PLS-Logo |   Dokumentationen aus Medien — Teil 42

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    Stand:  2.3.2015   (30. Ed.)  –  File: PLS/Aus_Medien/AM_42.html



Die Presse hat noch nicht die (politische) Dimension des Gesamt-Konflikts um Lichterfelde-Süd erkannt und wohl auch deshalb bislang nur wenig berichtet — immerhin gibt’s doch schon einiges. Auf diesen Seiten werden ausgewählte Artikel und Texte zu den Planungs-Absichten bzw. -Ansinnen für Lichterfelde-Süd dokumentiert.

  Lichterfelde-Süd / Giesensdorf
Ständig benachteiligt!
Eine Abrechnung
 
Dabei gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis. Archivort ist Houston (USA), wo das „fair use“-Prinzip gilt. Hier sind dokumentiert und manches auch in [Ed:...] kommentiert:

I n h a l t :       2015       [Artikel-Übersicht 2015]
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B E R L I N E R   S T A D T P L A N U N G

„Die Gegend um den Hauptbahnhof – ein schreckliches Areal“

Stararchitekt Daniel Libeskind vermisst in Berlin Fantasie und Kreativität bei der Stadtplanung / [Ed: Kein Wunder, wenn sich hinterklassige „Entwickler“ wie die Groth-Gruppe oder die CA-Immo (beide bauen beim Hbf.) der Stadtplanung in Berlin bemächtigen durften, dann kommt dabei permanent Murks heraus]

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 24. Januar 2015, Seite I1 + I2 (Immobilien-Teil). Titel + Untertitel + Teaser der Print-Fassung entnommen. Dem Tagesspiegel war dieses Thema so wichtig, daß er dazu einen Aufmacher-Artikel „Architekt Libeskind rechnet mit Berlin ab“ auf Seite 1 plazierte. Untertitel dazu: „Den Masterplänen fehlen Kreativität und Ideen – den neuen Plätzen Betriebsamkeit und Lebenslust“. [Original]

Eckig, kantig, herausfordernd sind die markanten Gebäude des US-amerikanischen Architekten und Stadtplaners Daniel Libeskind, wie zum Beispiel das von ihm entworfene Jüdische Museum Berlin – eines seiner Hauptwerke. Auf einem seiner Zwischenstopps in Berlin hat sich der 68-Jährige mit der Tagesspiegel-Autorin Tong-Jin Smith zu einem Gespräch über nachhaltige Stadtentwicklung, Hochhäuser in Berlin und humanistische Architektur getroffen.

Tagesspiegel: Nachhaltige Stadtentwicklung ist zu einem Trendthema geworden. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?

Libeskind: Traditionell ist ein nachhaltiges Gebäude ein Bau, der aus guten Materialien errichtet wurde, gut ausgerichtet war und dessen Flächen sich in der Zukunft umnutzen ließen und der schließlich auch erinnerungswert war, dessen Erhalt wichtig war. Aber ich würde sagen, dass heute Nachhaltigkeit komplett anders gedacht werden muss. Sie sollte als bezahlbarer Wohnraum begriffen werden. Denn was ist Nachhaltigkeit? Eine Stadt, die funktioniert.

Und wenn man nicht in der Lage ist, eine Gesellschaft hervorzubringen, in der Reiche und Arme nicht in Ghettos getrennt voneinander leben, dann muss man ausreichend bezahlbaren Wohnraum schaffen, um die Stadt selbst nachhaltig zu machen.

Anderenfalls wird die Stadt künftig nicht erhalten bleiben. Wir sehen den Zusammenbruch von Städten in vielen Teilen der Welt, weil es nicht genügend Wohnraum gibt, den sich die Menschen leisten können. Ich würde also sagen, dass sich im 21. Jahrhundert die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung gewandelt hat und dass es heute um bezahlbaren Wohnraum geht.

Tagesspiegel: Welche Rolle spielen dabei Architekten?

Libeskind: Architekten allein können das nicht. Wir brauchen in erster Linie aufgeklärte Politiker. Wir brauchen eine Zivilgesellschaft, die soziale Gerechtigkeit fordert. Wir brauchen eine Führung, die nicht nur über Chancen spricht, sondern Menschen in der Stadt wirklich die Möglichkeit gibt, zur Stadt beizutragen. Menschen wollen in Städten leben, weil sie ihrem Wesen nach kreative Orte sind. Und Architekten können dazu beitragen, wenn man Wohnraum genauso viel Aufmerksamkeit schenkt wie öffentlichen Gebäuden oder Museen. Dabei sind Wohnhäuser vom Typus her sehr viel schwieriger, weil sie für jeden bezahlbar sein müssen, jeden Wohnstil ermöglichen und gleichzeitig die Lebensqualität erhöhen und schön sein müssen.

Dabei folgt nachhaltiger Wohnungsbau nicht überall auf der Welt einem universellen Schema. Man muss einen Bezug zum Ort haben, wo man baut. Wenn man in China baut, in Berlin, New York oder Mumbai, muss man die lokalen Traditionen bedenken, lokale Technologien und vor allem die lokale Kultur, um architektonische Ideen zu entwickeln, die tatsächlich implementiert werden können und keine Gimmicks sind.

Tagesspiegel: Sie sagten einmal, dass eine demokratische Gesellschaft eine pluralistische Architektur braucht. Was meinen Sie damit?

Libeskind: Pluralistische Architektur meint Meinungsfreiheit. Wir brauchen Toleranz. Wir haben ja gerade gesehen, was in Paris mit den Karikaturisten passiert ist. Ich mag Vielfalt. Nicht so wie Ludwig Hilberseimer (Der Architekt und Stadtplaner lehrte u.a. am Bauhaus, Anm. d. Red.), der meinte, dass eine Stadt aus einheitlichen Blöcken bestehen sollte. Das ist tödlich. Er und auch andere Architekten wie Le Corbusier dachten, dass die beste Architektur funktional ist, wo jeder in einer kleinen Box lebt. Aber das ist keine vielfältige Stadt. Das ist ein Albtraum. Um Pluralität zu erzeugen, muss man Vielfalt und Unterschiede zulassen. Etwas, das für uns normal ist, ist es für andere nicht. Ich glaube, das ist es, was großartige Städte in der Vergangenheit gemacht haben. Sie haben diese Vielfalt zugelassen, diesen Reichtum an Platz, diesen Charakter von vielfältigem Leben in schönen Straßen.


„Berlin scheint heute Malmö nachzueifern“

Tagesspiegel: Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die Neubauprojekte in Berlin?

Libeskind: Wissen Sie, mit ein paar Ausnahmen, sind Projektentwickler nur daran interessiert, Geld zu verdienen. Aber das ist eben nicht genug für eine kulturelle Idee von Stadt. Ich möchte aber genauso wenig, dass Städtebau nur von Regierungen bezahlt wird. Was wir brauchen sind öffentlich-private Partnerschaften, die den Sinn und den Nutzen einer guten und schönen Stadt für alle erkennen.

Schönheit ist etwas, worüber heute keiner mehr spricht. Schönheit verschwindet. Aber es gibt sie tatsächlich, die schöne Stadt, das schöne Gebäude, das schöne Fenster, einen wunderschönen Sinn für Fantasie. Städte müssen keine uniformen, formalistischen Orte sein, denn egal wie detailliert sie geplant werden, am Ende saugen sie einem die Seele aus dem Leib, weil es keinen Raum gibt, um etwas Neues zu kreieren.

Öffentlicher Raum ist ein Schlüssel. Schon in der Vergangenheit war öffentlicher Raum wichtiger als privater Raum. Leider werden öffentliche Räume aber von Bürokraten bestimmt. Das war mal anders. In der Renaissance haben Künstler wie Michelangelo oder Raffael öffentliche Plätze gestaltet. Heute entwerfen vielleicht Architekten Gebäude, aber die echten Masterpläne werden von Technokraten und Bürokraten entwickelt.

Berlin ist ein gutes Beispiel dafür. Ich meine, Berlin hat eine großartige Bevölkerung. Aber wenn man sich die Architektur anschaut, frage ich mich: Soll mich das inspirieren? Immer die gleichen Gebäude, immer die gleichen vertikalen Fenster. Diese Stadt wird von ihrer eigenen Entwicklung erstickt, wenn sie nicht aufhört und merkt „Hey, wir sind Berlin! Wir sollen doch eine kreative Stadt sein.“ Ob also am Spittelmarkt, rund um den Hausvogteiplatz oder auf der Stralauer Insel, diesen neuen Quartieren [Ed: wo u.a. auch die Groth-Gruppe baute] fehlt es an Leben.

Tagesspiegel: Warum?

Libeskind: Die meiste Architektur entsteht heute am Computer. Sie wird in einer virtuellen Realität entwickelt und sehr bald wird sie eine vollkommen robotische Erfahrung sein, wo man am Bildschirm Figuren einsetzt, wo Dinge nur noch am Bildschirm gemessen werden. Wir laufen also Gefahr, wenn wir das Bewusstsein für Architektur als Kunst, als öffentliche Kunst, nicht zurückbringen, dass wir nur noch Städte haben, die in Renderings perfekt aussehen, aber schrecklich sind, um darin zu leben.

Der Potsdamer Platz ist auch so ein Beispiel. Wo ist die Betriebsamkeit und Lebenslust, die man wiedererwecken wollte? Der Platz ist steril. Wir brauchen also einen anderen Sinn dafür, was den Wert einer Stadt ausmacht. Man muss offene, partizipatorische Diskussionen mit den Bürgern führen, anstatt zu versuchen, sie auszusperren. Man muss die Menschen einladen, die Planer zu fragen, warum sie dies oder das entwickeln. Auch Menschen von anderswo, aus dem Sudan, aus China, aus Indien sollen an der Diskussion teilhaben. Demokratie ist hier der Schlüssel.

Berlin verbietet zum Beispiel Hochhäuser. Aber ich glaube, dass das ein schrecklicher Fehler ist, denn Berlin hat ja in den 20er Jahren mit New York konkurriert. Berlin war eine innovative Stadt, aber heute scheint sie eher Malmö nachzueifern. Das ist okay. Ich habe nichts gegen Malmö. Aber das ist nicht die Ambition einer Hauptstadt, die eine führende Rolle als kreative Stadt hat. Berlin sollte verstehen, dass man, wenn man Nachhaltigkeit schaffen will, eine hohe Verdichtung im Zentrum braucht. Das ist ganz fundamental.

Aber der allgemeine Diskurs hier dreht sich um das Schloss. Wie enttäuschend für eine Gesellschaft, die Goethe, Schiller, von Humboldt und Scharoun hervorgebracht hat. Was ist aus Berlin geworden? (lacht). Nein, Berlin ist eine großartige Stadt. Verstehen Sie mich nicht falsch. Aber ich glaube, die Menschen in der Welt erwarten einfach mehr von Berlin. Das gilt auch für die Altstadt am Roten Rathaus. Ich kann verstehen, dass Menschen nostalgisch sind und dass sie der Vergangenheit mehr trauen als der Zukunft. Aber das sollten sie in Berlin nicht.

Tagesspiegel: Gehören Hochhäuser zur Berliner Baukultur?

Libeskind: Wir sprechen hier ja nicht über Höhe oder darüber, das höchste Gebäude der Welt zu bauen. Es geht um Balance, die eine Stadt braucht. Und eine Stadt muss ein starkes Zentrum entwickeln. Ich denke, darin liegt auch das Versagen von Paris, als man hohe Verdichtung nach La Défense (ein modernes Hochhausviertel westlich des Stadtzentrums, Anm. d. Red.) ins Exil schickte. Damit hörte Paris auf, die Stadt zu sein, zu der wir geschaut haben.

London ist interessant. London hatte nichts dagegen, in der Nähe von St. Pauls zu bauen. Die Stadt entwickelt sich wirtschaftlich, sie entwickelt sich kulturell und zieht ganz viele Ausländer an. Das ist eine Stadt, die nicht abstrakte Gesetze erlässt, sondern der Stadt ermöglicht, sich zu entwickeln. Verstehen Sie mich nicht falsch. Paris ist eine wunderschöne Stadt, aber eher so wie Venedig, eine Stadt der Vergangenheit, eine museale Stadt. Und versuchen Sie mal nach La Défense zur Arbeit zu fahren. Was für ein fehlgeschlagenes Experiment. Wer will denn überhaupt so etwas wie La Défense haben?


„Tempelhof ist ein Beispiel dafür, dass Menschen Politiker ablehnen“

Tagesspiegel: Besteht die Gefahr, dass etwas Ähnliches in Berlin passiert?

Libeskind: Nein. Berlin ist eine sehr, sehr flächige Stadt, sehr dezentralisiert, was gut ist, weil sie viele Grünflächen hat. Als polyzentrische Stadt muss man aber diese Zentren entwickeln. Man muss ein ökologisches Verständnis für die Stadt entwickeln, anstatt darüber zu streiten, ob ein Gebäude zu hoch ist oder nicht. Das erscheint mir einfach als Zeitverschwendung.

Tagesspiegel: Und wie sehen Sie die Situation am Tempelhofer Feld?

Libeskind: Ich glaube, Tempelhof ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Menschen Politiker ablehnen. Ich glaube, sie vertrauen ihnen einfach nicht mehr. Sie kennen die Fiaskos, sie kennen die Situation am Flughafen und sie glauben Politikern einfach nicht mehr.

Tagesspiegel: Würden Sie das Feld bebauen?

Libeskind: Natürlich. Nicht, dass ich das jetzt in genaue Worte fassen kann, aber man kann diese unglaubliche Fläche nutzen. Ich bin kein Fan davon, ein Nazi-Gebäude zum Denkmal zu machen. Ich würde sagen, es ist interessant, aber es steht nicht im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit. Man könnte also eine Art Verbindung herstellen und etwas Interessantes, das es in dieser Form in Berlin noch nicht gibt. Ein Dialog an einem großartigen Ort in Berlin. Städte müssen für so etwas bereit sein, sonst verpassen sie ihre Chance.

Tagesspiegel: Chance ist ein gutes Stichwort. Wie beurteilen Sie die Entwicklung rund um den Hauptbahnhof?

Libeskind: Das ist ein schreckliches Areal. Wirklich schrecklich. Und es ist auch schon so spät in der Entwicklung, nachdem diese ganzen lächerlichen Inseln gebaut wurden. Gebäude ohne Charakter, ohne Ideenreichtum. Das ist das Ergebnis, das typisch ist für instrumentalisierte Bürokratie in der Planung, wo alles auf dem Papier logisch erscheint, aber wo keiner über die Stadt als Kunstwerk nachdenkt. Wir müssen Schönheit haben, Proportionen und Aktivitäten, die Entwicklung fördern, nicht nur ökonomisch, sondern auch mental. Das ist der Grund, warum Menschen noch heute in Scharen nach Florenz oder in andere alte Städte fahren. Sie finden dort etwas, was ihnen zu Hause fehlt. Sie finden dort diese humanistische Idee von Architektur, wo es um die Sterne geht, um Seesterne, um Musik, um Geometrie und Literatur. Es geht eben nicht um Menschen am Computer. (lacht). [
Leser-Kommentare]



B E R L I N E R   S T A D T P L A N U N G

Architekt Libeskind rechnet mit Berlin ab

Den Masterplänen fehlen Kreativität und Ideen – den neuen Plätzen Betriebsamkeit und Lebenslust.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 24. Januar 2015, Seite 1 (Aufmacher) von REINHART BÜNGER. [Original in PDF]

BERLIN (Tsp). US-Stararchitekt Daniel Libeskind hat Berlins Stadtplanern und Projektentwicklern Ideenarmut und Konzeptionslosigkeit vorgeworfen. Gleichzeitig warb er für eine umfassende Architekturdebatte in der Hauptstadt. Vielen neuen Quartieren fehle es an Leben, sagte Libeskind dem Tagesspiegel im Interview. „Diese Stadt wird von ihrer eigenen Entwicklung erstickt, wenn sie nicht aufhört und merkt: ‚Hey, wir sind Berlin! Wir sollen doch eine

     
„Diese Stadt wird von ihrer eigenen Entwicklung erstickt.“


Daniel Libeskind,
Architekt & Stadtplaner.

kreative Stadt sein.‘“ Am Spittelmarkt, rund um den Hausvogteiplatz, auf der Stralauer Halbinsel [Ed: wo auch die städtebaulich absolut unfähige Groth-Gruppe baute] oder am Potsdamer Platz („Der Platz ist steril“) – überall fehle es an Betriebsamkeit und Lebenslust, sagte der 68-Jährige, der von 1989 bis 2003 in Berlin lebte.

Der öffentliche Diskurs drehe sich in Berlin allein um das Humboldt-Forum in der teilweisen Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses, sagte Libeskind: „Wie enttäuschend für eine Gesellschaft, die Goethe, Schiller, von Humboldt und Scharoun hervorgebracht hat.“ Die Welt erwarte mehr von der deutschen Hauptstadt. Berlin sei einmal in den 20er Jahren eine innovative Stadt gewesen, die im Städtebau mit New York konkurriert habe. Heute scheine sie aber der schwedischen Provinzstadt Malmö nachzueifern. „Immer die gleichen Gebäude, immer die gleichen vertikalen Fenster.“

Es gelte, eine offene, partizipatorische Diskussion zu führen – auch mit Menschen von anderswo. Die Bürger Berlins seien zu beteiligen, anstelle zu versuchen, sie auszusperren. Die Diskussion um das Tempelhofer Feld sei „ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Menschen Politiker ablehnen. Sie kennen die Fiaskos, sie kennen die Situation am Flughafen, und sie glauben Politikern einfach nicht mehr.“ Dabei sollte diese Fläche bebaut werden, sagte Libeskind, um hier einen Dialog mit einem Nazibau zu führen. „Städte müssen für so etwas bereit sein, sonst verpassen sie ihre Chance“, mahnte der weltbekannte Architekt.

Scharf kritisierte er die räumliche Ordnung der Gegend rund um den Hauptbahnhof. „Das ist ein schreckliches Areal“, sagte Libeskind. Hier seien „Gebäude ohne Charakter, ohne Ideenreichtum“ entstanden [Ed: vor allem das Werk der städtebaulich unfähigen CA-Immo, die Berlins Senat protegiert]. Dies sei das Ergebnis einer instrumentalisierten Planungsbürokratie, wo alles auf dem Papier logisch erscheine, wo aber keiner über die Stadt als Kunstwerk nachdenke. „Heute entwerfen vielleicht Architekten Gebäude, aber die echten Masterpläne werden von Technokraten und Bürokraten entwickelt. Berlin ist ein gutes Beispiel dafür.“

Die Kritik zielt gegen Berlins Senatsbauverwaltung, die sich – in einigen Fällen seit Jahrzehnten – mit großen Würfen bei der Bebauung großer Stadtbrachen schwertut und mit der Neuordnung konzeptioneller Dauerbaustellen vom Alexanderplatz über die Historische Mitte nicht vorankommt.

[Zum Libeskind-Interview]

Mehr zu diesem Thema:
[09.08.2010:
Kollhoff-Interview zur Stadtplanung am Alex]  (DER TAGESSPIEGEL)
[18.03.2013: Wowis Legoland]  (Hinweis auf vernichtende Kritik im SPIEGEL)
[24.05.2014: Prof. Kollhoff kritisiert die Senats-Planung der Bebauung des Tempelhofer Feldes]  (DIE WELT)



P R E S S E - M I T T E I L U N G

Parks Range – Lichterfelder Weidelandschaft gerettet!

[Editor: ACHTUNG! Diese Presse-Mitteilung ist vergiftet! Denn es wird total verschwiegen, daß dabei mindestens 23 Hektar (39 ha – 16 ha) an Habitaten von europarechtlich besonders streng geschützten FFH-Arten durch Luxus-Wohnbebauung vernichtet werden sollen].

Von:
Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf – Nr. 044/2015, 28. Januar 2015, 5.56 Uhr MEZ (Presse-Mitteilumg). Sämtliche Links und Kommentierungen in [...] wurden hier redaktionell hinzugefügt. [Original]

STEGLITZ-ZEHLENDORF (UmNatAmt). Zwanzig Jahre nach dem Abzug der US-Truppen vom Übungsplatz „Parks Range“ hat sich dort eine für den Naturschutz herausragende Landschaft entwickelt. Dank des kleinräumigen Mosaiks von Biotopen und Landschaftseinheiten ist dort eine Vielzahl von seltenen und streng geschützten Tier- und Pflanzenarten anzutreffen, darunter auch solche mit europarechtlichem Schutzstatus. Das Bezirksamt hatte daher 2013 mit dem neuen Eigentümer der Liegenschaft vereinbart, 57 Hektar als zusammenhängende Naturlandschaft („Grüne Mitte“) zu schützen und die bauliche Entwicklung für die verbleibenden 39 Hektar zu ermöglichen.

Über die weitere Entwicklung der 57 Hektar wurde jetzt ein Zyklus von vier Workshops zur „Grünen Mitte“ abgeschlossen, in dem Bürgerschaftsvertreter, Politikvertreter, Vertreter der Naturschutzverbände, verschiedene Dienststellen des Bezirks und der Senatsverwaltung, der Eigentümer und die Reitgemeinschaft Holderhof vertreten waren.

Die Besonderheiten des Gebietes sind unter anderem auf die langjährig praktizierte Landschaftspflege der Reitgemeinschaft Holderhof mit zahmen Pferden in ganzjähriger Freilandhaltung zurückzuführen: Diese naturnahe Landschaftsentwicklung zeichnet sich dadurch aus, dass die Spontanvegetation durch ein spezielles, extensives Beweidungsmanagement und manuelle Pflegemaßnahmen gezielt gesteuert wurde. Die kleinteilig gelenkte, unterschiedlich intensive Beweidung hält Lichtungen offen und fördert Struktur- und Artenreichtum. Anders als in typischen Agrarlandschaften steht nicht die wirtschaftliche Nutzung, sondern die gezielte Erhaltung von Biotopen für seltene Pflanzen und Tiere im Vordergrund. Das Landschaftsbild ähnelt den Savannen in vielen Teilen Mitteleuropas vor etwa 5000 Jahren, bevor die großen Pflanzenfresser durch den Menschen ausgerottet wurden.

Drei Akteure tragen aktuell besonders zur Erhaltung der Lichterfelder Weidelandschaft bei:

Durch das gezielte Zusammenwirken dieser drei Beteiligten ist die Zukunft der Weidelandschaft gesichert. Parallel mit der Fortführung der Planungen für das Baugebiet werden auch die Details für den Betrieb der „Grünen Mitte“ geklärt. Erste Ideen zur Naturerfahrung und Zugänglichkeit für die Bevölkerung und die Verbindung mit dem künftigen Baugebiet wurden bereits zusammengetragen.

Langfristig ist vorgesehen, die 57 Hektar „Grüne Mitte“ in eine gemeinnützige Trägerschaft zu überführen und als Landschaftsschutzgebiet zu sichern. Das Gebiet soll für die Bevölkerung gebietsverträglich zugänglich werden.

Details zu dem Verlauf und den Ergebnissen der Workshops sowie weitere naturschutzfachliche Dokumente sind dem Internetauftritt des Umwelt- und Naturschutzamts Steglitz-Zehlendorf zu entnehmen. Die Seite kann über den
Kurzlink [http://www.lisued.de/] erreicht werden.

Der Besuch des Gebietes ist auch jetzt schon möglich. Hierzu bietet unter anderem die Reitgemeinschaft Holderhof sachkundige Führungen an. Details dazu hier [Berliner Umweltkalender]. Auch individuelle Führungen für Gruppen können vereinbart werden.

[29.01.2015: Replik des Aktionsbündnisses]



P O S I T I O N E N

Das ehemalige Militärische Übungsgelände in Lichterfelde Süd – eine wertvolle, aber bedrohte Weidelandschaft

Eine für Berlin einmalige Landschaft.

Von:
BUND-Berlin, 29. Januar 2015, 12.10 Uhr MEZ (Download-Zeitpunkt). Kommentierungen in [...] sind hier redaktionell hinzugefügt worden. Außerdem wurden bei einigen Links mit * Link-Alternativen angegeben. [Original]

BERLIN (BUND). Die ca. 100 ha große Fläche am südlichen Stadtrand beinhaltet eine Landschaft mit Weiden, Gebüschen, offenen Flächen und kleinen Wäldern: das ist nicht nur das Ideal des Landschaftsparks, so ist die Wirklichkeit hier in der Weidelandschaft Lichterfelde-Süd. Diese Landschaft wird gebildet aus einer Fülle von Pflanzen- und Tierarten, von denen viele als seltene und gefährdete Arten auf den "Roten Listen" der bedrohten Arten stehen oder durch deutsches und europäisches Recht besonders geschützt sind.

Wir wollen, dass Artenvielfalt und Weidelandschaft erhalten bleiben, auch wenn Teile der Fläche bebaut werden, und auch, dass Sie diese Pracht und Vielfalt in Zukunft besser erleben können. Diese Qualitäten, aber auch seine Empfindlichkeiten sind aus der speziellen Geschichte zu verstehen.

Wie ist diese Landschaft entstanden?

Das Gebiet ist etwas ganz Besonderes: Nach dem Abzug des Militärs von "Parks Range" begann die Natur mit der Rückeroberung: Gebietstypische Kräuter und Pioniergehölze breiteten sich aus, und die zwischen Parks Range und Gewerbegebiet siedelnde Reitgemeinschaft Holderhof entwickelte durch vorsichtige Ausritte und tägliches Müllsammeln eine enge Beziehung zu dem ungewöhnlichen Gebiet. So entstand ein gewagtes Pionierprojekt: Mit lenkenden manuellen Pflegemaßnahmen und dem gezielten Einsatz der Holderhof-Pferde formte Anne Loba behutsam die Spontanvegetation zur halboffenen "Lichterfelder Weidelandschaft" mit einem kleinteiligen Mosaik unterschiedlichster Biotope.

Es entstanden Lebensräume für ca. 500 Pflanzenarten, 52 Brutvogelarten, 7 Amphibienarten dazu Zauneidechsen, Fledermäuse und viele Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken und Wildbienen, die noch gar nicht vollständig erfasst wurden – aber von denen, die erfasst sind, sind wiederum viele in Deutschland selten und gefährdet.

Alle diese Arten sind nicht gezielt gepflanzt oder eingebracht worden sondern haben sich von alleine angesiedelt, weil die spezielle Beweidung ihnen Lebensmöglichkeiten eröffnete, die sie in unserer sonstigen ausgeräumten Agrarlandschaft nicht mehr haben. Wegen dieses Engagements und dieses Erfolgs hat Anne Loba, die dieses Gebiet so erfolgreich pflegt, 2012 den Berliner Umweltpreis des BUND bekommen – zusammen mit dem Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd.

Wie ist die Zukunft des Geländes?

Das Gelände fiel nach dem Abzug der Amerikaner 1994 zurück an die Bahn. Verschiedene Bebauungsideen scheiterten, aber die jetzige Eigentümerin, die Groth-Gruppe, will hier nun Wohnungen bauen. Ein vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf beauftragtes Gutachten weist einen Großteil der Fläche jedoch als so wertvoll aus, dass es als Landschaftsschutzgebiet geschützt werden müsste: Das Gutachten empfiehlt 80 ha Landschaftsschutzgebiet und 27 ha als Baugebiet, davon 11 ha nur bedingt bebaubar.

Gutachten (127 Seiten) unter:
http://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/politik-und-verwaltung/aemter/umwelt-und-naturschutzamt/naturschutz/schutzgebiete/gutachten_schutzgebietskonzept_lichterfelde-sued_mit_kart_1.pdf   *   *

Diese grundsätzliche Bewertung wird unterstützt vom Landesbeauftragten für Naturschutz: Gutachten des Landesbauftragten für Naturschutz   *

Der Bezirk hat sich zwar im Januar 2013 verpflichtet, dieses Gutachten als Grundlage für seine Planungen zu verwenden, vereinbart im April 2013 mit der Grothgruppe aber in einem "Letter of Intent" eine Baufläche von 39 ha, ohne dass hier naturschutzfachliche oder sonstige Abwägungen erfolgten. Diese Abwägung ist jedoch eigentlich wesentlicher Bestandteil der Bauleitplanung und durch dieses Verfahren der voreiligen Flächenaufteilung wird die spätere formelle Bauleitplanung mit ihren Elementen von Bürgerbeteiligung und sachlicher Abwägung konterkariert.

Vorlage des Bezirks

Absichtserklärung BA-Groth   *

Diesen Mangel an Planungskultur können auch nicht die Bürgerversammlung vom 15.10.2013 und die Werkstatt vom 23.11.13 beheben, die dann in ihrer Durchführung bei den Anwohnern auf viel Kritik stieß [Ed: hm, nur „viel Kritik“ — von wegen, es gab sehr massive Kritik, die noch ernste Folgen fürs Bauprojekt haben wird...]. Dabei setzt sich hier seit 2010 das Aktionsbündnis "Landschaftspark Lichterfelde-Süd" für eine nachhaltige Entwicklung des Südens von Lichterfelde ein, wofür diese Initiative 2012 den Berliner Umweltpreis des BUND bekam.

Die wertvolle Weidelandschaft wird nicht nur durch zu weit greifende Bebauung bedroht. Selbst da, wo nicht gebaut werden soll, kann die Natur durch Bezirk und Senat nicht gesichert werden, denn Berlin ist schon lange nicht mehr in der Lage, seine Hausaufgaben in Sachen Naturschutz zu machen. So kann der Senat mangels Personal keine Schutzgebietsausweisung erarbeiten und der Bezirk kann die Fläche weder erwerben noch sonst langfristig für seine Pflege aufkommen [Ed: ha-ha, aber großmannssüchtig Olympia 2024 haben wollen...].

Schreiben Staatssekretär Gaebler

Was machen wir als BUND?

Aus diesem Grund haben wir uns in Anbetracht des einmaligen Wertes dieser Landschaft als BUND auch gegenüber dem Bezirk bereit erklärt, hier aktiv zu werden, wobei wir vor allem zwei wichtige Aufgaben sehen:

  1. Die Aufteilung zwischen künftiger Baufläche und Weidelandschaft muss den Erhalt dieser einmaligen Natur sicher stellen: Die Fläche muss groß genug bleiben, um die Vielfalt zu sichern und sie muss deren wesentliche Strukturen erhalten, wie Laichbiotope, offene Sandflächen, wertvolle Biotope etc. Hierfür werden wir uns weiterhin einsetzen.

  2. Ein Pflege- und Nutzungskonzept muss entwickelt werden, das die Fortführung dieser Beweidung und den Erhalt der Biotop- und Artenvielfalt sichert.

Grundzüge für ein solches Pflege- und Nutzungskonzept lassen sich schon jetzt aufzeigen, auch wenn die meisten Details noch erarbeitet werden müssen. Langfristig soll das Gelände zwar geschützt und gesichert, aber auch für alle Menschen erlebbar werden: Wege sollen durch das Gelände führen, Ausblickpunkte und Ruheplätze geschaffen werden, Hinweistafeln auf Besonderheiten aufmerksam machen.

In der jetzigen schwierigen Übergangsphase bietet die Reitgemeinschaft Führungen an, die im Umweltkalender angekündigt werden:
www.umweltkalender-berlin.de.

Die Schönheit und Besonderheit dieser Weidelandschaft soll und wird aber erhalten bleiben und erlebbar werden.

[01.12.2014: BUND als Betreiber der Lichterfelder Weidelandschaft]



P A R K S   R A N G E

Ein neuer Stadtteil entsteht: Parks Range

Aus dem Bericht aus Gemeindekirchenrat und Gemeindebeirat von der gemeinsamen Sitzung am 15. Januar 2015.

Auszug aus:
Der Schlüssel – Nr. 181 (Gemeindeblatt der gebietszuständigen ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf), Februar 2015, Seite 14 (Aus der Gemeinde) von DETLEF LUTZE (GKR-Vorsitzender). Alle Links wurden hier redaktionell hinzugefügt.

GIESENSDORF. Annette Pohlke, Wolfgang Kornau und Detlef Lutze führen eine Power Point Präsentation vor. Inhalt ist die Geschichte, die aktuelle Sachlage und Aussicht der zukünftigen Bebauung in dem Gebiet "Parks Range" an der Osdorfer Straße. Detlef Lutze erläutert anschließend den Sachstand der Gespräche mit dem Kirchenkreis und dem Investor.

Der Wunsch wird geäußert, dass sich innerhalb der Gemeinde eine Interessengruppe gründet, die dazu beitragen kann, dass ein interner Dialog und Transparenz nach außen entstehen können.

Viele Fragen sind noch offen. Wichtig sind Gespräche mit dem Kirchenkreis, dem Diakonischen Werk und dem Investor.

Die Gemeinde ist gefordert, Anregungen und Wunschvorstellungen zu formulieren. Hierzu bedarf es noch eines internen Dialogs mit Gemeinde und den Gremien.

Eine nächste Beiratsitzung zu diesem Thema ist für den 5. März geplant. Es wird auch im Frühjahr eine Gemeindeversammlung zum Thema stattfinden. [mehr]



A U S B I L D U N G S Z E N T R U M   V O R   O R T   S C H A F F E N

Beschäftigung als Prävention

Ein Bericht aus der Holzkirche / [Ed: Die ev. Gemeinde Petrus-Giesensdorf betreibt seit Jahrzehnten in ihren Einrichtungen Holzkirche und Gemeindezentrum Celsiusstraße eine engagierte Kinder- und Jugendarbeit für die benachteiligte Jugend Lichterfelde-Süds, stößt damit im „sozialen Brennpunkt“ aber an Grenzen. Ein lokales Ausbildungszentrum mit „betreutem Arbeiten“ würde den benachteiligten Jugendlichen helfen, sich im Leben zurechtzufinden. Es könnte auf dem Gelände südlich der Thermometer-Siedlung in einem Gewerbegebiet entstehen].

Aus:
Der Schlüssel – Nr. 181 (Gemeindeblatt der gebietszuständigen ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf), Februar 2015, Seite 8 + 9 (Jugendseite) von CONSTANTIN T. HUTH (Dipl.-Soz.-Päd., Holzkirche e.V.). Alle Links wurden hier redaktionell hinzugefügt.

LICHTERFELDE-SÜD. Für Jugendliche und auch Kinder galt bis vor kurzer Zeit die Schulzeit, auch als Schulpflicht bekannt, als die klassische unausweichliche Beschäftigungszeit. Die Schule als "Arbeitsplatz" für Kinder und Jugendliche. Erst nach der Schule begann die Freizeit, die frei gestaltbare Zeit.

Innerhalb dieses Grundmusters wird Sozialisation in unterschiedlichen Momenten erfahren, Schule als Lehr- und Lernfeld und Freizeit als Praxisfeld. So haben wir auch jahrzehntelang Jugendarbeit verstanden und umgesetzt.

Im Rahmen von steigenden Zahlen nicht beschulbarer, vorzeitig von den Schulen abgegangenen und nicht ausbildungsreifen Jugendlichen wird der Begriff Beschäftigungszeit außerhalb der Schulzeit wichtiger denn je.

Eine Erweiterung der Tagesschulzeit durch die Ganztagsschule nimmt die Problematiken der außerschulischen Defizite in den Schulalltag auf. Zuerst einmal ein guter Grundgedanke, unkontrollierte Freizeit wird in einen pädagogisch überprüfbaren und beeinflussbaren Rahmen eingebunden.

Die gleichzeitige Verkürzung der Regelschulzeit von früher einmal 13 auf 12 Jahre ist jedoch paradoxerweise die Umkehr und wieder die Verschiebung auf den nichtschulischen Alltag, wenn auch erst nach den geforderten Pflichtschuljahren.

Da die zur Verfügung stehende begleitete Lernzeit, wie Schule, Ausbildung oder auch Studium für ein eigenbestimmtes, verantwortungsbewusstes Leben eher erweitert, statt verkürzt werden sollte, bleibt für das Auffangen von vorhandenen sozialen Defiziten manchmal nur die Hoffnung auf Erziehungsmaßregeln per Justiz, wenn Schule und Eltern längst ihren Einfluss verloren haben.

Erst wer besonders negativ auffällt, wird mit Hilfe versorgt und neu eingebunden.

Früher gab es auch noch den großen Hort der Nachreife namens Bundeswehr, heute ist der Dienst in Uniform jedoch durch Freiwilligkeit und Aufnahmehürden für die auffälligen Jugendlichen keine Option mehr, auch wenn viele gerne dort hingehen würden. Aber allein körperliche Fitness ist nicht ausreichend, um dort angenommen zu werden.

Der Sinn und Zweck der Dienstzeit bei der Bundeswehr erhält eine (nicht ganz neue) Argumentationshilfe, da die Abschaffung des Wehrdienstes so gesehen die Chance auf die nachschulische Einflussnahme auf prekäre Lebensmuster verschenkt. Wer als Jugendlicher nicht zur Schule, zur Ausbildung, zur Arbeit oder in eine, wie auch immer benannte Maßnahme geht, hat Zeit, viel Zeit.

Freizeit, also freie Zeit, ist dann nicht mehr Erholung, da nur noch eine Erholung von dieser freien Zeit zur Auswahl steht. Nur eine wie auch immer geartete Beschäftigung kann dann Erholung von der Freizeit bedeuten. Diese Sinnverdrehung der Worte zeigt deutlich die veränderte Sachlage. Die Definitionen müssen in einem neuen Rahmen erfasst werden.

Selbstverständlich ist auch Lohnarbeit eine der großen Beschäftigungsarten, jedoch sind viele Jugendliche aus bildungsfernen Familien, eben nicht nur die Jugendlichen mit Migrationshintergrund, am ersten und zweiten Arbeitsmarkt nicht oder nur sehr schwer zu vermitteln.

10 % der Jugendlichen sind bereits abgeschrieben

Ohne Schulabschluss, geschweige denn mit MSA (Mittlerer Schulabschluss), ohne Minimalbildung, ohne Ausbildung und dann noch mit einem geminderten Sprachschatz und nur wenigen erlernten Umgangsformen beginnt ein jahrelanger kostenintensiver Marathonlauf durch Qualifizierungs- und Zertifizierungsmaßnahmen.

MAE, ÖBS, und ähnliche Worthülsen sind die Versuche, die Problematik im Rahmen zu halten. In diesem Kontext muss Beschäftigung einen neuen Stellenwert erhalten.

Hier geht es nicht um die Freizeitbeschäftigung in Jugendfreizeitheimen und Rummelplätzen, sondern um die Einflussnahme auf die gesamte Lebenszeit außerhalb von Arbeit und Schule.

Das ist nicht mehr nur der Ansatz von Gesellschaftsspielen, Singegruppen, Lagerfeuerromantik und kleinen Gesprächskreisen, mal eben mit links aus dem Ärmel geschüttelt.

Wir reden von sozialer Freizeitarbeit, von sozialer Gruppenarbeit, sozialen Trainingskursen oder ähnlichen Maßnahmen, reden von jahrelanger Beratung, Begleitung und Betreuung, von Heranführung an das Leben. Wir reden von Prävention im Ganzen.

Eine Jugendarbeit, wie wir sie noch vor 10 oder 20 Jahren angeboten und auch erfolgreich umgesetzt haben, wäre damit vollkommen überfordert und ist nicht mehr vergleichbar.

Wenn als einzige erreichbare Ziele Schwangerschaft, Familiengründung, Harz IV oder tiefe Hinwendung zu den verschiedenen Religionen und ihren Derivaten im Angebot stehen, dann sind nicht nur weitere Parallelgesellschaften vorprogrammiert, sondern auch eine höhere dissoziale Haltung und weitere delinquente Handlungen. Die schon bekannten Folgen lesen wir täglich in der Presse und können wir in den Medien verfolgen.

Das sichert natürlich weiterhin Arbeitsplätze im sozialen Bereich, dient jedoch nicht der Lösung, sondern zementiert weiterhin das Gefälle innerhalb unserer Gesellschaft.

Wer nicht beschäftigt wird, der sucht sich Beschäftigung, eben immer entsprechend seiner eigenen (manchmal geringen) Fähigkeiten und Vorstellungen oder versinkt in Lethargie, Drogenkonsum und anderen Rauschzuständen. Psycho-soziale Krankheiten nehmen zu, Aggression und Frustration richten sich oft nach außen, aber auch nach innen.

Ins Museum gehen scheidet bei Vielen schon vorzeitig aus, obwohl der Eintritt bis 18 Jahre kostenlos ist. Der Gang zum Arzt gehört seit der Abschaffung der 10,– Euro Zwangsgebühr wieder zum Beschäftigungsalltag. Geheilt werden dabei die Wenigsten.

Eine Beschäftigung in unserem Sinne setzt längerfristige, verlässliche pädagogische Präsenz voraus, setzt das Schaffen von "Betreuten Arbeitsplätzen" voraus, setzt eine eigene hohe Motivation und Toleranz der Träger und Betreuer voraus. Diese Betreuung kostet Geld. Die zahlenden Institutionen, auch der Staat und die Kirche, müssen sich grundsätzlich überlegen, ob sie gewillt sind diese Aufgabe anzunehmen, wenn dann aber auch verlässlich bis in die noch ferne Zukunft.

Kurzfristige Maßnahmen und Projekte dienen der Lösung des Problems nicht, das muss klar sein. Die mittel- und langfristig angebotene Beschäftigungszeit kann und darf nicht unentgeltlich sein. Die Betreuung kostet mehr Geld, als die Produktivität der "Kunden", "Klienten" bzw. "Beschäftigungsbeziehern" erbringt.

Eine Idee wäre es, die wie auch immer geartete Beschäftigungszeit als Nachweis erbringen zu können, um seine Grundsicherung zu begründen und in vollem Umfang zu erhalten. Das Geben und Nehmen muss wieder eine Art Währung darstellen. Nur wer seine individuelle, noch so kleine oder große Leistung einbringt, kann auch etwas erhalten.

Sozialpädagogik zeichnet sich nicht nur durch weichgespülte, verständnisvolle Gesprächsrunden aus, sondern ist besonders einflussreich, wenn auch Grenzen erklärt und mit Vehemenz eingehalten werden. Dieses dient der jugendlichen Entwicklung manchmal mehr als tausend gut gemeinte Worte.

Wer in "betreuter Beschäftigung ist", hat weder Zeit sich ungezügeltem unbeachtetem Drogenkonsum hinzugeben, noch delinquentes Handeln in seinem Leben zu seinem Kerninhalt zu machen. Wer beschäftigt wird, lernt sich in Regelwerke einzufügen und sein Leben als sinnvoller anzusehen. Auch einer religiösen Radikalisierung kann so begegnet werden. Wer beschäftigt ist, hat schon allein einen Wert und Sinn im Leben. Wer allerdings seine immer freie Zeit mit zwanghafter Sinnsuche füllt, ist leichter Verirrungen ausgesetzt, als dass er einer realistischen Lösung nahe kommt.



B M   K O P P   S O L L ( T E )   W E G

Senator Heilmann vor Machtverlust in der CDU?

Seine Pläne sorgen im Kreisverband Steglitz-Zehlendorf für Unmut / [Ed: Die CDU in Steglitz und Zehlendorf war schon immer gut für sehr heftige Grabenkämpfe. Statt sich mit solidem Gestaltungswillen um Bürgerinteressen zu kümmern, kämpft deren Mittelmaß-Personal um Pöstchen. Angesichts einer im Bezirk stärker werdenden AfD, könnte es aber 2016 ein böses Erwachen geben. Die AfD kündigte unlängst an, in die CDU-Lücke beim Gestaltungswillen stossen zu wollen].

Aus: B.Z., Berlin, 4. Februar 2015, Seite 14 (Berlin) von OLAF WEDEKIND. [Original] [Original in PDF]

STEGLITZ-ZEHLENDORF (bz). Seit 2013 ist Justizsenator Thomas Heilmann (50) Vorsitzender der CDU Steglitz-Zehlendorf, dem größten Kreisverband Berlins. Doch der Unmut gegen ihn wächst. Auslöser sind umstrittene Personalpläne Heilmanns: Angeblich will er Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (60) durch Stadträtin Cerstin Richter-Kotowski (52) ersetzen. Aus Parteikreisen heißt es, Heilmann hätte Amtsinhaber Kopp Ende vergangenen Jahres in einem persönlichen Gespräch über diesen Plan informiert.

Auf eine B.Z.-Anfrage war Heilmann Dienstag [3.2.2015] nicht zu einem Kommentar bereit.

Parteifreunde reagieren mit Fassungslosigkeit. „Never change winning team“, argumentieren sie. Auf Deutsch: Ein siegreiches Team sollte man nicht verändern. Zu Kopps Unterstützern zählt unter anderem der Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann (62). Er beschreibt den Bezirksbürgermeister als „aktiven Mann, der einen guten Job macht, Tag und Nacht unterwegs ist und alle kennt.“

Stürzt am Ende Heilmann selbst, weil er Kopp stürzen möchte? In der CDU mehren sich die Stimmen, die seine Ablösung als Kreischef wünschen. Vorgänger Michael Braun (59) soll Interesse an dem Job angemeldet haben, dementierte aber auf B.Z.-Anfrage: „Ich denke gar nicht daran!“

Am 8. Mai wird der neue Kreisvorstand gewählt, Ende des Jahres folgt die Nominierung des Spitzenkandidaten und Bezirksbürgermeisters für die Wahl 2016. [mehr Hintergrund im TAGESSPIEGEL am 5.2.2015]

Mehr zu diesem Thema:
[15.04.2014:
Stadtplanungs-Diskussion ist "Zeitraub", sagt die CDU]  (ALL)
[05.02.2015: Game of Thrones in Steglitz-Zehlendorf]  (DER TAGESSPIEGEL)



B Ü R G E R B E G E H R E N

Bürgerbegehren noch nicht vom Tisch

Bezirk verkündet Rettung der Weidelandschaft Parks Range – Aktivisten kämpfen weiter [Ed: denn die Lügereien der Groth-Gruppe nehmen immer schlimmere Formen an].

Aus:
Berliner Abendblatt (Ausgabe Steglitz) – Nr. 06-ST/2015, 7. Februar 2015, Seite 8 (Aktuell).

LICHTERFELDE (PA). Wo einst US-Soldaten Krieg übten, galoppieren jetzt Pferde über Flächen, auf denen seltene Pflanzen wachsen: Der einstige Truppenübungsplatz „Parks Range“ in Lichterfelde hat sich zu einer außergewöhnlichen Naturlandschaft entwickelt, deren Erhalt seit langem umkämpft ist. Erschien die 96 Hektar große Fläche doch manchem als attraktives Bauland.

Großer Widerspruch

Doch nachdem mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in einer Workshop-Reihe die Nutzung eines 57 Hektar großen Gebietes auf dem Gelände ausgehandelt wurde, verkündete das Bezirksamt: „
Lichterfelder Weidelandschaft gerettet!

Durch den Schutz einer zusammenhängenden Naturlandschaft solle zugleich aber auch die bauliche Entwicklung für das übrige Gebiet ermöglicht werden, heißt es in einer Mitteilung. Die Groth-Gruppe, in deren Besitz sich die Fläche befindet, möchte hier ein Stadtquartier mit 2.500 Wohnungen errichten.

Helmut Schmidt vom Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd hält von den Nachrichten des Bezirks nur wenig. „Von Rettung kann hier keine Rede sein“, meint er. Die Erfolgsmeldung stehe im Widerspruch zum Abschluss eines städtebaulichen Wettbewerbs von Bezirksamt und Groth-Gruppe: „Der ‚Siegerentwurf‘dieses Wettbewerbs beruht auf zentralen Annahmen hinsichtlich der Wohnungszahl und Baufläche, die sowohl den politischen Zielen aller Fraktionen der BVV, des Bürgermeisters als auch den Ankündigungen des Bezirksamtes widersprechen.“

Ihnen zufolge sei eine Entwicklung Lichterfeldes auf der Grundlage von 16 bis 27 Hektar Baufläche vorgesehen gewesen. „Diese Zahlen liegen einem Gutachten zugrunde, das nicht belastbar und nach einem eintägigen Besuch auf dem Gelände entstanden ist“, wendet dagegen Groth-Pressesprecherin Anette Mischler ein [Ed: hm, wie kann man nur so entsetzlich schlimm lügen. EMPFEHLUNG AN ALLE: Noch mal ganz genau das LSG-Gutachten von Fugmann/Janotta vom Dez. 2012 von vorne bis hinten samt aller Tabellen und Kartierungen — und insbesonders das Kapitel „4.1 Methodik“ (ab Seite 37) — studieren!].

Die 39 Hektar, auf denen das Quartier geplant werde, basierten dagegen auf einem fachwissenschaftlichen Gutachten, für das das Gebiet einer Biotopkartierung unterzogen worden sei [Ed: bitteschön, welches Gutachten von wann soll das sein?]. Tatsächlich bebaut würden dort ohnehin nur 22 Hektar. Bis es soweit ist, dürfte aber noch etwas Zeit ins Land gehen. Der „Siegerentwurf“ sei lediglich die Grundlage eines Masterplans.

Banale Tatsachen

Dass eine Einigung zwischen der Groth-Gruppe und dem Aktionsbündnis nicht in Sicht ist, wurde jüngst bei einem Treffen von Vertretern beider Parteien deutlich. Lediglich auf die banale Tatsache, dass das rechte Maß für die Bebauung von zahlreichen Faktoren bestimmt werde, konnten sich die Beteiligten einigen.

Die Pläne des Aktionsbündnisses Landschaftspark Lichterfelder-Süd für ein Bürgerbegehren zu dem Thema sind jedenfalls trotz Rettungs-Ankündigung und Gesprächen mit der Groth-Gruppe noch nicht vom Tisch. „Über das Bürgerbegehren wird
am 12. Februar das Plenum entscheiden“, erklärt Schmidt.



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(Toronto/Houston)





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    © 2015-2015  – Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 12.03.2015 0:44 Uhr