt zum Bundeshaushalt beisteuern?

VIVICO: 1996 hatte der Bund die Summe auf 13,4 Milliarden Mark festgelegt, doch auf Grundlage von Liegenschaftswerten aus der Zeit des Immobilien-Booms um 1994. Bisher haben wir mehrere Milliarden Mark abgeführt. Nun hat sich aber unser Auftrag verändert. Früher sollten wir Liegenschaften verkaufen, jetzt bauen wir einen Bestand auf und entwickeln diesen. Ab 2005 will sich der Bund schrittweise aus der Gesellschaft zurückziehen, Anteile verkaufen und dadurch Erlöse erzielen. Unser Vorteil gegenüber normalen Bauträgern liegt also darin, dass wir das Grundeigentum für unsere Projekte bereits besitzen. Bei uns tickt die Zinsuhr nicht bei jedem Projekt. Wir können notfalls mehrere Jahre mit einem Projekt warten.

Tagesspiegel: So lange wird es am Stadtquartier um den Lehrter Bahnhof herum nicht dauern. Auf den südlichen Bahnhofsvorplatz wollten sie einen Kubus von Ungers bauen lassen. Bleibt es bei diesen Plänen?

VIVICO: Ungers ist noch im Rennen. Ich fände es auch sehr schade, wenn er den Kubus nicht bauen würde. Er hat ja auch den städtebaulichen Wettbewerb für diesen Bereich gewonnen. Und sein Projekt ist spannend. Ein Würfel mit jeweils 42,5 Metern Kantenlänge, also ein Gebäude mit einer Tiefe von 42,5 Metern, da sagt jeder: Das geht nicht. Doch genau darin liegt die Herausforderung. Natürlich ist auch die Lage spannend. Der südliche Vorplatz des Lehrter Stadtbahnhofes ist fast so groß wie der Alexanderplatz. Wer dort steht, findet auf der einen Seite das Bahnhofsgebäude mit dem riesigen, frei tragenden Glasdach, auf der anderen Seite sieht er im Hintergrund den Reichstag. Und dann, mitten auf diesem Platz, dieser Kubus.

Tagesspiegel: Wie kommen die Planungen für die Neubauten am Lehrter Bahnhof voran?

VIVICO: Unsere Ingenieure lösen derzeit die technischen Probleme. Der Kubus wird über der Tunnelröhre für die B 96 stehen und das im gleichen Quartier geplante nördliche Hochhaus wird auf dem Tunnel der S 21 stehen. Unter dem Hochaus kreuzen sich sogar zwei Tunnel und genau auf dem Schnittpunkt wird das knapp 100 Meter hohe Gebäude errichtet.

Tagesspiegel: Stehen die Architekten schon fest?

VIVICO: Nein. Wir sind derzeit im Auswahlverfahren für das gesamte Stadtquartier. Im Augenblick haben die Ingenieure das Wort, und planen die Gebäude technisch durch. Das engt die Architekten ein. Doch bei unserem Projekt Dorotheenhöfe hat sich gezeigt, dass gute Architekten umfangreiche technische Vorgaben als Herausforderung annehmen. Es reizt sie, trotz dieser Einengung eine eigene Sprache zu finden.

Tagesspiegel: Die Dorotheenhöfe hat Ungers für Sie gebaut. Bekommt er nun auch den Zuschlag für den Kubus?

VIVICO: Ungers befindet sich noch im Wettbewerb.

Tagesspiegel: Mit wem?

VIVICO: Ich möchte da jetzt keine Namen nennen.

Tagesspiegel: Sagen wir: Kollhoff, Sawade, Jahn?

VIVICO: (lacht) Wir wollen nicht einfach nur die großen Namen ansprechen. Sie sind nicht die einzigen, die bei Wettbewerben gute Architektur liefern. Wir wollen auch junge, aber erfahrene Architekten ansprechen, Berliner, nationale und internationale Baumeister.

Tagesspiegel: Nochmal: Sie sagten soeben, sie fänden es schade, wenn Ungers den Kubus nicht baut. Wozu dann noch die Ausschreibung?

VIVICO: Auch ein Ungers sollte gefordert sein. Bei den Dorotheenhöfen setzte er sich im Wettbewerb gegen fünf andere namhafte Büros durch. Beim Kubus haben auch andere Architekten eine Chance, doch natürlich hat Ungers einen Pluspunkt. Nicht wegen seines Namens, sondern wegen des Stils. Das Quadrat ist nun einmal die Form, die er seit je her favorisiert.

Tagesspiegel: Ein ganz anderes Thema. An dieser Stelle war von Ihren Kündigungen der Verträge von Kleingärtnern zu lesen. Macht die Vivico alles zu Bauland?

VIVICO: Nein, wir machen nicht aus Kleingärten Bauland, rechtlich sind sie es in der Regel bereits. Zudem haben wir es häufig nicht mit Kleingarten-, sondern mit Erholungsanlagen zu tun. Diese stehen nicht unter dem Schutz des Bundeskleingartengesetzes. Unser Auftrag ist es, Flächen mit dem wirtschaftlich bestmöglichen Ergebnis zu verwerten. Und für ein Kleingarten ist nicht derselbe Erlös erzielbar wie für Bauland.

Tagesspiegel: Nur leben in den Lauben häufig ältere Berliner, die sich hier vom Getöse der Großstadt erholen. Die können sich kein Einfamilienhaus im Grünen leisten. Kaufmännische Grundsätze in Ehren, aber als Gesellschaft des Bundes könnte auch ein wenig Sozialgewissen bleiben, oder?

VIVICO: Wir wissen, dass das Thema Emotionen schürt. Gerade für die eingeschlossene Teilstadt Westberlin haben die Kleingärten eine besondere Rolle gespielt, weil sie während der Berlin-Blockade mit zur Versorgung der Stadt beigetrugen. Dass jedoch die Kleingärtner nicht ewig auf ihren Parzellen bleiben können, sondern ihre Pachtverträge kündbar sind, ist ihnen bekannt. Wir bemühen uns dennoch, Ersatzflächen zu schaffen oder Entschädigungen zu zahlen. Wir haben auch versucht, neue Kleingärten zu schaffen, zum Beispiel hinter der Stadtgrenze bei Spandau. Aber die betroffenen Kleingärtner wollten da nicht hin, obwohl es nur zwei Regionalbahnstationen entfernt war. Wir versuchen, gerade auch älteren oder bedürftigen Kleingärtnern zu helfen. Doch die Stadt entwickelt und verändert sich nun mal. Das kann man nicht verhindern. Man kann aber die Härten abfedern.



Vivico: Die Berliner Projekte

[65 Hektar in Lichterfelde-Süd sollen bebaut werden].

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 11. August 2001, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN (Tsp). Zu den Projekten der Vivico zählen die Dorotheenhöfe in der Georgenstraße, ein Ensemble aus 4 Bürohäusern und einem "Stadtpalais". Mathias Ungers hat die 5 Gebäude mit einer Bruttogeschossfläche von 26.500 Quadratmetern entworfen. Noch vor der Grundsteinlegung verkaufte die Vivico, damals noch EIM, die Bürohäuser an den Verband Deutscher Hypothekenbanken sowie den Verband der Zigarettenindustrie. In Vivico-Eigentum bleibt das Stadtpalais. Das Haus bietet bis zu 200 Quadratmeter große Eigentumswohnungen zu Spitzenpreisen von 14.000 Mark pro Quadratmeter.

In Lichterfelde Süd, im Südwesten der Stadt, plant die Vivico auf 115 Hektar ein Quartier für 7.000 Bewohner. Die Baufläche beträgt 65 Hektar. In der so genannten "Parks Range" entstehen 3.000 Wohneinheiten: Einfamilienhäuser, Doppel- und Reihenhäuser sowie Mehrgeschosser. In der Mitte der Anlage liegt eine 34 Hektar große Grünfläche. Das Investitionsvolumen beträgt über 1 Milliarde Mark. Die Gesellschaft hat mit dem Widerstand der "Umweltschutzinitiative Lichterfelde-Süd" (ULS) zu kämpfen, die sich aus Anwohnern der benachbarten Thermometer-Siedlung rekrutiert. Ihre Klage: Die Grünflächen würden nicht an ihre Siedlung angebunden, sondern lägen in der Mitte des neuen Quartiers. [Die HABERENT/VIVICCO-Planung]

Ein weiteres Projekt ist der so genannte Block 9 in der Moabiter Quitzowstraße: ein 90.000 Quadratmeter großes Gewerbeareal. Hier sind Investoren für Grundstücke mit Flächen bis zu 20.000 Quadratmetern gesucht. Bereits angesiedelte Unternehmen können ihre Flächen erwerben. Die Entwicklung erfolgt in Kooperation mit dem Sanierungsträger S.T.E.R.N.



1 8 .   M A I   1 9 7 9

Vor 25 Jahren stritt eine Bürgerinitiative für die Thermometer-Siedlung

[Erinnerung an die Umweltschutz-Initiative Lichterfelde-Süd (ULS)].

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 18. Mai 2004, Seite xx (BERLINER Chronik). [Original]

BERLIN (Tsp). Notfalls über das Verwaltungsgericht will die Umweltschutz-Initiative Lichterfelde Süd ihre Interessen für eine von industrieller Nachbarschaft stark beeinträchtigte Lage der sogenannten Thermometer-Siedlung erstreiten. Alle amtlichen Bebauungsplaninitiativen gehen von einem Industriegebiet in unmittelbarer Nachbarschaft der Siedlung aus, nehmen auch unbebaute Areale als Industriegebiete auf und sehen eine die S-Bahn im Westen überschreitende Durchgangsstraße entlang der Thermometersiedlung vor. [B-Plan XII-252]

Die Bürgerinitiative will die unbebauten Bereiche nördlich des Industriegebietes als Gewerbegebiet ausgewiesen haben, in dem nur Betriebe ohne Umweltauswirkung anzusiedeln sind. Außerdem fordern sie einen mindestens 100 Meter breiten Grünschutzgürtel entlang der Réaumurstraße zur Abschirmung vom Industriegebiet und eine Lärmschutzwand zur Siedlung am Westfalenring.



Lichterfelde-Süd im Landschaftsprogramm 2004

Ausweisung des Planungsgebiets in Lichterfelde-Süd im Landschaftsprogramm 2004
^   Ausweisung des Planungsgebiets in Lichterfelde-Süd im Landschaftsprogramm 2004. Die grün gefärbten Flächen sollen danach einmal ein Landschaftspark werden. Ausgespart ist hier noch der Bereich des früheren US-Truppenübungplatzes „Parks Range“ (weiße Fläche in der Mitte), da dort eine dichte Bebauung mit Einfamilienhäusern vorgesehen war. Die Natur wurde hier damals für nicht wertvoll gehalten.
[Landschaftsprogramm – Ergänzung 2004]

Inzwischen liegt aber dazu die eindeutige Empfehlung des Sachverständigenbeirats für Naturschutz und Landschaftspflege von 2010 vor, „diese wertvolle Weidelandschaft und die Waldflächen als Landschaftsschutzgebiet zu sichern“. Das Bezirkamt Steglitz-Zehlendorf hat aber bislang nichts unternommen, um das in einem Landschaftsplanverfahren nach §§ 8–10 NatSchGBln zu realisieren. Und deshalb gibt es nun seit dem 16.5.2012 einen BVV-Antrag, der das bewirken soll. [Zum Wert der Natur]   (Repro: 2012 – khd)



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