PLS-Logo |   Dokumentationen aus Medien — Teil 37

khd
    Stand:  26.10.2014   (34. Ed.)  –  File: PLS/Aus_Medien/AM_37.html



Die Presse hat noch nicht die (politische) Dimension des Gesamt-Konflikts um Lichterfelde-Süd erkannt und wohl auch deshalb bislang nur wenig berichtet — immerhin gibt’s doch schon einiges. Auf diesen Seiten werden ausgewählte Artikel und Texte zu den Planungs-Absichten bzw. -Ansinnen für Lichterfelde-Süd dokumentiert.

  Lichterfelde-Süd / Giesensdorf
Ständig benachteiligt!
Eine Abrechnung
 
Dabei gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis. Archivort ist Houston (USA), wo das „fair use“-Prinzip gilt. Hier sind dokumentiert und manches auch in [Ed:...] kommentiert:

I n h a l t :       2014       [Artikel-Übersicht 2014]
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K A P U T T G E S P A R T

Schulen werden nicht fertig

Bezirk fehlt Personal, um rund 400.000 Euro auszugeben / [Ed: Die Wirkung der enormen Personal-Einsparung wird immer deutlicher, wie dieses Beispiel zeigt. Daran mag aber auch liegen, daß in Lichterfelde-Süd eine neue Grundschule direkt an der Bahnstrecke geplant wird und es kein Veto vom Bezirk gibt].

Aus: Berliner Woche (Ausgabe Steglitz-Süd) – Nr. 40/2014, 1. Oktober 2014, Seite 1 (Aufmacher). [Original]

STEGLITZ-ZEHLENDORF (uma). 2014 stehen dem Bezirk 6,3 Millionen Euro aus dem Schul- und Sportanlagensanierungsprogramm zur Verfügung. Etwa 400.000 Euro davon können nicht verbaut werden, erklärt Immobilienstadtrat Michael Karnetzki (SPD).

Dass trotz dringendem Sanierungsbedarf notwendige Maßnahmen nicht umgesetzt werden können, liege am Personalmangel, erklärte Karnetzki in der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung auf eine Große Anfrage der Fraktion BŐ90/Grüne. "Es gab nicht planbare Umstände wie langwierige Krankheiten, Kündigungen von Mitarbeitern und Verzögerungen durch die Nachbesetzungen." Zudem habe es einen Rückstau bei der Bearbeitung der Architektenverträge gegeben.

An Sanierungsmaßnahmen, die in 2014 nicht mehr abgeschlossen oder nicht ausgeführt werden können, nannte der Stadtrat den Dachstuhl des Schadow-Gymnasiums, die Aula der Johannes-Tews-Grundschule und die Sanitäranlagen der Grundschule am Königsgraben. Auch die Instandsetzung des abgebrannten Chemiesaals der Goethe-Schule sei nicht mehr umsetzbar, ebenso Sanierungen am Paulsen-Gymnasium und an der Bröndby-Schule.

Die Grünen warfen Karnetzki vor, dass er die Schuld nur bei anderen suche, die Personalnot nicht früher öffentlich gemacht und erst nach mehrfacher Aufforderung schließlich die Summe von 400.000 Euro genannt habe. Die Grünen hatten sie auf 1 Million Euro geschätzt. Es sei schwierig, schon jetzt genaue Zahlen zu nennen, da die Arbeiten noch im Fluss seien, erläuterte der Stadtrat. Und bis zum Rechnungsabschluss Mitte Dezember könne sich noch einiges ändern. "Ich gehe allerdings davon aus, dass wir 95 Prozent der Mittel verwenden können."

Die Summe von 400.000 Euro sei also nicht völlig aus der Luft gegriffen. Dieses Geld geht dem Bezirk jedoch verloren. Es fließt zurück an den Senat. Unterstützung erhielt Karnetzki von Martin Matz (SPD): "Andere Bezirke kämpfen mit ähnlichen Schwierigkeiten, können auch nicht alle Mittel ausgeben." Dies wollte der CDU-Fraktionsvorsitzende Torsten Hippe so nicht akzeptieren: "Andere schaffen es vielleicht noch, wir auf jeden Fall nicht."

[08.10.2014: Steglitz-Zehlendorf hat größten Schul-Sanierungsstau]  (DER TAGESSPIEGEL)



M A S T E R P L A N   F Ü R   L I C H T E R F E L D E

Ein neues Stück Berlin

BAUPROJEKT: Aktuelle Pläne für das Parks-Range-Areal sehen soziale Mischung und Grün vor.

Aus:
Berliner Abendblatt (Ausgabe Steglitz-Zehlendorf) – Nr. 40-ST/2014, 4. Oktober 2014, Seite 1 + 3 (Aufmacher). Die Abb. des Schwarzplans des Masterplans sowie die [...]-Kommentierungen wurden hier redaktionell hinzugefügt.

Zum Plan für Lichterfelde-Süd
Stand: Sep. 2014
LICHTERFELDE (TvU). Wo einst Panzer rollten und Soldaten exerzierten, wird in Zukunft ein gesamtes Wohnviertel neu entstehen. Die Bebauung des 96 Hektar großen „Parks Range“-Areals in Lichterfelde-Süd rückt in greifbare Nähe. Das unter dem Namen „Hybrid City“ laufende Bauvorhaben soll den Bezirk als grünen Wohnstandort stärken. Rund 2.500 Miet- und Eigentumswohnungen will die Groth-Gruppe dort errichten.

Am vergangenen Dienstag [23.9.2014] präsentierte das Bezirksamt den Masterplan sowie den Gewinner eines Architekturwettbewerbs [Ed: nee, präsentiert hat das alles nur die Groth-Gruppe]. Doch das Projekt kennt auch Gegner, die eine komplette Bebauung der Fläche verhindern wollen [Ed: nee, verhindert werden soll nur die Bebauung von Teilflächen, die Lebensraum für besonders streng geschützte FFH-Arten sind, wie das der Masterplan vorsieht].

    Der Sieger-Entwurf (Sep. 2014)
^   Der Masterplan. So soll also eine „behutsame Randbebauung“ aussehen, die uns einst Politiker von CDU und SPD versprachen, um die einmalige Natur von Lichterfelde- Süd zu erhalten. In Türkis eingerahmt: Die besonders Natur-gefährdende Bebauung.   (Repro: 20.9.2014 – khd-research)
Die Abschlusspräsentation, bei der neben [Bau-] Staatsekretär Engelbert Lütke-Daldrup auch Bürgermeister Norbert Kopp und die Bezirksstadträte Norbert Schmidt und Christa Markl-Vieto sowie der Projektentwickler Klaus Groth teilnahmen, nannte den Gewinner des Architekturwettbewerbs.

Als problematisch wird immer wieder die enge Nachbarschaft mit der Thermometer-Siedlung betrachtet. Die dortigen sozialen Verwerfungen könnten sich negativ auf das neue Wohnviertel auswirken [Ed: was schon mit einem sinkenden Marktwert bei in dieser Gegend teuer gekauften Wohneigentum einhergehen kann, aber weder Projektentwickler Groth noch der Bezirk wollten sich bislang von Stadtsoziologen beraten lassen, wie künftigen Konflikten von vornherein begegnet werden kann].

39 Hektar des Areals sollen bebaut werden, während 57 Hektar als „Grüne Mitte“ erhalten bleiben [Ed: diese ursprünglichen Zahlen stimmen so nicht mehr — nun nur noch etwa eher 40 ha für die „Grüne Mitte“]. Mehr als 500 der neuen Wohnungen könnten von kommunalen Wohnungsbaugesellschaften des Landes Berlin errichtet und belegungsgebunden für durchschnittlich 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden.

Das Architekturbüro Casanova + Hernandez Architekten aus Rotterdam überzeugte die Jury. Geplant sind jetzt 6 zehngeschossige Bauten [Ed: hm, in der Planzeichnung sind aber 12 Geschosse angegeben], 25 Sechgeschosser sowie auch [606] Reihen- und Doppel-Häuser und vierstöckige Gebäude. Diese sollen in 6 Quartieren [jeweils] um einen Marktplatz gruppiert werden.

Ein bis zu 35 Meter breiter [Promenaden-] Park mit Spielplätzen wird die Grenze zu der großen Parkfläche [in der Mitte] bilden. „Das Projekt ist aber immer noch Grünflächen- Vernichtung“, mahnt Helmut Schmidt vom „Aktionsbündnis Lichterfelde Süd“.

In den kommenden Tagen will die Initiative – zusammen mit den Akteuren von „Hundert Prozent Tempelhofer Feld“ – prüfen, ob ein Bürgerentscheid initiiert werden soll [Ed: gemeint ist wohl ein Volksbegehren auf Landesebene, mit vielleicht anschließendem Volksentscheid über ein Volksgesetz, das die Lichterfelde-Süd- Planungen im Sinne des Gemeinwohls in vernünftige Bahnen lenkt].

comment! Solchen Vorhaltungen möchte man auf politischer Ebene jedoch begegnen. „Ein besonderes Augenmerk bei der Planung galt dem verantwortungsvollen Umgang mit den hochwertigen Biotopen auf dem Areal. Diese sichern und im Konzept der ‚Grüne Mitte‘ weiterzuentwickeln war und ist daher Gegenstand des landschafts-planerischen Fachworkshops“, betont Stadträtin Christa Markl-Vieto. [mehr]

[Das städtebauliche Konzept für Lichterfelde-Süd]



Aktionsbündnis plant Bürgerbegehren

Aus:
Berliner Morgenpost, 7. Oktober 2014, Seite xx (Bezirke). [Original]

LICHTERFELDE (BM). Auf dem Gelände von "Parks Range" sollen 2.500 Wohnungen entstehen. Das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd will dabei mitreden.

Das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd will ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen, um seine Interessen beim Bau der 2.500 Wohnungen auf dem Gelände von "Parks Range" durchzusetzen. Dazu gehören ein schlüssiges Verkehrskonzept, Schallschutz und Artenschutz. Am Montag, 13. Oktober, 18 Uhr, findet eine Informationsveranstaltung im Kieztreff, Celsiusstraße 60, statt.



Wohnraum für wenig Geld

Wohnungsbaugesellschaften erhalten weitere Grundstücke im Bezirk zur Bebauung / [Ed: tja, hätten da nicht einige Politiker so enorm gepennt, dann könnte jetzt auch der nördliche Teil von Lichterfelde-Süd dieser preiswerten Schaffung von Wohnraum dienen – nun wird’s dort teuer...].

Aus: Berliner Woche (Ausgabe Steglitz-Süd) – Nr. 41/2014, 8. Oktober 2014, Seite 1 (Aufmacher). [Original]

STEGLITZ (KM). Das Land Berlin, der Liegenschaftsfonds, die Senatsverwaltung und 6 landeseigene Wohnungsbaugesellschaften führen 2014 ein Pilotprojekt fort. Durch die Übertragung von städtischen Grundstücken soll der Bau von bezahlbaren Wohnungen unterstützt werden.

Auf 27 Grundstücke haben sich die Wohnungsbaugesellschaften (WBG), das Land Berlin, der Liegenschaftsfonds und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt verständigt. Auf diesen Flächen sollen die WBG bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Die Grundstücke befinden sich im Treuhandvermögen des Liegenschaftsfonds und werden als Sachwerteinlage durch das Land Berlin auf die städtischen Wohnungsbaugesellschaften übertragen. Mit der Übertragung der Grundstücke ermöglicht das Land nicht nur den Bau von rund 1.500 landeseigenen Wohnungen. Vielmehr verpflichten sich die Wohnungsbaugesellschaften gleichzeitig, rund 20 Prozent sogenannte bezahlbare Wohnungen zu Mieten von 6,50 Euro pro Quadratmeter anzubieten.

In Steglitz-Zehlendorf wurden aktuell 2 Grundstücke den WBG zur Verfügung gestellt. In Lichterfelde wird die Degewo in der Bäkestraße eine Fläche von insgesamt rund 8.500 Quadratmetern bebauen. Die WBG Stadt und Land hat vom Land Berlin ein Grundstück von etwa 600 Quadratmeter Größe in der Körnerstraße erhalten, das mit Wohnungen bebaut wird.

Die jetzige Übertragung ist bereits ein zweites Paket von Grundstücken, das den städtischen Gesellschaften für den Neubau von Wohnungen zur Verfügung gestellt wird. Im vergangenen Jahr sind bereits 10 Grundstücke übertragen worden auf denen insgesamt 700 Wohnungen errichtet werden.

Im Bezirk sind es rund 200 Wohnungen, die von der Degewo in Lankwitz gebaut werden. So werden in den nächsten Jahren an der Kaiser-Wilhelm-Straße 103 in einem Neubau 19 Sozialwohnungen entstehen. Mit dem Neubau wird die Lücke zwischen der bestehenden Blockrandbebauung geschlossen. Baustart ist ab 2015 geplant. 186 Wohnungen für Familien mit geringem Einkommen sind auf einer Fläche in der Dessauerstraße 37 geplant.



M A S T E R P L A N   F Ü R   L I C H T E R F E L D E

Masterplan für neues Stadtviertel

Berlins größtes Wohnungsbauprojekt in Lichterfelde-Süd nimmt auf dem Papier Gestalt an.

Aus:
Berliner Woche (Ausgabe Steglitz-Süd) – Nr. 41/2014, 8. Oktober 2014, Seite 3 (Lokales). [Original]

Zum Plan für Lichterfelde-Süd
Stand: Sep. 2014
LICHTERFELDE (KM). Jetzt wird es konkret: Ab 2016 entstehen in Lichterfelde-Süd 2.500 Wohnungen. Die Hälfte soll vermietet, die andere verkauft werden. Am 22. [23.] September wurde der Masterplan dafür vorgestellt.

Wo jetzt noch die Natur die Oberhand hat, soll ein neuer Stadtteil entstehen. Immobilien-Unternehmer Klaus Groth plant auf dem fast 100 Hektar großen Areal gegenüber der Thermometer-Siedlung ein neues Stadtviertel.

Eine besondere Herausforderung für die an dem Wettbewerb beteiligten Architektenbüros war es, eine Verbindung zwischen der Thermometer-Siedlung, dem neuen Stadtquartier und dem Landschaftspark herzustellen. All diese Aspekte seien im Entwurf des Architekturbüros Casanova+Hernandez aus Rotterdam hervorragend berücksichtigt, urteilte eine Jury und wählte den Entwurf zum Masterplan und somit als Grundlage für alle weiteren Planungen.

Die Siegerarchitekten teilen das neue Stadtviertel in 6 einzelne Wohnquartiere. Jedes für sich soll einen eigenständigen Kiez bilden, zu dem ein Stadtplatz gehört, um den sich verschiedene Haustypen gruppieren. Unterschiedliche Wohnformen sprechen verschiedene Einkommensgruppen an und sollen zu einer sozialen Durchmischung beitragen.

Insgesamt sind 600 Reihen- und Doppelhäuser sowie 1.900 Etagenwohnungen in vier-, sechs- und zehngeschossigen Häusern geplant. Jeweils ein Zehngeschosser soll jedes der 6 Quartiere wie ein Nagel markieren. Die insgesamt 2.500 Wohneinheiten teilen sich zur Hälfte in Miet- und Eigentumswohnungen. Über 500 Wohnungen sollen von kommunalen Wohnungsbaugesellschaften errichtet werden mit einem Mietpreis von 6,50 Euro pro Quadratmeter. Der Rest der soll für 8,50 bis 10,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Der Preis für die Eigentumswohnungen läge zwischen 3.000 und 3.500 Euro pro Quadratmeter, erläuterte Klaus Groth. [Wohnkosten in der neuen Siedlung]

Die sogenannte "Grüne Mitte", die etwas mehr als die Hälfte der Fläche einnimmt, soll zur Erholung dienen und frei zugänglich werden. Dazu haben die Architekten sogenannte grüne Finger eingeplant. Mit diesen Wegen werden die Straßen der Thermometer-Siedlung durch die Wohnquartiere mit öffentlichen Grünflächen und Spielplätzen bis zur "Grünen Mitte" weitergeführt.

Am Ende werden in dem neuen Quartier etwa 10.000 Menschen wohnen [Ed: also rund doppelt so viel, wie jetzt in der Thermometer-Siedlung]. Die Groth-Gruppe investiert rund 800 Millionen Euro. Baustart soll im Jahr 2016 sein. Die Bauzeit wird 5 bis 7 Jahre dauern.

Kritik kam an den Sechsgeschossern auf. Sie umrahmten das Gebiet wie einen Burgwall, hieß es. Auch seien die Verkehrsprobleme ungelöst. Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) sagte, dass der Masterplan nur eine Grundlage für weitere Planungen sei. Das gesetzliche B-Planverfahren mit öffentlicher Beteiligung stehe noch aus, genauso wie die Abstimmung des Rohkonzeptes mit der BVV. Schmidt: "Wir stehen erst ganz am Anfang der Planung. Aber das Projekt nimmt langsam Gestalt an und wird uns noch viele Jahre beschäftigen."

[Das städtebauliche Konzept für Lichterfelde-Süd]



I M M O - M E S S E   I N   M Ü N C H E N

Berlin zu verkaufen

Auch mit Türmen wirbt die Hauptstadt auf der Immobilienmesse in München. Das Interesse ist riesig und erinnert an den Bauboom der frühen 2000er Jahre [Ed: und wer will sich da schon mit dem Naturschutz in Lichterfelde-Süd ernsthaft beschäftigen...].

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 8. Oktober 2014, Seite 7 (Berlin). [Original]

BERLIN/MÜNCHEN (Tsp). München ist schick, aber Berlin brummt und ist der Liebling beim diesjährigen Schaulaufen der Wohnungs- und Immobilienbranche in München. 700 Quadratmeter ist der gemeinsame Stand mit Brandenburg groß, mehr Platz hat keiner. Aber auch das ist fast zu klein bei dem Andrang, berichten die Veranstalter, die sich an die Zeiten der Berlin-Euphorie Anfang der 2000er Jahre erinnert fühlen.

Seit mehr als einem Jahrzehnt wird in Berlin nicht mehr so viel gebaut – und nicht so spektakulär. Zu den Lieblingsprojekten von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zählt auf der Schau das „Upper West“, mit dem der Konzern Strabag auftrumpft.

118 Meter hoch und eine Fläche von 53.000 Quadratmetern stehen auf dem Steckbrief des Projektes gegenüber der Gedächtniskirche.

Senatsbaudirektorin Lüscher bessert nach

Erfreulich für Lüscher ist aber vor allem, dass der Bauherr sich der Kritik in ihrem Baukollegium stellte und „Geld in die Hand nahm“ für Korrekturen an dem Entwurf von Architekt Christoph Langhof. Der zeichnet mit den Konturen des Gebäudes zwei Wellen nach, wobei der obere Teil des Hochhauses ein Metallkleid bekommt. Auf Einwirken des Baukollegiums werden die L-förmigen Fassadenelemente nicht aus zwei Segmenten zusammengesetzt, sondern aus einem Guss. „Ohne Fuge verstärkt das die plastische Wirkung“, sagt Lüscher. Das Upper West soll gemeinsam mit dem bereits errichteten Zoo-Fenster das „Tor“ zum Eingang in die City West symbolisieren.

Alle wollen hier wohnen, deshalb wird gebaut

Aber Bürotürme mit Läden in den unteren Etagen stehen nicht im Mittelpunkt des Interesses von Investoren in München, sondern „Wohnen, wohnen, wohnen“, wie Lüscher sagt. Und da zeigen die landeseigenen Bauunternehmen ihre neusten Vorhaben ebenso wie die Privaten. Die CG-Gruppe zum Beispiel mit ihren Plänen für den Umbau des Postbank-Areals im Stadtteil Kreuzberg. Mit einer „ersten Skizze“ der Investoren-Architekten Eike Becker traten auch sie vor das Baukollegium und gehen jetzt noch einmal zurück auf Start: Für das 4 Hektar große Areal sollen nun 6 Büros in einem „Workshop“-Verfahren Planungsideen vorlegen. Die einfachste Übung dürfte dabei noch der Austausch der Fassade des 89 Meter hohen Postbankturms sein. Darin sollen künftig überwiegend 45 Quadratmeter kleine Wohnungen entstehen mit gemeinsam genutzten Aufenthaltsräumen.

Berlin boomt wie lange nicht mehr

Mehr als 10.000 Wohnungen werden wohl 2014 in Berlin fertig gestellt. Und der Bauboom geht weiter: Krieger zeigt in München seine Pläne für ein neues Möbelhaus und 750 Wohnungen in Pankow, die Buwos-Gruppe baut Wohnungen in Grünau, Baywobau, die Groth-Gruppe in Lichtenrade und am Gleisdreieck, Ziegert Immobilien sind am Start, CA-Immo setzt die Arbeiten an der Europacity am Hauptbahnhof fort – und Harald G. Huth hat nach Eröffnung und Verkauf der Leipziger Platz Arkaden an arabische Investoren Zeit und baut nun in Moabit Wohnungen auf dem Schultheiß-Areal. Auch die Tegel Projekt wirbt in München, in der Hoffnung, dass der BER doch noch öffnet.



W O H N U N G S B A U   I N   B E R L I N

Das Wunder von Lichtenberg

Plötzlich schauen alle auf Berlins fernen Osten: Denn der Bezirk mit dem bisher eher blassen Image wächst und baut neue Wohnungen in großem Stil.

Hinweis auf:
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Oktober 2014, Seite xx (xxx). [Zum Artikel bei der FAZ]


Auszug:   (...)
Ein „Wohnungsbündnis“ für Lichtenberg haben das Rathaus, die Howoge und private Partner wie Lutz Lakomski vor 2 Jahren gegründet. Es legt fest, dass bei einem festgeschriebenen Anteil neu gebauter Wohnungen nur eine Miete im Rahmen des Mietspiegels verlangt werden darf. Ein weiterer Anteil ist für sozial Schwache vorzusehen. Dafür erhalten Bauwillige günstige Flächen und ein schnelles Baurecht. Bis heute treten Bauträger dem Bündnis bei. (...)



N A T U R S C H U T Z   I N   B E R L I N

„Solidarisches Berlin“ –
aber ohne Zauneidechsen

Naturschutz muß sich in Berlin allen anderen Zielen unterordnen [Ed: denn in der Metropole zählt nur noch der Bauboom].

Aus: Pankower Allgemeine Zeitung, 11. Oktober 2014, 9.27 Uhr MESZ (Aktuell). [Original]

BERLIN-SCHÖNEWEIDE (m/s). Der Berliner Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) ist auch für den Naturschutz zuständig. Wer genauer hinschaut, wird feststellen: Unter seiner Ägide ist das Berliner Naturschutzgesetz zum „Naturschutzbehörden-Zuständigkeits- und Naturbeobachtungsgesetz“ mutiert, das mit dem Bundesnaturschutzgesetz kaum noch etwas zu tun hat.

Der Berliner Naturschutzgesetz weicht in wichtigen Punkten vom Bundesnaturschutzgesetz ab. Naturschutz muß sich in der Metropole Berlin allen anderen Zielen unterordnen.

Inzwischen kann man auch das Paradoxon verstehen lernen, wenn Müller meint, er wolle gleichzeitig „Mehr Wohnen und mehr Grün“ auf einem begrenzten Stadtgebiet ermöglichen.

Es geht um Stadtentwicklung, auf 50 ha ehemaligen Bahnflächen am Betriebsbahnhof Schöneweide, und um eine neue Art wie Naturschutz- und Ausgleichsmaßmnahmen gehandhabt werden.

Aus Ausgleichsbeträgen von Investoren werden in Berlin Ausgleichsmaßnahmen bezahlt. Millionen-Beträge werden in der Berliner Stiftung Naturschutz und der neuen Stiftung Grün Berlin geparkt.

Doch das Geld kommt nicht etwa nur Berlin zugute: Erstmals wird es für Flächen außerhalb Berlins verwendet: in Fredersdorf in Märkisch-Oderland. Senator Müller schreibt nun ein ganz neues Kapitel „Naturschutz“, ein Exempel an einer geschützten Art: Der Zauneidechse (Lacerta agilis): Er lässt die geschützten Tiere wegfangen und siedelt sie einfach um.

NABU klagt gegen Zauneidechsenfang im Großmaßstab – Genehmigung nicht rechtens

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) ist empört und will das weitere Abfangen der [nach europäischem Recht] streng geschützten Zauneidechsen auf dem Gebiet des ehemaligen Rangierbahnhofs Schöneweide per Klage stoppen. Bereits im August wurden auf dem etwa 50 Hektar großen ehemaligen Betriebsbahnhof Schöneweide von der Bahn innerhalb von nur einer Woche 300 Zauneidechsen gefangen und in ein Gebiet bei Fredersdorf in Brandenburg umgesiedelt. Der NABU Berlin kritisiert den „Fang ohne jeglichen Grund“ und klagt gegen die fehlende Beteiligung der Naturschutzverbände.

Klage wegen mangelnder Beteiligung eingereicht

Zwar ruht der Zauneidechsenfang momentan, da die Fläche in Brandenburg, in die die Tiere umgesiedelt werden sollten, bereits mit den kleinen Reptilien voll ist. Aber der NABU will mit seiner Klage verhindern, dass es mit dem Eidechsenfang überhaupt weitergeht, sobald eine neue Umsetzfläche gefunden ist.

Für eine solche Umsetzung ist zudem eine Ausnahmegenehmigung notwendig. Bevor die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt diese aber erteilen darf, müssen zuvor die Naturschutzverbände und somit auch der NABU Berlin gehört werden. So zumindest sieht es das Berliner Naturschutzgesetz vor. „Doch bis heute gibt es dazu kein Beteiligungsverfahren“, moniert Anja Sorges, Geschäftsführerin des NABU Berlin. Schon im August hatte der NABU Widerspruch gegen den Fang der Zauneidechsen eingelegt. Die Genehmigung ist jedoch bisher von der Senatsverwaltung nicht zurückgenommen worden.

Im vorauseilenden Gehorsam für die Bahn?

Die Bahn plant auf dem ehemaligen Rangierbahnhof Schöneweide das 40 Hektar große Gewerbegebiet „Berlin-Adlershof-Johannisthal“. Noch war der Plan nicht in der öffentlichen Beteiligung, doch vorsorglich wurden im August schon mal 300 Zauneidechsen gefangen und auf eine Bahnfläche in Fredersdorf (Brandenburg) umgesetzt und nächstes Jahr soll es mit dem Abfangen weitergehen. Der NABU wurde erst durch Ehrenamtliche vor Ort auf die riesige Fangaktion aufmerksam. Es wurden mehrere kilometerlange Zäune gestellt, um möglichst viele Zauneidechsen auf der großen Bahnbrache wegzufangen.

„Obwohl es sich um eine reine Angebotsplanung handelt und konkrete Bauvorhaben noch gar nicht bekannt sind, werden schon mal vorsorglich die streng geschützten Tiere abgefangen. Das Gebiet soll anscheinend ‚zauneidechsenfrei‘ an spätere Investoren übergeben werden, was alle Bemühungen zum Natur- und Artenschutz konterkariert“, sagt Anja Sorges, Geschäftsführerin des NABU Berlin.

Aus Naturschutzsicht hat der ehemalige Rangierbahnhof Schöneweide mit seinen 20 Hektar geschützten Biotopen, der größten Zauneidechsenpopulation Berlins, vielen weiteren seltenen und geschützten Insekten- und Pflanzenarten einen hohen Wert, weshalb aus Sicht des NABU Berlin ein großer Teil der Fläche erhalten bleiben muss. „Die fast komplette Bebauung (40 von 50 Hektar sollen zum Gewerbegebiet werden) ist indiskutabel“, konstatiert Sorges „Gerade bei solch großen Gebieten ist ein Nebeneinander von Mensch und Natur ohne weiteres möglich.“

Weitere Informationen:



P R O T E S T   G E G E N   M A S T E R P L A N

„Parks Range“: Protest in Berlin-Lichterfelde

Nachbarn wollen Bürgerentscheid gegen Großsiedlung.

Aus:
Berliner Zeitung, 12. Oktober 2014, Seite xx (Berlin).

Zum Plan für Lichterfelde-Süd
Stand: Sep. 2014
BERLIN-LICHTERFELDE (sh). Was der Investor, das Land und der Bezirk als großen Erfolg feiern, kommt bei einigen Anwohnern gar nicht gut an: Der Bau einer Großsiedlung auf dem früheren US-Manöverplatz „Parks Range“ in Lichterfelde stößt auf Widerstand. Die Anwohner wollen einen Bürgerentscheid.

Seit gut zwei Wochen steht der Masterplan für die neue Großsiedlung in Lichterfelde-Süd, das derzeit größte Wohnungsbauvorhaben Berlins. Auf dem früheren US-Manöverplatz „Parks Range“ an der Osdorfer Straße sollen für rund 800 Millionen Euro 2.500 Wohnungen und Einfamilienhäuser entstehen. Auch 6 Hochhäuser mit jeweils 12 Stockwerken sind geplant. Mit bis zu 7.000 neuen Bewohnern wird gerechnet. Das ist der Plan für das gut 96 Hektar große Areal, das sich nach dem Abzug der Militärs die Natur zurückgeholt hat, samt gefährdeter Arten wie Moorfrosch und Feuerfalter.

Was der Investor, die Groth-Gruppe, das Land und der Bezirk als großen Erfolg feiern, kommt bei einigen Anwohnern und Gewerbetreibenden gar nicht gut an. Seit mehr als 2 Jahren begleitet eine Bürgerinitiative, das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd, den Planungsprozess kritisch, nicht nur aus Liebe zum Moorfrosch.

Die Initiative sagt, nicht prinzipiell gegen die Bebauung zu sein. Aber sie wirft Eigentümer und Bezirk vor, mit rund 40 Hektar Baufläche [Ed: neuerdings sind es 46 ha] zu überdimensioniert zu planen und die bestehenden Quartiere, vor allem die im Norden angrenzende Thermometersiedlung, zu überlasten. Nun will das Aktionsbündnis in das Vorhaben eingreifen – mit dem ambitionierten Ziel, einen Bürgerentscheid herbeizuführen.

Sammeln für Bürgerentscheid

„Wir wollen, dass die Planung auf das Maß reduziert wird, das der Bezirk selbst per Gutachten hat ermitteln lassen“, sagt Helmut Schmidt vom Aktionsbündnis. Eine erste Naturschutz-Expertise, 2013 vom Bezirksamt in Auftrag gegeben, war zu dem Ergebnis gekommen, dass lediglich 16, höchstens aber 27 Hektar bebaubarer Fläche vertretbar seien. „Das würde bis zu 1.500 Wohnungen ergeben, was gerade so akzeptabel wäre“, sagt Schmidt.

Am Montag [13.10.2014] will die Initiative im Kieztreff Lichterfelde, Celsiusstraße 60, ab 18 Uhr das Vorgehen beraten, um Änderungen an der Planung zu erreichen. „Wir wissen, das ist anspruchsvoll“, sagt Helmut Schmidt. Denn in Steglitz-Zehlendorf müssten mindestens 7.000 Unterschriften gesammelt werden, um den Bürgerentscheid überhaupt zu ermöglichen.

Der Masterplan war im Zuge eines städtebaulichen Workshops entstanden, an dem auch Anwohner und das Aktionsbündnis beteiligt waren. Die Kritiker behaupten jedoch, wichtige Entscheidungen hätten ohnehin festgestanden.

Eines der größten Probleme aus ihrer Sicht ist ein drohender Verkehrskollaps. Sämtliche zu- und abführenden Straßen rund um das Gebiet sind einspurig – allen voran der Ostpreußendamm, über den die meisten Autos rollen. Schon jetzt gibt es im Berufsverkehr häufig Stau. „Die Straßen sind vollkommen ausgereizt und besonders an den neuralgischen Punkten nicht ausbaubar“, sagt Schmidt. Zu den derzeit etwa 2.000 Autos in der Thermometersiedlung würden durch die neuen Wohnquartiere noch einmal 3.000 weitere hinzukommen.

Auch im Bezirksamt kennt man dieses Problem, ein Verkehrskonzept gibt es aber bislang nicht. „Es muss eines erstellt werden“, sagt Norbert Schmidt (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung. Allerdings solle der Fokus darauf liegen, den Nahverkehr zu ertüchtigen statt eine „autogerechte Stadt“ zu planen. Der Kritik des Aktionsbündnisses hält er entgegen: „Die tun so, als seien wir schon im Vollzug. Dabei haben wir erst einen Masterplan.“

Verärgerung herrscht auch bei einigen der Gewerbetreibenden am nördlichen Rand des heutigen Groth-Areals, an der Réaumurstraße und am Landweg. Rund 20 Unternehmen befinden sich dort teilweise seit Jahrzehnten, von der Autowerkstatt über die Tischlerei bis zur Busvermietung. Etwa 200 Mitarbeiter sollen sie beschäftigen. Jetzt bangt mancher um seinen Job. Denn im Masterplan sind die Betriebe nicht vorgesehen. Das Gewerbe sei nicht „wohnverträglich“, wie es von Seiten des Investors und der schwarz-grünen Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung heißt. Das Konzept einer Gewerbe-Insel am Rand des Gebiets, unterstützt von SPD und Piraten, wurde abgelehnt.

Sinneswandel im Frühjahr

Stattdessen versprach die Groth-Gruppe, Firmen bei der Suche nach Ersatzflächen zu helfen. Einige der größeren Unternehmen fanden ein Gelände in Tempelhof. Andere klagen, der Investor habe sich nie bei ihnen gemeldet. Monika Weber, Inhaberin einer Verpackungsfirma, wird ihren Betrieb mit acht Mitarbeitern abwickeln müssen, wie sie sagt. Einen neuen Standort habe man ihr zwar angeboten, aber weder die Miete noch den Umzug könne sie sich leisten. Anette Mischler, Sprecherin der Groth-Gruppe dagegen betont, alle Firmen seien angeschrieben worden. Einige hätten sich nicht zurückgemeldet, für die meisten habe es aber Lösungen gegeben. „Wir haben alles getan, was wir konnten“, sagt sie.

Lange hatten sich alle Parteien im Bezirk gegen eine intensive Bebauung ausgesprochen. Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) warnte vor einer zweiten Thermometersiedlung, CDU-Fraktionschef Torsten Hippe sprach gar von „reaktionärer SPD-Baupolitik“, weil die sozialdemokratisch geführte Stadtentwicklungsverwaltung sich für bis zu 3.000 Wohnungen stark gemacht hatte. Dann kam der Sinneswandel. Im Frühjahr 2013 war bekanntgeworden, dass sich der Bezirk und die Groth-Gruppe in einer Absichtserklärung auf 39 Hektar Baufläche und bis zu 2.700 Wohnungen geeinigt hatten.



Bezirk will Ortsbild schützen

Veränderungssperre für Haus Lückhoffstraße 17.
[
Begründung des Bezirksamts]

Aus: Berliner Woche (Ausgabe Zehlendorf) – Nr. xxx/2014, 13. Oktober 2014, Seite xx (Lokales). [Original]

NIKOLASSEE (UM). Ein Schritt in Richtung Erhaltungssatzung für Nikolassee ist getan: Der Stadtplanungsausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung eine Veränderungssperre für das1930/31 errichtete Haus in der Lückhoffstraße 17 beschlossen.

Ein Investor hatte im Februar 2013 einen Antrag auf Abriss gestellt. Er wollte auf dem Grundstück ein Mehrfamilienhaus mit drei Wohneinheiten und einer Tiefgarage errichten. "Ich bin sehr froh, dass die Veränderungssperre im Vorgriff auf den in Arbeit befindlichen Bebauungsplan beschlossen wurde", sagt Henning Schröder, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Nikolassee.

Diese Entscheidung wirke sich gleichzeitig auf geplante bauliche Veränderungen im ganzen Ortsteil aus. "Wie zu erfahren war, ist der Bebauungsplan X-B2c für das Gebiet zwischen Burgunder und Krottnaurerstraße vor der Fertigstellung, Die anderen drei Gebiete im Ortsteil sollen folgen. Danach kann die Erhaltungssatzung in Angriff genommen werden", erklärt Schröder. Eine Erhaltungssatzung auszuarbeiten hatte die BVV Steglitz-Zehlendorf im September 2013 beschlossen.

Mit einer solchen Satzung will die seit 2002 aktive BI verhindern, dass Neubauten, die nicht zu den zwischen 1901 und den Dreißiger-Jahren errichteten Häusern der Villenkolonie Nikolassee passen, das Ortsbild verändern. "So genannte Stadtvillen und Flachdach- beziehungsweise Staffelgeschoss-Mehretagenhäuser sind bereits in der Burgunder, Normannen-, Lückhoff- und Schopenhauerstraße zu finden", sagt Schröder. Eine Erhaltungssatzung würde das Ortsbild schützen und für Neubauten Bauvorschriften vorgeben, die sich mit dem Erscheinungsbild vertragen.

"Wir sind nicht gegen moderne Architektur, denn gerade das Nebeneinander unterschiedlicher Baustile aus den ersten Jahrzehnten der Villenkolonie – vom Klassizismus bis zur Bauhausarchitektur – prägen, ohne einander zu stören oder zu erdrücken, das Erscheinungsbild Nikolassees", sagt Schröder.

Auf der Ausschusssitzung erwähnte Stadtrat Norbert Schmidt (CDU) auch, dass Bauanträge für die Insel Schwanenwerder künftig sehr sensibel bearbeitet werden sollen. "Hinsichtlich des ‚Marinebunkers‘ kommt dies leider zu spät", bedauert Schröder. 2009 entstand auf der Insel ein futuristischer Flachbau, der stark von der vorhandenen Bebauung abweicht und deshalb schnell in die Kritik geriet.



W E N N   B Ü R G E R   A N   D E R   N A S E   R U M G E F Ü H R T   W E R D E N

100 Prozent Lichterfelde

Gegner des Wohnungsbaus planen neue Bürgerbegehren – nicht nur am Mauerpark.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 14. Oktober 2014, Seite 20 (Berlin). Dokumentiert ist hier die Online-Fassung des Textes. Der Titel lautet dort: „Widerstand gegen Wohnungsbau / Initiativen planen neue Bürgerbegehren“. [Original]

BERLIN (Tsp). Die erfolgreichen Entscheide über das Tempelhofer Feld und die Kolonie Oeynhausen machen den Akteuren Mut. In Steglitz-Zehlendorf und Mitte könnten bald Unterschriften gesammelt werden.

Der Volksentscheid gegen die Baupläne auf dem Tempelhof Feld entfaltet langsam seine politische Wirkung. Es werde schwerer werden, künftig noch Bauvorhaben durchzusetzen, hatte Bausenator Michael Müller (SPD) Ende Mai in dunkler Vorahnung prophezeit. Die Initiativen „Mauerpark-Allianz“ und „Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd“ überlegen jetzt, die Baupläne vor ihrer Haustür per Bürgervotum zu Fall zu bringen.

Die Akteure der Kleingartenkolonie Oeynhausen haben ihren Bürgerentscheid bereits hinter sich – mit positivem Ausgang.

In allen 3 Fällen – Oeynhausen, Mauerpark und Lichterfelde – geht es gegen den Investor Klaus Groth, der in Berlin derzeit die meisten Wohnbauprojekte vorbereitet. Widerstand gibt es auch an der Lehrter Straße in Moabit, wo die Groth-Gruppe 700 Wohnungen bauen will.

Zehn-, Sechs- und Viergeschosser sind geplant

Zum Plan für Lichterfelde-Süd
Stand: Sep. 2014
Die meisten Wohnungen, 2.500, will das Unternehmen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Parks Range in Lichterfelde-Süd errichten. Sechs-, Zehn- und Viergeschosser sind geplant, aber auch Doppel- und Reihenhäuser auf 39 Hektar Bauland. Dem stehen 57 Hektar Grünfläche gegenüber, die größtenteils dem Naturschutz dienen sollen, also nur teilweise zugänglich sein werden.

Ein guter Kompromiss, erklären die Bezirkspolitiker, allen voran die Grünen. „Wir können damit leben“, sagt Fraktionschef Uwe Köhne. Groth habe Zugeständnisse gemacht [Ed: welche? In Lichterfelde-Süd ist davon nichts bekannt], die Akteure der Bürgerinitiative würden sich dagegen kaum bewegen, obwohl es ein intensives Beteiligungsverfahren gegeben habe. Ungelöst seien allerdings die Verkehrsprobleme an der Osdorfer Straße. Dazu wird gegenwärtig ein Verkehrsgutachten erstellt. Ob es zum bereits fertigen Masterplan passt, ist allerdings offen.

Stadtrat Norbert Schmidt (CDU) wirbt um Geduld. „Wir sind noch Monde von jeder Bauleitplanung entfernt.“ Ähnlich wie am Tempelhofer Feld kritisieren die Gegner das bisherige Beteiligungsverfahren als weitgehend nutzlos. Der Bezirk habe sich vor allem auf Druck des Senats auf die 39 Hektar große Baufläche eingelassen, vermutet der Sprecher der Initiative, Helmut Schmidt. Aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes sei nur eine Baufläche von 27 Hektar vertretbar, das habe
ein Gutachten ergeben.

Netzwerk der Widerständler

Anfang September haben sich die Bebauungsgegner berlinweit zu einem „
Netzwerk für soziale Stadtentwicklung“ zusammengeschlossen. Es sollen „Synergien“ genutzt werden, sagt Heiner Funken von der Mauerpark-Allianz. Außerdem solle das Signal an die Politik gesendet werden, dass Bürger überall gegen Baupläne von Senat und Bezirk zu Felde ziehen. Es müsse eine „andere Form der Bürgerbeteiligung“ gefunden werden.

Ein Modellprojekt dafür könnte das Verfahren zur Entwicklung des Tempelhofer Feldes werden, das vom BUND-Geschäftsführer Tilman Heuser derzeit vorbereitet wird. Am Mauerpark plant die Groth-Gruppe derzeit rund 550 Wohnungen. Die Bebauung ist Teil eines Kompromisses zur Erweiterung des Parks. Um verschiedene Anwohnerinitiativen in die Planung einzubinden, installierte der Bezirk eine „Bürgerwerkstatt“, doch die Initiativen kündigten ihre Teilnahme nach internen Querelen auf. Funken sagt, die bisherige Bürgerbeteiligung sei nur ein „Feigenblatt“ gewesen, um eine „handwerklich schlecht gemachte Politik“ [Ed: gegen das Interesse der Allgmeinheit] durchzusetzen. „Wir müssen jetzt zügig über ein Bürgerbegehren entscheiden.“



Kein „Burgwall“ ums Biotop

Ein Bürgerbegehren soll Berlins größtes Wohnungsbauprojekt stoppen.

Aus:
Neues Deutschland, Berlin, 15. Oktober 2014, Seite xx (Berlin). [Original]

Zum Plan für Lichterfelde-Süd
Stand: Sep. 2014
BERLIN (ND). Mit ihren Bauprojekten stoßen Senat und Bezirke auf wenig Gegenliebe. Nach den Volks- und Bürgerentscheiden zum Tempelhofer Feld und zur Kleingartenkolonie Oeynhausen in Wilmersdorf wollen auch andere Bürgerinitiativen diese Instrumente gegen Bauprojekte vor ihrer Haustür einsetzen.

Auf geballte Kritik stößt auch das derzeit größte Wohnungsbauprojekt der Stadt in Lichterfelde-Süd. Auf dem einstigen US-Truppenübungsplatz „Parks Range“, einem 96 Hektar großem Areal an der Grenze zu Brandenburg, will die Groth-Gruppe für 800 Millionen Euro rund 2.500 Wohnungen für etwa 7.000 Menschen bauen. Reihenhäuser und Doppelhaushälften sind geplant, aber auch Mehrgeschosser und 6 Hochhäuser mit jeweils 12 Stockwerken. „Überdimensioniert und unsozial“, lautete der Tenor auf einer Einwohnerversammlung, zu der am Montagabend [13.10.2014] das Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd eingeladen hatte. „Der Flächenverbrauch durch die Reihenhäuser ist viel zu groß“, sagt Helmut Schmidt vom Aktionsbündnis, die Sechs- und Zwölfgeschosser würden die bestehenden Wohnquartiere „wie ein Burgwall abschotten“.

Vor allem befürchtet das Bündnis Auswirkungen auf die bestehenden Mieten. „Der Mietspiegel wird steigen“, prophezeit Schmidt. Zwar sollen 500 Wohnungen von landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften errichtet und für 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden, aber das sei viel zu wenig. „Hier wird fürs Establishment gebaut“, sagt er mit Blick auf die Reihenhäuser, „ohne zu bedenken, dass die Leute immer weniger Geld im Portemonnaie haben.“ Die Initiative fordert, dass mindestens die Hälfte der Wohnungen zu sozial verträglichen Mieten angeboten wird. Völlig unklar sei auch die verkehrliche Erschließung des neuen Wohngebiets. Das Bündnis rechnet mit 3.000 zusätzlichen Pkw. Die Straßen seien aber kaum ausbaubar und würden schon den derzeitigen Verkehr kaum aufnehmen können.

Von der Politik sieht sich die Initiative über den Tisch gezogen. Gern zitiert sie Steglitz-Zehlendorfs Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU), der noch vor einem Jahr versprochen hatte, eine zweite Thermometersiedlung werde es nicht geben. Dieser ab Ende der 60er Jahre errichtete Komplex liegt dem geplanten Bauprojekt gegenüber und gilt als sozialer Brennpunkt. Kopp habe ursprünglich zugesagt, dass die Zahl der Wohnungen neuen 1.500 nicht übersteigt.

Damit könnte sich auch die Initiative anfreunden, „denn wir sind nicht gegen Wohnungsbau“. Sie verweist auf Gutachten des Bezirksamtes, wonach in Lichterfelde-Süd höchstens 27 Hektar als Bauland ausgewiesen werden können. Das würde 1.500 Wohnungen entsprechen. Nach den Wünschen der Groth-Gruppe sollen es jetzt aber 43 Hektar werden, also knapp die Hälfte der Parklandschaft. Was auch den Naturschützern Sorge bereitet. Denn auf dem Areal habe sich eine einmalige Weidelandschaft mit vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten herausgebildet, so Andreas Faensen-Thiebes vom BUND. „Je umfangreicher die Randbebauung, desto größer die Bedrohung für Wechselkröte, Moorfrosch, Knoblauchkröte und Zauneidechse, die alle auf der europäischen Liste der geschützten Arten stehen.“

Während das Bezirksamt darauf verweist, dass es sich erst um einen Masterplan handelt und noch lange kein Baurecht besteht, bereitet sich das Bündnis auf den Bürgerentscheid vor. „Wenn wir genug Mitstreiter finden, machen wir das“, sagte Schmidt. Die hundert ausgelegten Unterschriftszettel waren sofort vergriffen. Bevor das Begehren startet, wollen die Lichterfelder aber noch am 14. November zusammen mit der Mauerpark-Allianz, Anwohnern von Oeynhausen und anderen Initiativen, mit denen sie sich zum „Netzwerk für soziale Stadtentwicklung“ zusammengeschlossen haben, zum Sitz der Groth-Gruppe am Kurfürstendamm demonstrieren.



M A U E R P A R K   B E R L I N

B-Plan reif für die Ablage! — #1

Ein Musterbeispiel neoliberaler Privatisierungspolitik / [Ed: Ein trefflicher Abriß, wie in Berlin Stadtentwicklung nach Gutsherrenart betrieben wird].

Hinweis auf:
Pankower Allgemeine Zeitung, 16. Oktober 2014, 9.20 Uhr MESZ (Aktuell). [Zum Artikel]




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    © 2014-2014  – Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 11.12.2014 22.22 Uhr